Geflügelzucht in Pausa startet, als Bismarck Preußen regierte

Der Geflügelzuchtverein Pausa und Umgebung ist der älteste im Vogtland. An diesem Wochenende wird zur Jubiläumsschau anlässlich des 150-jährigen Bestehens nach Unterreichenau eingeladen.

Unterreichenau/Pausa.

Eine große Schauvoliere, in der es flattert und gurrt, soll die Besucher an diesem Wochenende genauso anlocken, wie die vielen rassigen Tauben, Hühner und Zwergenten. "Wir haben eine unheimliche Vielfalt an Rassen und Farbenschlägen", sagt Mattias Kaul, der Chef des Geflügelzuchtvereins Pausa und Umgebung. "Wir hatten geplant, dass wir zum Jubiläum eine größere Ausstellung auf die Beine stellen. Ich denke, das ist uns gelungen."

Genau 307 rassige Tiere werden in der Markthalle der Agrargenossenschaft Unterreichenau zu bewundern sein. Neben den 16 Mitgliedern des gastgebenden Vereins zeigen auch Züchter von befreundeten Vereinen aus Weischlitz, Gansgrün, Mühltroff, Leubnitz und aus dem Thüringer Raum ihre Tiere.

Dabei gibt es auch Besonderheiten zu sehen: Etwas ganz Seltenes sind die Tauben der Rasse Süddeutsche Mohrenköpfe in gelb, schwarz und blau sowie die Württembergische Mohrenköpfe. "Es gibt in ganz Deutschland nur sechs oder sieben Züchter, die diese Rasse haben", sagt Matthias Kaul, der seit 48 Jahren im Pausaer Verein ist. Günter Franz ist schon seit 65 Jahren Mitglied.

Zur Ausstellung sind auch historische Dokumente zu sehen. "Am ältesten ist der Ausstellungskatalog von 1924", so der Vereinsvorsitzende. Wenn man darin blättere, stoße man auf bekannte Namen. Denn das Züchten von Rassegeflügel gehe über Generationen. Dazu kommen bis zu 20 Protokollbücher. "Alles in altdeutsch geschrieben. Aber sehr interessant. Nur zwei Protokollbücher von früher fehlen." Die Vereinsgründung vor 150 Jahren, als Bismarck Preußen regierte, wurde akribisch vorbereitet. "Es waren insgesamt 18 Gründungsmitglieder am 13. März 1869. 34 Paragrafen wurden dafür vorbereitet." Zu den Jahreshauptversammlungen ging man in die Wirtshäuser, in Pausa soll es früher etwa 30 gegeben haben. Und wenn der Wirt im Verein war, gab es auch mal Freibier, ist überliefert.

In Hochzeiten hatte der Geflügelzuchtverein Pausa und Umgebung bis zu 140 Mitglieder. "In der DDR-Zeit waren auch die Ehefrauen Mitglied, da es vieles auf Zuteilung gab", so Kaul. Wie etwa Dachpappe für die Ställe oder Futtermittel. Glanzjahre waren von 1970 bis '75. Die Pausaer Züchter waren erfolgreich, nahmen an den Lipsia-Schauen teil. Nach der Wende ging die Mitgliederzahl rapide nach unten. 40 Mitglieder waren es. Heute allerdings sind es noch weniger, 16 an der Zahl. "Dabei ist es ein wunderschönes Hobby", so der Vereinsvorsitzende, der selbst Hühner der Rasse Zwerg-Wyandotten züchtet.

Die Ausstellung in der Markthalle der Agrargenossenschaft Unterreichenau ist geöffnet am heutigen Samstag von 9 bis

17 Uhr, wobei um 10 Uhr die offizielle Eröffnung ist. Am Sonntag lädt die Schau von 9 bis 15 Uhr zum Besuch ein.

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