Ein Zukunftslabor für das Vogtland

Unterm Dach der alten Berufsakademie Plauen etabliert sich eine neue Einrichtung - Unternehmer und Wissenschaftler wollen "machen"

Innovationen für die Wirtschaft der Region anstoßen und Forschungsprojekte möglich machen - darum geht es der neuen VIN Vogtland Innovations Hub GmbH. Die "Freie Presse" erklärt, was dahintersteckt. Auskunft gibt der Mitgründer und -gesellschafter Peter Völkner.

Ein Innovationshub - was soll das sein?


Der Begriff Hub, wie er hier verwendet wird, stammt aus dem Englischen, wird "habb" gesprochen und bezeichnet in der Technik einen Knotenpunkt. In der Telekommunikation werden zum Beispiel Geräte als Hubs bezeichnet, die Netzknoten stern förmig verbinden. So eine Art "Verbinder" will auch das Vogtland Innovations Hub sein: Durch den gegenseitigen Austausch, das Nutzen von Kontakten und der unterschiedlichen Netzwerke der Beteiligten sollen Impulse und Innovation für die Industrie der Region entstehen.

Wie kam es zur Idee des Hubs für das Vogtland?

Die Industrie sowie die klein- und mittelständischen Unternehmen der Region vermissen seit Längerem die Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen und damit den Zugang zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Knowhow, aber auch die gemeinsame Kooperation untereinander. Diese aber sind notwendig, wenn es beispielsweise um den Einsatz neuer Materialien in der Produktion geht, erklärt Peter Völkner, Geschäftsführer der Firma Plauen Stahl Technologie. Anläufe zur Ansiedlung wie zum Beispiel eines Fraunhofer-Institutes oder von Kompetenzzentren sind entweder versandet oder kommen seit Jahren nicht über den Status von Absichtserklärungen hin aus. Das bisherige "Man müsste mal ..." wollen die Gründer der VIN Hub GmbH deshalb jetzt in ein entschlossenes "Wir machen es selbst" umwandeln.

Wer sind die Ideengeber und Gründer hinter dem Vogtland Innovations Hub?

Die Gesellschafter der VIN Hub GmbH sind Peter Völkner, Geschäftsführer der Plauen Stahl Technologie, und seine Frau Anja Völk ner, Bauingenieurin bei Goldbeck, sowie Professor Lutz Neumann, Direktor der Berufsakademie Plauen, und Jörg Förster, Inhaber eines Ingenieurbüros und Lehrbeauftragter des Tüv Süd. Sie alle haben privates Kapital zur Gründung der Gesellschaft beigesteuert. Völkner: "Wir alle wollen unabhängig von unseren beruflichen Verpflichtungen etwas tun, um einen positiven Impuls für die Region zu setzen." Vor einem Jahr haben die Gründungsgesellschafter angefangen, ihre Ideen auszuformulieren, Konzepte zu schreiben und Mit streiter zu begeistern. Seit Ende Juli ist die Gesellschaft im Handelsregister eingetragen, zudem ist ein Mietvertrag mit der Stadt abgeschlossen und erste Büroräume sind ausgestattet.

Wie soll das VIN Hub funktionieren?

Von der Stadt Plauen angemietet sind zunächst 500 Quadratmeter in einer Etage des früheren Standortes der Berufsakademie an der Melanchthonstraße. Bei Bedarf stehen weitere 500 Quadratmeter zur Verfügung. Projekt arbeiter und Start-ups aus unterschiedlichen Bereichen können sich einmieten, um Infrastruktur, Service und Betreuung im Hub zu nutzen: "Wir starten mit Co working-Räumen und acht Arbeitsplätzen, ab Herbst sollen es 25 sein", sagt Völkner. Gewollt ist, dass in einer offenen Atmosphäre Kreativität und Kommunikation unterein ander entstehen, woraus sich neue Ideen entwickeln können. Das Hub-Team, das auch an eigenen Projekten arbeitet, sowie die Gründungsgesellschafter werden Nutzern mit ihren unterschiedlichen Netzwerken zur Seite stehen. Durch Kontakte zu Einrichtungen wie dem Vogtlandmuseum und Future Sax sind zudem bereits erste Projekte für das VIN Hub angeschoben. Geplant ist, dass sich Teams im Hub zusammenschließen, um innovative Themen unterschiedlicher Beteiligter zu bearbeiten.

Was ist der Unterschied zu den Gründerzentren und Bürogemeinschaften, wie es sie zum Beispiel im Plauener Wilke-Haus gibt oder wie sie in der Hempelschen Fabrik geplant waren?

Die VIN Hub GmbH wendet sich weniger an Dienstleister und Kreativwirtschaft, sondern will sich mit ihren Angeboten klar in Richtung innovativer Wertschöpfung orientieren, stellt Völkner klar. Ersten Entwicklungsschwerpunkten zufolge wird es um Nachhaltigkeit durch Ressourcenschonung, Einsatz neuer Materialien sowie digitale Wissensvermittlung gehen.

Wenn das Innovationshub eine GmbH ist, muss das Unternehmen wirtschaftlich arbeiten. Wie soll das funktionieren?

Zunächst sind die Anlaufkosten relativ gering gehalten. Die Gründungsgesellschafter haben Partner mit ihrer Idee und ihrem Enthusiasmus angesteckt, sodass diese Leistungen unentgeltlich oder sehr günstig bereitgestellt haben. Hinzu kommen Mieten für genutzte Arbeitsplätze im Hub sowie Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen oder aus Vorträgen und Workshops, die man Interessenten im VIN Hub anbieten will. Auch hierzu gibt es bereits Kontakte mit Partnern. Völk ner: "Wir stehen am Anfang." Große Gewinne erwarten die Gesellschafter nicht. Ihnen geht es um eine greifbare Initiative aus der Region selbst heraus, die nicht länger auf Entscheidungen wartet, die anderswo, später oder vielleicht nie getroffen werden. Völkner: "Es gibt zu viele Absichtserklärungen. Wir wollen machen." www.vin-hub.de

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