Emotionen kochen hoch: Rettungsversuch für Kulturhaus

Die neu gegründete Interessensgemeinschaft für den Erhalt der Kapelle Neuensalz hatte für Samstag zu einem Gespräch eingeladen. Bürgermeisterin Carmen Künzel hielt es kaum auf ihren Sitz.

Neuensalz.

Es ging um die Zukunft der Kapelle Neuensalz. Kein Wunder, dass die Emotionen am Samstagvormittag vor Ort hoch schlugen. Dazu eingeladen hatte die vor wenigen Tagen gegründete Interessensgemeinschaft (IG), die sich für den Erhalt des Kleinods an der Altensalzer Straße einsetzt. Den etwa 50 Anwesenden - die meisten stammten aus Neuensalz und der näheren Umgebung - stand die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Die Neuensalzer Bürgermeisterin Carmen Künzel (parteilos) hielt es kaum auf ihren Sitz. Nicht nur sie vermisste an diesem Vormittag verantwortliche Vertreter aus dem Kulturbetrieb. Auch seitens der Politik und des Vogtlandkreises ließ sich niemand blicken. "Das war der größte Schock", gestand Künzel.

Zu dieser Gesprächsrunde wurde kurzfristig eingeladen, räumte IG-Mitglied Isabell Lippert ein. "Am Mittwoch gingen die Einladungen per Mail heraus." Die CDU-Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas und Robert Hochbaum sagten ihre Teilnahme aus terminlichen Gründen ab.

In Bezug auf die Kapelle stellte die Gemeinde-Chefin klar, dass sie die geleistete Arbeit der vergangenen Jahre sehr schätzt. Im gleichen Atemzug bezweifelte sie, dass die Versammelten die Zahlen, um die es wirklich geht, kennen. Die 4000 Euro, die die Gemeinde 2017 als Zuschuss zur Mitfinanzierung des Kleinods zahlen müsste, seien eine einmalige Sache. Ende Juni nächsten Jahres stehe der Kulturbetrieb vor einer Neuordnung. Künzel befürchtet, dass die Kapelle für die Gemeinde dann ein unberechenbares Finanzierungs-Risiko wird. "Wir sind keine reiche Gemeinde."

Im Vorfeld des Treffens sprachen sich die Neuensalzer Gemeinderäte einstimmig gegen einen Zuschuss der Gemeinde zur Finanzierung der Kapelle in Höhe von 4000 Euro aus. Das Veranstaltungszentrum gehört zur kreiseigenen Vogtland Kultur GmbH. Der zum Sparen gezwungene Vogtlandkreis muss im kommenden Jahr die Zuschüsse an seinen Kulturbetrieb komplett streichen. Die Kommunen sollen einspringen. Während die meisten einer Mitfinanzierung ihrer Kulturhäuser zähneknirschend zustimmten, blieb ein Kompromiss in Neuensalz aus. Deshalb droht der Kulturkapelle das Aus.

Roland Albert ist über diese Entwicklung entsetzt. Der Altensalzer sprach vielen, die gekommen waren, aus der Seele. Um den Fortbestand der Kapelle zu sichern, müsse dringend gehandelt werden. "Jetzt ist jetzt", sagte er. Wenn man im nächsten Jahr wieder vor dem Finanzierungs-Problem steht, sei das immer noch besser, als jetzt schon aufzugeben. Auch wenn Kultur nicht immer wirtschaftlich sein kann, lohne es sich, dafür zu kämpfen. "Das sind wir unseren Kindern schuldig", so Albert.

Ute Gallert als Vertreterin des Musiktheaters Spielart sah es genauso: "Das ist in Geld nicht aufzuwiegen. Am Ende haben wir alle was davon."

In diesem Zusammenhang meldete sich auch Angela Görner. Was die Wirtschaftlichkeit betrifft, sei sie als Leiterin der Kapelle Neuensalz in einer Zwickmühle. Eine bestimmte Anzahl an soziokulturellen Veranstaltungen müssen angeboten werden, auch wenn sie kein breites Publikum ansprechen. "Sonst fallen die Förderungen weg."

Die IG will weiter in die Offensive gehen und bereitet ein zweites Treffen vor. Diesmal will der Unterstützer-Kreis auch die Entscheider des Kulturbetriebs und den Landrat mit dabei haben. Wegen der Dringlichkeit sollte die Zusammenkunft möglichst schon in dieser Woche zustande kommen. Gewünscht ist, dass die Geschäftsführung des Kulturbetriebes alle relevanten Haushaltszahlen der Kapelle Neuensalz auf den Tisch legt.

Trotz des bereits gefassten Beschlusses will Carmen Künzel das Thema Kapelle Neuensalz zur nächsten Sitzung am 15. November noch einmal auf die Tagesordnung im Gemeinderat setzen.

Wie Angela Görner informierte, wird der Beirat der Vogtland Kultur GmbH nicht wie angekündigt schon heute über eine Schließung der Kapelle Neuensalz beraten. Das habe ihr der kommissarisch eingesetzte Kulturbetriebsleiter Dieter Kießling zugesichert. Im Kulturbetrieb des Vogtlandkreises war gestern wegen des Feiertages niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

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