Der reimende Zeichner eröffnet Jubiläumsschau

Der Hausherr höchstpersönlich hat am Mittwoch die Geburtstagsausstellung für den Plauener Künstler im Landratsamt eröffnet. Der frühere Lehrer, der am heutigen Donnerstag seinen 80. Geburtstag feiert, denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Plauen.

Wenn man in Rente geht, kann man es sich gemütlich machen oder endlich seiner Leidenschaft frönen. Nachdem Wilhelm Mühsam als Lehrer an der Reusaer und an der Kemmlerschule ab 1962 über fast vier Jahrzehnte hinweg in Deutsch und in Kunsterziehung unterrichtete, entschied er sich für den "Unruhestand". So bezeichnet er es selbst und so beschreibt er es auch in seinen mit unendlich vielen Reimen gefüllten Büchern. Rentner ist er seit 20 Jahren. Der unruhige Ruhestand ist so etwas wie sein zweites Leben geworden.

Der zeichnende Poet tauschte die Unterrichtsräume mit dem Atelier ein und begab sich mit Block und Stift auf Tour durch seine Heimatstadt. Auch damit hatte er fast rund um die Uhr zu tun und viel Arbeit. Nach zehn Jahren berichtete er bei einer Ausstellungseröffnung 2010 im Best Western Hotel an der Straßberger Straße bereits über acht Expositionen in der Stadt und im Vogtland. Damals kündigte er sein erstes Buch an. "100 Mal mehr oder weniger sinnlose und mal kürzere und mal längere Reimereien", umschrieb er das Werk. So sinnlos können diese Reime dann aber doch nicht gewesen sein. Denn aus einem wurden mehrere Bände und am Mittwoch bediente sich sogar Landrat Rolf Keil in seiner Laudatio dieser Texte.

"Man hört, es soll auch Typen geben, die fangen dann erst richtig an zu leben", zitierte Rolf Keil aus Wilhelm Mühsams Gedicht "Im Unruhestand", in dem es um das Rentendasein geht.

Das trifft zu 100 Prozent zu. Mit 80 Jahren ist der Meister dabei, seine Leidenschaft für die Kunst nun richtig auszuleben. Außer den Büchern mit Gedichten kommen auch seine Kalender gut an. Seit 2008 erscheinen die mit detailgetreuen und reizvollen Darstellungen der Stadt und ihrer Umgebung versehenen Monatsblätter. "Ich bin jetzt aus den roten Zahlen raus", meinte Wilhelm Mühsam am Mittwoch scherzhaft. Der Kalender verkaufe sich gut. Nachfragen gibt es immer wieder.

Außer Stadtansichten, Landschaften, Porträts und Beobachtungen aus dem Alltag hat der Chronist auch das Zeitgeschehen festgehalten. Unter dem Titel "abgewiggelt" zeigt das Geburtstagskind im Landratsamt sein Panoramabild mit einer langen Reihe von Menschen, mit denen die nach 1990 entlassenen Vogtländer abgewickelter Betriebe gemeint sind. Ein über Lutherkirche und Rathaus kreisender Hubschrauber erinnert an die Friedliche Revolution 1989 in der Stadt.

Dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, stellte der Zeichner und Reimer auch zur Ausstellungseröffnung unter Beweis. Weil kein offizieller Vertreter der Stadtverwaltung Plauen zum offiziellen Termin ins Landratsamt gekommen war, übte er Kritik. Was man denn in dieser Stadt noch alles machen müsse, um anerkannt zu werden, wollte er wissen.

Die Ausstellung im Landratsamt mit 40 Bildern ist bis zum 26. Februar zu sehen. Außerdem können Kunstfreunde noch bis zum 8. März im Schloss Leubnitz eine Schau unter dem Titel "Reimer und Strichler im Unruhestand" sehen.

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