Er möbelt nicht nur alte Stühle auf

MEIN Traumberuf Stefan Pengel aus Plauen weiß, wie gemütlich geht. In einer Serie stellt die "Freie Presse" Vogtländer mit bodenständigen Berufen vor. Heute: Raumausstatter/-in.

Plauen.

Was Stefan Pengel bei der Arbeit braucht, das hat er meist in der geräumigen Hosentasche: ein Teppichmesser mit einem austauschbaren Klingen-Set, einen Zollstock und einen Stift. Mit diesen Utensilien kann der Raumausstatter eine ganze Menge anfangen, wenn es ums Verlegen von Fußböden oder das Polstern von Stühlen geht. Der 33-Jährige ist Geselle in der Plauener Firma von Rico Kusche. Unter den 15 Mitarbeitern sind momentan auch zwei Lehrlinge, eine Raumausstatterin und ein Bodenleger.

"Es war eine gute Entscheidung", sagt der ursprünglich gelernte Maler Stefan Pengel, und meint damit seinen Entschluss, den Beruf zu wechseln. Er hat ihn vor sieben Jahren getroffen. Ausschlaggebend seien dafür zwei Faktoren gewesen. Er habe noch mehr mit den Händen machen wollen. Außerdem sei er jetzt vor allem in der Region eingesetzt. Zur Montage tagelang herumfahren, das war nichts für ihn.

Wie so ein ganz normaler Arbeitstag bei Pengel und seinen Kollegen aussieht? Frühmorgens ist Treff in der Werkstatt an der Liebknechtstraße im Plauener Westend. Nach der Besprechung wird das Auto beladen, und dann geht's zur Baustelle. Wobei diese den Vorteil haben, dass die Raumausstatter auch in der kalten Jahreszeit meist im Warmen tätig sind und oft sehr nette Gesellschaft versprechen, so wie aktuell in der Kita Knirpsenburg im Chrieschwitzer Hang. Dort verlegt Pengel neues Linoleum. Das geht mit Schmutz einher: "Beim Spachteln und Schleifen des Fußbodens geht es staubig zu", sagt er. Das ausgetauschte Material ist zumeist recycelbar.

Während Pengels Chef, Raumausstatter-Meister Rico Kusche, darauf beharrt, dass Männer ebenso etwas von Farben verstehen wie Frauen, berichtet der junge Mann davon, wie seine eigenen Wohnzimmerwände gestrichen sind: "Es ist ein pastelliges Ocker." Das verspricht Wärme und Gemütlichkeit, sagt er. Überhaupt mag es Junggeselle Stefan Pengel, wenn sich Gäste bei ihm zu Hause wohl fühlen. Dafür müsse er jedoch nicht ständig umdekorieren oder jeden Wohntrend mitmachen. Doch wie sehen diese eigentlich aus? Die Vogtländer würden's gerade elegant, aber schlicht mögen. Leicht zu reinigende Designfußböden, mal in Holz-, mal in Steinoptik, seien der Renner. Auch beim neuen Firmensitz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WBG an der Plauener Tischendorfstraße waren Pengel und seine Kollegen für den Bodenbelag und den Sonnenschutz zuständig.

In der neuen Schönecker Jugendherberge indes wurde jeder der mehr als 100 gelben Vorhänge in der Kusche-Nähwerkstatt von Hand gearbeitet. "Dafür gibt es bei uns geschickte Mitarbeiterinnen", sagt er. Antje Seidel etwa und Anja Bauer. Die Frauen lieben das Rattern der Nähmaschine. Auch Geselle Stefan Pengel beherrscht das Nähen - meist erledigen dies jedoch seine Kolleginnen. Die Berufswelt der Raumausstatter ist derweil sehr vielfältig: Die Arbeitsstelle muss nicht zwangsläufig ein privater Betrieb sein, auch an Theatern oder beim Film sind die Ausstatter gern gesehen.

www.freiepresse.de/traumberuf


Fakten zum Beruf

Das Schönste: Der Beruf ist abwechslungsreich. Beinahe täglich lernt man neue Menschen und Arbeitsplätze kennen.

Das Schlimmste: Möglicherweise macht man sich beim Raumausstatten schon mal die Hände ein bisschen schmutzig.

Für wen geeignet: Kreative und experimentierfreudige Köpfe mit einem Gespür für Farben und ästhetische Anordnungen sollten wenig Probleme haben. Leicht hat's auch, wer gern und geschickt handwerklich arbeitet.

Für wen nicht geeignet: Wer bei den Worten Textilien an Uromas piefiges Wohnzimmer denkt, ist fehl am Platz. Auch, wer unter einer Hausstauballergie leidet und dessen Feind die Mathematik ist. Man sollte nicht ganz unsportlich sein.

Die Ausbildung: Notwendig ist mindestens ein Realschulabschluss, ein Fachabi kann aber nicht schaden. Mittlerweile ist eine duale Ausbildung von dreieinhalb Jahren Standard. Die Fachschule befindet sich in Freital.

Der Verdienst: Etwa 550 Euro verdienen Lehrlinge. Einstiegsgehalt als Geselle: rund 2000 Euro brutto. Eine Qualifikation zum Meister oder Betriebswirt im Handel ist jederzeit möglich und selbst ein Innenarchitekturstudium. (sasch)

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