Forbriger-Hirsch - Kunst oder kann das weg?

Jetzt kam heraus: Die umstrittene Skulptur hat einen Namen und viele Geschwister. Ein Bürgermeister ist deswegen sauer.

Plauen.

Marilyn Manson würde den Hirsch vor der Plauener Forbriger-Filiale mögen. "Kunst, die keine starken Reaktionen auslöst, hat keinen Wert", hat der US-amerikanische Skandal-Rockmusiker gesagt. Und eine starke Reaktion hat die Skulptur ausgelöst - zumindest bei Plauens Baubürgermeister Levente Sárközy. Beim Stadtbau- und Umweltausschuss nahm der das künstliche Tier auf Kimme und Korn. "Wir müssen alle gleich behandeln und dürfen Forbriger nicht bevorzugen", so Sárközy. Sein Ordnungsamt hatte sich zuvor auf das Rotwild eingeschossen, weil seine Standsicherheit in Zweifel gezogen wurde. Dafür hagelte es öffentliche Kritik.

Kurze Zeit später ploppte die Diskussion auf, ob der Kunsthirsch vielleicht sogar echte Kunst ist. Wäre die harte Hand des städtischen Ordnungsamts demnach also gar ein Angriff der Obrigkeit auf die Freiheit der Kunst? Jetzt ist für den Baubürgermeister das Maß voll. "Es ist eine völlig unsinnige Diskussion, ob der Hirsch Kunst ist", so der Baubürgermeister. Immerhin sei die Skulptur alles andere als einmalig. Angefertigt wurde sie von einer Firma an der holländischen Grenze. Dort ist so ein Hirsch - er heißt laut Angaben der Firma übrigens Heinrich - für 890Euro zu haben. Heinrich hat sogar Geschwister. Reh Ludmilla kostet nur 599Euro, ist dafür aber deutlich kleiner. Dann wären da noch Wolf Alessio und Elch Siegbert.

Tino Moritz und Kai Kollenberg

Sachsen 2019:Der „Freie Presse“-Newsletter zur Landtagswahl von Tino Moritz und Kai Kollenberg

kostenlos bestellen

So viel Ärger um Hirsch Heinrich! Und dann entpuppt er sich als schnödes Massenprodukt. Für Sárközy ist jedenfalls klar: Unter diesen Umständen kann das Forbriger-Tier keine Kunst sein.

Marilyn Manson würde das wohl anders sehen. Martin Salesch auch. "Das kann trotzdem Kunst sein", betonte der Leiter des Vogtlandmuseums gestern gegenüber der "Freien Presse". Selbst wenn am Postplatz Heinrich 1 bis Heinrich 20 stünden, es komme immer auf die konkrete Situation an. "Ein Grenzfall ist es natürlich schon", räumte der Museumschef ein. In einer Einschätzung an die Adresse von Plauens Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU) kommt Salesch trotzdem zu einer eindeutigen Aussage: "Der ,rote Hirsch' vor dem Landratsamt muss definitiv als Kunstobjekt angesprochen werden." Das künstlerische Mittel der Verfremdung mache den Hirsche zu einem Kunstwerk: "Eine ,Waldkreatur' steht mitten in der Stadt und in einer Fußgängerzone, umgeben von Fahrradständern und geschäftig vorbeilaufenden Menschen", so Salesch. Und, jetzt kommt es: "Er könnte beliebig oft dupliziert werden. Dieser Widerspruch, der durch die rote Farbe noch gesteigert wird, verweist auf unser schwieriges Verhältnis zur Natur."

Ein schwieriges Verhältnis - das hat auch der Baubürgermeister. Nicht zur Natur, aber zum Hirschen Heinrich. Und zum Thema überhaupt, über das neulich gar der Kulturausschuss debattierte. Sárközy: "Ich weiß nicht, wer es nötig hat, solchen Unfug in die Welt zu setzen."

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...