Gegen Rechts: Kirche und Initiative planen Zentrum

Zuhören, miteinander sprechen, Lösungen finden: Eine Initiative im vogtländischen Plauen will rechtsextremen Aktivitäten den Nährboden entziehen - in einem Stadtteil, der besonders betroffen ist.

Plauen.

In Plauen machen Bürger gegen den Einfluss rechter Kräfte mobil. Die Evangelisch-Lutherische Markus-Paulus-Kirchgemeinde und die Arbeitsloseninitiative Sachsen planen im Stadtteil Haselbrunn den Aufbau eines Kinder- und Jugend-Zentrums. Damit soll ein Gegengewicht geschaffen werden zu einem Partei- und Bürgerbüro, das die rechtsextreme Kleinstpartei Der Dritte Weg unweit der Markuskirche betreibt.

Das neue Stadtteil-Zentrum solle Räume schaffen, um Probleme gemeinsam zu lösen, sagte der Pfarrer Andreas Vödisch bei einem Pressegespräch am Dienstag in der Markuskirche. Vorerst in Eigenleistung wollen Vödisch und seine Kirchgemeinde Räume in der Markuskirche bereitstellen, um dort ein Kinder- und Jugendzentrum zu etablieren sowie Vereine und Beratungsstellen ins Boot zu holen.

Gerade in Haselbrunn, in dem die Markuskirche steht, sei laut Pfarrer Vödisch der Zuspruch in der Bevölkerung für die Angebote der rechtsextremen Kleinstpartei besonders spürbar. In deren Partei- und Bürgerbüro werde mit Essensausgabe, Kampfsportangeboten für Kinder und einer Kleiderkammer ausschließlich für Deutsche gelockt.

Unterstützung für Pfarrer Vödisch kommt von Konstanze Schumann von der Arbeitsloseninitiative Sachsen, die in Plauen mit Suppenküche, Kleiderkammer und einer Essensausgabe vertreten ist. Seit Jahren sei die Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde gewachsen, erklärte sie. Eine gemeinsame wöchentliche Mittagstafel gebe es bereits. Zukünftig könnten weitere Projekte gemeinsam angepackt werden.

Insbesondere der Nachwuchs könnte laut Pfarrer Vödisch von dem geplanten Stadtteil-Zentrum profitieren. Die Kirche will mehr Platz schaffen, um Tagesangebote für Kinder auszuweiten. Ein Stadtteil-Fest, Treffpunkte für verschiedene Bevölkerungsgruppen, Beratungsräume und unterschiedliche Vereinsaktivitäten schweben dem Pfarrer vor. «Wir wollen unser Engagement auf ganz verschiedene Bereiche ausweiten.»

Bereits jetzt betreut Sozialarbeiter Benjamin Ollson vom Diakonischen Beratungszentrum Vogtland an den Nachmittagen unter der Woche bis zu 20 Kinder in der Markuskirche. «Der Bedarf ist da, oft reichen unsere Räume nicht aus», berichtete der Sozialarbeiter. Rund 1300 Kinder und Jugendliche bis 27 Jahren leben laut Ollson in Haselbrunn.

Der Dritte Weg und rechtsradikale Aktivitäten zeigten im Vogtland starke Präsenz, sagte Linke-Politikerin Sabine Zimmermann. «Mir macht es Angst, wie sich die Splitterorganisationen vernetzen und mit ihrem Engagement in der Mitte der Gesellschaft ankommen und sich darin verfestigen», so die Bundestagsabgeordnete. Auch deshalb sei eine Stärkung der Zivilgesellschaft wie die Initiative in der Markuskirche wichtig. (dpa)


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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    3
    Distelblüte
    26.02.2020

    Pfarrer Vodisch und die sozialen Initiativen gehen genau den richtigen Weg. Unterstützens- und nachahmenswert.

  • 4
    2
    HENDA
    25.02.2020

    Ich bin froh über solche Initiativen die Menschen zusammen bringen.