Fahrlehrer-Duo: Fünf versteckte Problemzonen im Stadtverkehr

Die Verkehrsbehörde hat die Ampel vorm Lessing-Gymnasium umprogrammiert. Das soll Unfälle vermeiden. Eine Stadtrundfahrt mit Fahrlehrern zeigt, wo es sonst noch klemmt.

Plauen.

Rico Holzmüller ist Fahrlehrer. Dienstlich fährt er jedes Jahr 30.000 Kilometer im Stadtverkehr von Plauen. Niemand ist bei Verkehrszeichen so pingelig wie Holzmüller und seine Berufskollegen. Schreibt die Presse über Unfallschwerpunkte und umgeschaltete Ampeln, ist es so sicher wie das Amen in der Kirche, dass mindestens ein Fahrlehrer darauf reagiert und sich zu Wort meldet.

Diesmal sind es die Holzmüllers. Vater Michael und Sohn Rico. Der eine 22 Jahre im Dienst, der andere 34 Jahre und eigentlich in Rente. "Vor der Wende sind wir von der Verkehrspolizei ernst genommen worden", sagt Michael Holzmüller. Wenn er damals Vorschläge eingereicht habe, seien die nach einer Woche umgesetzt worden. Vater und Sohn Holzmüller sagen, sie saßen vor einem Jahr im Rathaus und haben gemeldet, was sie stört. Das sind fünf ihrer Stör-Stellen und die Reaktion von Evelyn Schramm, Leiterin der Straßenverkehrsbehörde:

Nummer 1 - Am Stadtbad: Wer von der Syrastraße rechts abbiegt auf die Hofer Straße, hat zur selben Zeit Grün wie die Fußgänger vor dem Stadtbad. Aus Sicht der Fahrlehrer ein Risiko. "Das ist allgemein übliche Praxis, rechtlich zulässig", sagt Schramm. Ein gewisses Risiko sieht sie indes auch. Um Unfälle zu verhindern, wurde der Fußgänger-Blinker vergangenes Jahr mit einer weißen Kontrastblende versehen. Außerdem kündigt Schramm ein Gespräch zu möglichen Verbesserungen mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr an.

Nummer 2 - Vor der Karl-Marx-Grundschule: Auf der Kaiserstraße darf man jetzt 50 statt 30 fahren. Begründung: Für die Schulkinder gibt es ein Geländer am Fußweg und eine Fußgängerampel. "Da ausreichend Schutz für die Kinder hergestellt wurde, war die Anordnung einer Tempobeschränkung nicht mehr angezeigt", so Schramm.

Nummer 3 - Am Lessing-Gymnasium: Die Linksabbieger von der Jößnitzer Straße stadteinwärts haben gleichzeitig Grün wie die Fußgänger an der Chamissostraße. Das führte vor einem Jahr zu dem tödlichen Unfall, als eine Fußgängerin an der Ampel in den toten Winkel eines Lasters geriet. Die Verkehrsbehörden-Chefin kündigt dazu Nachbesserungen an: "Es wird ein übergroßer Fußgängerblinker nachgerüstet."

Nummer 4 - Am Krankenhaus: Ein Risiko für Blechschäden, so die Holzmüllers. So schätzen sie die Reichenbacher Straße in Höhe des August-Bebels-Hains stadteinwärts ein. Die gelbe Verkehrstafel zeigt drei Spuren an, tatsächlich gibt es aber nur zwei Spuren. Die dritte kommt erst später hinzu. Das führt Fahrschüler und Ortsfremde in die Irre, so die Fahrlehrer. Schramm: "Die Kritik ist vom Grundsatz her richtig. Der korrekte Standort wäre nach der Brücke. Dort ist es allerdings zum Einordnen zu spät. Der Wegweiser wurde deshalb zur Vororientierung vorgezogen." Um Irritationen zu vermeiden, habe man 2016 die Spurmarkierung nachgebessert.

Nummer 5 - die Hofer Straße stadtauswärts: Hier ist die B 173 so breit, dass zwei Autos nebeneinander passen - wenn man auf den Straßenbahngleisen fährt. An manchen Stellen sind die Gleise weiß schraffiert und damit tabu für Autos. Auf diese Markierungen weisen aber nur sporadisch Verkehrsschilder hin. Die Stadt will, dass die Gleise frei bleiben. Das Prinzip: Dort, wo es keine Spurteilung gibt, ist die Straße einspurig. Um das zu verdeutlichen, habe man hier und da Sperrflächen markiert. Weitere Schilder seien nicht notwendig.

Leser Alfred Romberg wünscht sich, dass die Behörde Gefahrenquellen schneller aus dem Weg räumt: "Das darf nicht dauern. Wenn Gefahr für Leib und Leben besteht, sollte unverzüglich gehandelt werden." Geärgert hat sich der pensionierte Ingenieur darüber, wie lange es dauerte, bis ein grüner Blechpfeil an der Jößnitzer Straße abgeschraubt wurde. Der Pfeil war vergangenes Jahr von der Unfallkommission als gefährlich eingestuft worden. Erst vergangene Woche kam er weg.

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