Forbriger-Hirsch - Kunst oder kann das weg?

Jetzt kam heraus: Die umstrittene Skulptur hat einen Namen und viele Geschwister. Ein Bürgermeister ist deswegen sauer.

Plauen.

Marilyn Manson würde den Hirsch vor der Plauener Forbriger-Filiale mögen. "Kunst, die keine starken Reaktionen auslöst, hat keinen Wert", hat der US-amerikanische Skandal-Rockmusiker gesagt. Und eine starke Reaktion hat die Skulptur ausgelöst - zumindest bei Plauens Baubürgermeister Levente Sárközy. Beim Stadtbau- und Umweltausschuss nahm der das künstliche Tier auf Kimme und Korn. "Wir müssen alle gleich behandeln und dürfen Forbriger nicht bevorzugen", so Sárközy. Sein Ordnungsamt hatte sich zuvor auf das Rotwild eingeschossen, weil seine Standsicherheit in Zweifel gezogen wurde. Dafür hagelte es öffentliche Kritik.

Kurze Zeit später ploppte die Diskussion auf, ob der Kunsthirsch vielleicht sogar echte Kunst ist. Wäre die harte Hand des städtischen Ordnungsamts demnach also gar ein Angriff der Obrigkeit auf die Freiheit der Kunst? Jetzt ist für den Baubürgermeister das Maß voll. "Es ist eine völlig unsinnige Diskussion, ob der Hirsch Kunst ist", so der Baubürgermeister. Immerhin sei die Skulptur alles andere als einmalig. Angefertigt wurde sie von einer Firma an der holländischen Grenze. Dort ist so ein Hirsch - er heißt laut Angaben der Firma übrigens Heinrich - für 890Euro zu haben. Heinrich hat sogar Geschwister. Reh Ludmilla kostet nur 599Euro, ist dafür aber deutlich kleiner. Dann wären da noch Wolf Alessio und Elch Siegbert.

So viel Ärger um Hirsch Heinrich! Und dann entpuppt er sich als schnödes Massenprodukt. Für Sárközy ist jedenfalls klar: Unter diesen Umständen kann das Forbriger-Tier keine Kunst sein.

Marilyn Manson würde das wohl anders sehen. Martin Salesch auch. "Das kann trotzdem Kunst sein", betonte der Leiter des Vogtlandmuseums gestern gegenüber der "Freien Presse". Selbst wenn am Postplatz Heinrich 1 bis Heinrich 20 stünden, es komme immer auf die konkrete Situation an. "Ein Grenzfall ist es natürlich schon", räumte der Museumschef ein. In einer Einschätzung an die Adresse von Plauens Kulturbürgermeister Steffen Zenner (CDU) kommt Salesch trotzdem zu einer eindeutigen Aussage: "Der ,rote Hirsch' vor dem Landratsamt muss definitiv als Kunstobjekt angesprochen werden." Das künstlerische Mittel der Verfremdung mache den Hirsche zu einem Kunstwerk: "Eine ,Waldkreatur' steht mitten in der Stadt und in einer Fußgängerzone, umgeben von Fahrradständern und geschäftig vorbeilaufenden Menschen", so Salesch. Und, jetzt kommt es: "Er könnte beliebig oft dupliziert werden. Dieser Widerspruch, der durch die rote Farbe noch gesteigert wird, verweist auf unser schwieriges Verhältnis zur Natur."

Ein schwieriges Verhältnis - das hat auch der Baubürgermeister. Nicht zur Natur, aber zum Hirschen Heinrich. Und zum Thema überhaupt, über das neulich gar der Kulturausschuss debattierte. Sárközy: "Ich weiß nicht, wer es nötig hat, solchen Unfug in die Welt zu setzen."

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
6Kommentare
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    2
    Zeitungss
    22.08.2018

    Nur weil man den ertragreichsten und nicht den Schwerpunkt wählt, wie in Plauen der Fall, werde ich mich keiner MPU unterziehen, es gab bisher auch keinen Grund dafür. Ich glaube , in manchen Amtsstuben müsste auch ein Blitzer stehen, selbiger würde dann messen, welcher Bedinstete zu langsam arbeitet, das Ergebnis wäre auch nicht schlecht, wetten ????

  • 1
    3
    kgruenler
    22.08.2018

    @Zeitungss: Der Standort in Chrieschwitz ist gewählt worden, weil dort viele Abbiege- und Auffahrunfälle stattfanden, aber egal. Jeder setzt Präventionsschwerpunkte anders. Davon abgesehen, könnten theoretische alle paar Meter Biltzer stehen, jeder der sich an die StVO hält, würde nie im Leben jemals etwas davon mitbekommen. Wer das nicht versteht oder Gründe findet, die gegen Blitzer sprechen könnten, sollte sich besser mal einer MPU unterziehen.

  • 2
    2
    Zeitungss
    22.08.2018

    @kgruenler: Blitzer ist ein gutes Beispiel. Die stehen nun mal nicht dort wo es angebracht wäre, die stehen da, wo der Ertrag am besten ist. (Das Thema wurde bereits ausführlich behandelt). Plauen ist dafür ein gutes Beispiel. Diesen Zustand stellen auch Leute fest, welche sich nach der STVO richten und dementsprechend fahren. Der neue Standort in Chrischwitz könnte es nicht besser belegen. Regeln, welche nun einmal einzuhalten sind, sollten auch nachvollziehbar sein und davon sind wir gelegentlich weit davon entfernt, was die "Geburtshelfer" selbst in ihrem Übereifer nicht begreifen.

  • 2
    2
    Tauchsieder
    22.08.2018

    Sind diese Worte mit ihrer "Linksfraktion" so abgestimmt?
    Nicht das sie sich wieder zu weit über die Balkonbrüstung hinauslehnen.

  • 3
    3
    kgruenler
    22.08.2018

    Sich an geltende Regeln zu halten, ist für viele Zeitgenossen ein echtes Problem. Aber der Fehler wird nicht bei sich selbst gesucht, sondern bei anderen. Da regen sich Raser auf, dass Blitzer installiert werden und wittern Abzocke, obwohl die einfach nur nach StVO fahren müssten. Das könnte man um Nichtblinker, und selbstfahrende Handynutzer erweitern. Und nichts anderes ist das mit diesem Plastikrotwild. Jeder andere Händler in Plauen holt sich Genehmigungen um Werbemittel im öffentlichen Raum aufzustellen, ohne erstmal Tatsachen zu schaffen und sich dann als Opfer zu präsentieren.
    Der Fehler bei der Sache ist die zu hohe Toleranz der Stadtverwaltung, welche zu lange ein Auge zugedrückt hat und wohl davon ausgegangen ist, dass die erforderliche Genehmigung noch eingeholt wird, anstatt von Anfang an die geltenden Bedingungen durchzusetzen und so die Situation von Beginn an zu bereinigen.
    Es gibt Gesetze, Verordnungen und Satzungen doch nicht zum Spaß. Diese sollen das gemeinsame Leben, die Gesellschaft, die täglichen Abläufe in geregelte Bahnen lenken, so dass niemand bevorzugt oder benachteiligt wird. Das war schon früher so und daran hat sich nichts geändert. Interessanter Weise sind dann oft diejenigen die größten Anarchisten, welche bei jeder Kleinigkeit nach Recht und Ordnung rufen.

  • 1
    3
    Tauchsieder
    22.08.2018

    Sarkozy und seine Fettnäpfchen und jetzt von oben staatlich verordnetes Kunstempfinden. Gab`s da nicht schon mal etwas in jüngster Vergangenheit?
    In abgewandeltem Sinn der Überschrift könnte man auch fragen - Sarkozy, muss das sein, oder kann er w..? -.



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