Einkommen im Vogtland hinken immer noch hinterher

2241 Euro: In Sachsen gibt es zehn Prozent mehr, in Deutschland 43 Prozent

Plauen.

Im Vogtlandkreis wird nach wie vor deutlich weniger Geld verdient als in den meisten anderen Regionen Deutschlands. Das Bruttoarbeitsentgelt von Vollzeitbeschäftigten lag nach den neusten verfügbaren Zahlen der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg per Ende 2017 bei 2241 Euro monatlich. In Sachsen lagen die mittleren Einkommen durchschnittlich zehn Prozent höher bei 2479 Euro - angeführt durch die Großstädte Dresden, Leipzig und Chemnitz. Im Freistaat-Ranking liegt der Vogtlandkreis auf dem drittletzten Platz vor dem Erzgebirgskreis und dem Landkreis Görlitz als Schlusslicht.

Im Ostdeutschland-Vergleich ist die Einkommenslücke noch größer. In den östlichen Bundesländern beträgt das Bruttoarbeitsentgelt im Schnitt 2600 Euro und damit 16 Prozent mehr als im Vogtlandkreis. Im Vergleich zu Westdeutschland (3339 Euro) beträgt die Lücke 49 Prozent, auf ganz Deutschland bezogen (3209 Euro) 43 Prozent.


Die Bundestagsabgeordnete und Sozialexpertin der Linken, Sabine Zimmermann, fällt auf Grundlage der Zahlen ein scharfes Urteil. "Auch zum diesjährigen 1. Mai muss man feststellen, dass die Situation am vogtländischen Arbeitsmarkt unbefriedigend ist", erklärt Zimmermann. "Fast die Hälfte der Vogtländer arbeitete zu einem Niedriglohn", sagt die ehemalige DGB-Kreisvorsitzende. Eine Zunahme der Minijobs von 2866 auf 3767 seit 2009 zeige, dass immer mehr Menschen mit einem Job nicht über die Runden kommen. Die langjährige Niedriglohn-Werbung bezeichnet Sabine Zimmermann als "völlig kontraproduktiv". Diese Entwicklung müsse nun korrigiert werden.

Nach Ansicht der Agentur für Arbeit in Plauen wird sie das bereits. Es gebe in Handwerk, Industrie und Dienstleistungsbereich viele gute Arbeitgeber und einen weiteren Beschäftigungsanstieg, der für 2019 rund 700 neue Jobs bringen soll. Damit "sollten auch die Löhne Schritt halten", formuliert Agentur-Pressesprecherin Silke Steinkampf auf Anfrage der "Freien Presse". Das funktioniere aber nur im Kontext. "Viele Unternehmen haben dies erkannt und überdenken die Lohnstrukturen", so Steinkampf. Seit 2006 habe sich das Bruttoarbeitsentgelt im Vogtland von 1700 auf 2241 Euro erhöht - ein Anstieg von 31 Prozent.

Die Vogtland-CDU hatte sich 2011 von der viel kritisierten Niedriglohn-Werbung verabschiedet. Die IHK vermeldete ab 2016 deutliche Einkommenszuwächse vor allem im verarbeitenden Gewerbe.

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