Gescheiterter Student tröstet sich mit Cannabis

In Neundorf ist ein junger Mann aufgeflogen, der Cannabis angebaut hat. Er hatte den grünen Daumen, denn der Stoff war hochwertig. Allerdings stammt die Qualitätsprüfung von der Staatsanwaltschaft.

Plauen.

Der junge Mann, 31, zog sich den Stoff für seine Joints selbst groß. In seiner Wohnung am Stadtrand hatte er alles, was er für seine kleine Indoor-Plantage brauchte: Lüfter, Abluftanlage, Hochspannungstrafo, Zeitschaltuhren.

Jetzt saß er vor dem Strafrichter im Amtsgericht, weil er aufgeflogen ist. Er bekam neun Monate Haft, ausgesetzt auf Bewährung. In den drei Jahren Bewährungszeit muss er immer wieder zum Urintest ins Gesundheitsamt. Vier Stück verlangt das Gericht - jedes Jahr und drei Tage zuvor angekündigt.

Die Cannabis-Pflanze gehört zu den am weitesten verbreiteten illegalen Drogen. Seit knapp zwei Jahren darf Marihuana als Arzneimittel in Deutschland verschrieben werden, für Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen.

Der jetzt Verurteilte nahm es auf eigene Faust. Strafrichter Wilhelm Gerhards entschied sich, den Fall des Plauener Kiffers als minderschweren Fall zu behandeln. Die Menge, die die Polizisten bei ihm sicherstellten, sprach dagegen. Gerhards und seine beiden Schöffen blieben unter den 16 Monaten, die der Staatsanwalt gefordert hatte.

Der 31-Jährige suchte nach Aussagen seines Verteidigers schon vor Jahren Hilfe bei einem Psychiater. Er leide unter Ängsten und Depressionen. Der Vater sei Professor, die Mutter ebenfalls depressiv. Der Angeklagte habe vor zweieinhalb Jahren wegen Prüfungsangst sein Studium ohne Abschluss beendet. Die Prüfungen habe er so lange vor sich hergeschoben, bis die Fristen verstrichen seien. Er habe nach psychologischer Hilfe gesucht in dieser Zeit, aber keinen Termin bekommen. "Ich hatte Psychopharmaka. Die haben mich extrem träge und schläfrig gemacht", sagt er. Nach dem verhauenen Studium sei er in ein schwarzes Loch gefallen. Er arbeitete als Hilfshausmeister, zog aus dem Elternhaus aus und suchte sich eine kleine Wohnung in Plauen.

In dieser Wohnung widmete er sich dem Hanf. Als die Polizei neun Monate nach dem Einzug zu ihm kam, fand sie 22 Pflanzen und fast 600 Gramm getrocknete ältere Cannabispflanzen. Dazu verschiedene Sorten Samen für die nächste Generation, bestellt im Internet, so der 31-Jährige. Im Februar 2018 war er aufgeflogen. Offiziell heißt es, die Polizei sei wegen einer anderen Sache in diesem Mehrfamilienhaus gewesen, habe bei dem jungen Mann geklingelt und das Gras gerochen.

Der Staatsanwalt sprach von einer Akribie, mit der er gegärtnert habe. Der Gehalt der psychoaktiven Substanz THC sei viermal so hoch gewesen im Vergleich zu dem, was andere schaffen würden. Richter Gerhards glaubte ihm, dass er für den Eigenbedarf auf Vorrat produziert habe. Laut Verteidiger lebe der Mann sozial isoliert. Er ist nicht vorbestraft und bekommt Hartz IV.

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