Gefällte Esche: Es droht ein Nachspiel

Zwei der teuersten Bäume im Zentrum, deren Schicksal für Empörung sorgt: Der erste wurde jetzt gefällt. Ein Aktivist aus Gospersgrün hofft, dass Plauen Nummer zwei rettet.

Plauen.

Für die beiden "Nordsee"-Eschen war vor 18 Jahren extra eine Ecke in die Stadt-Galerie gebaut worden. So, dass die Bäume am Klostermarkt auf einem Podest stehen. Am Dienstag hat ein Forstunternehmen die erste der beiden Eschen gefällt. Was bleibt, ist ein Loch auf der Terrasse des Nordsee-Restaurants. Laut Stadtverwaltung war der Baum eine Gefahr. Eine Untersuchung habe ergeben, dass er von zwei Pilzen befallen sei und innerlich verfaule.

Heimatfreund und Verleger Jean-Curt Röder hofft auf den Erhalt der zweiten Esche und bekommt Rückendeckung von einem Forstingenieur aus Gospersgrün, Reinhold Turczyk. Der bezweifelt den Sinn der Baumfällung. Turczyk hat sich Kopien der Baumuntersuchung besorgt - mit Unterstützung des Verwaltungsgerichts Chemnitz. Die Stadt habe ihm die Papiere nicht aushändigen wollen: "Aber das verstößt gegen das Sächsische Umweltinformationsgesetz." Die Untersuchung stamme aus dem Jahr 2017 und habe an einigen Stellen Fäulnis festgestellt. Der Baum-Experte zitiert aus den Papieren: "Verkehrssicherheit aktuell nicht gegeben, durch geeignete Maßnahmen herstellbar." Deshalb war die Krone gestutzt worden. Erst 2020 hätte es eine neue Prüfung geben müssen.

Wurde der Baum voreilig gefällt? Die Stadt spricht von einem Sicherheitsrisiko und teuren Gutachten. Erst nach der Untersuchung im Frühjahr sei ein zweiter Pilz entdeckt worden, der das Holz zerstört. Damit sei das Gutachten hinfällig gewesen. "Die Fäule schreitet voran. Keiner weiß, wie schnell das geht", sagt Baumgutachterin Heike Fröbisch. Wenn etwas passiere, ein Ast auf einen Biergarten-Besucher falle, sei die Stadt verantwortlich. Eine Untersuchung nach dem zweiten Pilz gab es nicht mehr. Wohl auch aus Kostengründen.

Jean-Curt Röder will die Überbleibsel untersuchen lassen. Die Baum-Sachverständige der Stadt habe ihm eine Baumscheibe versprochen, die er analysieren lassen will. "Schon vor dem Bau der Stadt-Galerie hieß es, die Bäume sind krank", sagt Röder. Mit Hilfe eines Anwalts habe der Gewerbeverein damals erwirkt, dass sie stehen blieben. An diese Zeiten erinnert auch Grünen-Stadtrat Dieter Rappenhöner. Er ist empört, dass die Stadt eine ihrer teuersten Eschen mitten in der Brutzeit fällt. Die zuständige Naturschutzbehörde hatte keine Bedenken, heißt es aus dem Rathaus. Außerdem hätten die Holzfäller sie nach Höhlen und Nestern abgesucht, bevor sie die Säge ansetzten. Rappenhöner: "Ein Forstarbeiter erkennt keine Fledermaus, die in einer Baumhöhle ruht!"

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3Kommentare
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    doarHans
    28.06.2018

    @Tauchsieder Vermutl eher zweierlei Maß. Damit der Auftrag, Schloßberg für das Bro nicht verloren geht und das Prestigeobjekt Schloßberg-(-Studienakademie) für die Stadt nicht Flötenen geht. Glaube ich.

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    2
    Tauchsieder
    28.06.2018

    Was spielt hier eigentlich die Untere Naturschutzbehörde für eine Rolle. Winkt sie alle Projekte der Stadt und des Landkreises durch, um nicht in irgendeiner Form anzuecken? Muss sie eventuell auf Weisung agieren, also nicht unabhängig? Ist sie auf beiden Augen blind, da sie ja auch bei anderen Projekten keinen Handlungsbedarf sah, ihr aber von Gerichten (!) genau dieses vor geworfen wurde? Mit solchen Äußerungen und Agieren macht sich diese Behörde selbst völlig unglaubwürdig und ist eigentlich entbehrlich. Hier hätte nicht der Baumsachverständige der Stadt urteilen sollen, hier hätte ein unabhängiger Sachverständiger urteilen müssen. Schon dies allein macht die Sache völlig unglaubwürdig und gibt dieser Angelegenheit mehr wie ein "Geschmäckle"!

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    Tauchsieder
    28.06.2018

    Zitat aus dem Artikel: - "Ein Forstarbeiter erkennt keine Fledermaus, die in einer Baumhöhle ruht!" - Zitat Ende. Ein Planungsbüro scheinbar auch nicht, oder will sich Hr. Rappenhöner hier lächerlich machen? Das Planungsbüro Sporbeck & Froelich, dem Hr. Rappenhöner hier in Plauen vorsteht, hatte zu den Vorkommen von Fledermäusen am "Schlossberg" auch nur Vermutungen angedeutet, obwohl jeder halbwegs Interessierte wusste, dass es dort eine Population dieser Tierart gibt. Wird hier mit zweierlei Maßstäben gemessen und wollte, oder durfte, man keine weiteren Untersuchungen durchführen um damit nicht das Projekt "Schlossberg" zu gefährden? Wenn man sich schon aufregt dann sollte man sich nicht lächerlich machen. Im Pfaffengut ein Umweltgutachten fordern, obwohl dort dies nicht notwendig ist und hier Betroffenheit suggerieren. Was bitte schön fordert und unternimmt jetzt hier dieser Hr. Rappenhöner als Stadtratsmitglied der Grünen?



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