Flickenteppich bei Breitbandversorgung

126 Kilometer Tiefbau für Plauens neues Glasfaserkabelnetz: Doch die Auswahl der Strecken hat skurrile Züge.

Plauen.

Der Breitbandausbau geht in Plauen mit großen Schritten voran. Die meisten Schulen kommen in der digitalen Zukunft an, und zurzeit arbeiten die Stadtwerke Strom Plauen an tausenden Glasfaser-Anschlüssen für die Haushalte in genau definierten Fördergebieten. Einen Überblick bot Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Kober in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses.

Plauen und ganz Deutschland hinken in Europa beim Ausbau noch immer hinterher. Inzwischen gebe es allerdings einen Strategiewechsel, sagte der Stadtwerke-Chef. "Die Deutsche Telekom hatte Glasfasernetze viele Jahre nicht als erforderlich gesehen", formulierte es Kober diplomatisch. Man habe die vorhandenen Kupferleitungen sehr lange genutzt und auf DSL mit Übertragungsraten bis 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) gesetzt. Auch der Zwischenschritt VDSL, mit Glasfaser bis zum Verteilerkasten und Verwendung der alten Kupferdrähte bis in die Haushalte, ist weiterhin häufig Standard. Von den damit möglichen Bandbreiten bis 100 Mbit/s profitieren laut Kober inzwischen etwa 22.000 Plauener Haushalte.

Jetzt indes werden mit Fördergeld Glasfaserkabel bis in die Gebäude hinein verlegt, die bis zu einem Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) erlauben, das entspricht 1000 Mbit/s und bietet bei der Internet-Nutzung im Grunde "unbegrenzte Geschwindigkeiten", so der Stadtwerke-Chef.

Doch gefördert wird nur, wenn bei den Nutzern bisher weniger als 30 Mbit/s anliegt. Die Förderkriterien sorgen daher für einen Flickenteppich. Die Leistungsfähigkeiten der Anschlüsse ändern sich von einer Straße zur nächsten und mitunter von einem Haus zum nächsten. "Das hat manchmal skurrile Züge", sagte Peter Kober. Beispiel Lindemannstraße: Dort gibt es zwar eine Trasse für die superschnellen Glasfaser-Kabel, doch weil ein anderer Anbieter dort bereits mehr als 30 Mbit/s gewährleistet, gehen die Anwohner leer aus. Die Haushalte dort werden vielleicht später angeschlossen, wenn es neue Förderkriterien gibt. Wann, das steht in den Sternen.

Doch was kostet es etwa, wenn Leute in solchen Fällen dennoch einen Anschluss legen lassen, fragte CDU-Stadtrat Ingo Eckardt. Das seien abhängig von der Entfernung über den Daumen 1000 oder 1500 Euro, antwortete Peter Kober.

Die aktuell laufenden Arbeiten betreffen 2200 Gebäude mit mehr als 3200 Wohnungen oder Gewerbeeinheiten. Die Arbeiten in Chrieschwitz, Alt-Chrieschwitz, Preißelpöhl und Reißig stehen vor dem Abschluss. In Kauschwitz, Haselbrunn Neundorf und Siedlung Neundorf sollen sie bis Ende 2021 abgeschlossen werden, in Meßbach, Reinsdorf und Tauschwitz bis August 2022. Der Tiefbau summiert sich auf 126 Kilometer, wobei dank moderner Technologien vieles unterirdisch verläuft und nur relativ kleine Baugruben erforderlich sind.

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