Dieser freundliche Herr macht anderen Beine

Ab dem morgigen Sonntag feiern die Mitglieder des Vereins der Naturfreunde das 110-jährige Bestehen der Gemeinschaft in Plauen. Hans Leipold ist Gesicht der mehr als 200 Mitglieder zählenden Gruppe und dürfte vogtlandweit ein Rekordhalter sein.

Plauen.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus, lautet eine alte Redensart. Im Wald ist Hans Leipold recht oft unterwegs, und vielleicht kennt er sich deshalb bestens damit aus. Denn mürrisch, abweisend, misstrauisch oder schroff hat ihn wohl noch keiner gesehen. Stets freundlich und entgegenkommend agiert der Plauener seit nunmehr 29 Jahren an der Spitze des Naturfreunde-Vereins und zuvor schon sieben Jahre als Chef der Sektion Wandern der Betriebssportgemeinschaft Handwerk sowie fünf Jahre als 1. Stellvertreter - unterm Strich steht er damit mehr als 40 Jahre an der Spitze der Wanderbewegung - ein rekordverdächtiger Vereinschef. Das Wandern ist seine Leidenschaft, die bei ihm keinerlei Leiden schafft. Ganz im Gegenteil: Wie man dem 76-Jährigen ansieht, erhält es jung und dient der Gesundheit.

Aber übertreiben braucht man es auch nicht: Touren von 40 bis 50 Kilometer Länge müssen es nicht mehr sein. "Das ist nicht normal", sagt der Vereinschef heute. Denn früher hat er diese Strecken zurückgelegt. "Das war Sportwandern in der DDR und da waren wir so mindestens an die zehn Stunden unterwegs", erinnert sich der pensionierte Lehrer. Sportlich will er sein Hobby heute nicht mehr sehen.


Heute will Hans Leipold vor allem die Natur genießen. "Ich will etwas von der Landschaft sehen, die Natur erleben." Wie er das meint und wie er das macht, merkt man bei gemeinsamen Touren. Wenn man Vogelstimmen kennt, so wie er, macht die Bewegung durch die Landschaft nochmal so viel Freude.

"Was fliegt denn da oben", wollte eine Frau im Mai dieses Jahres bei einer Wanderung der Naturfreunde im Naturschutzgebiet Großer Weidenteich bei Neundorf wissen. Der Vorsitzende musste keine Sekunde überlegen: "Das ist eine Feldlerche", antwortete er. "Die singen, wenn sie hoch fliegen", ergänzte er noch. "Der Hans erklärt uns jedes Blatt und jeden Strauch, das ist wunderbar", lobten Mitwanderer.

Weil der Träger der Plauener Stadtplakette von vielen Leuten geschätzt wird, immer entgegenkommend ist und nur schwer jemandem etwas abschlagen kann, organisiert der Verein längst nicht mehr nur die Himmelfahrtswanderung der "Freien Presse", sondern auch eine beim Spitzenfest und so manche bei anderen Gelegenheiten. Die Mitglieder haben schon mehr als die halbe Stadt auf die Beine gebracht - zumindest statistisch gesehen. "Bei der Himmelfahrtswanderung der "Freien Presse" haben wir in 28 Jahren genau 44.851 Menschen in Bewegung versetzt", sagt Hans Leipold nicht ohne Stolz in der Stimme.

Zum Wandern kam er durch seine Familie. "Wir hatten drei Jungs und waren deshalb schon viel unterwegs", berichtet der Naturfreund von gemeinsamen Ausflügen. Auch mit seinen Lehrlingen ist er während seiner beruflichen Tätigkeit viel unterwegs gewesen - bis in die Hohe Tatra auf Mehrtagestouren. "Die schwärmen heute noch davon", versichert er.

Nach dem Ende der DDR und damit auch dem Ende der Wandersektion stiegen die Mitgliederzahlen bei den Naturfreunden stetig an. "Wir waren 39", erinnert sich der Chef an 1990. Heute sind es 205 Frauen und Männer, die in fünf Fachgruppen einen großen Teil ihrer Freizeit verbringen: Mit Wandern, Nordic Walking, Radfahren, Joggen und Gymnastik.

Es wundert also nicht, dass auch der 110. Geburtstag in Bewegung gefeiert wird. In der Festwoche vom 25. bis 31. August geht es daher ins Naturschutzgebiet Großer Weidenteich, in die Vogtländische Schweiz und auf den Lindwurmpfad bei Kürbitz. Außerdem radeln die Naturfreunde und auch Nichtmitglieder rund um Plauen und turnen auf dem Concordia-Sportplatz in der Südvorstadt.

www.naturfreunde-plauen.de

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