Glyphosat-Ausstieg: Plauen testet Öko-Unkrautvernichter

Wasser, Mais, Kokosnuss: Wo diese Mischung auftrifft, hat es Unkraut schwer. Im Stadtpark wurde das Verfahren nun angewendet. Es wirkt so ähnlich wie Brandblasen.

Plauen.

Vielleicht haben Plauen und die weltberühmten Fußballclubs FC Arsenal und FC Chelsea bald eins gemeinsam: den Kampf gegen Löwenzahn, Knöterich und Moos mit den vereinten Kräften von Wasser, Kokosnuss und Maiszucker. Die Plauener Stadtverwaltung lässt dieses Jahr einen Öko-Unkrautvernichter auf Basis dieser Zutaten im Stadtpark testen - vielleicht eine Alternative für die beschlossene Abkehr vom umstrittenen Totalherbizid Glyphosat.

Deshalb haben sich Michael Grün und sein Mitstreiter Hubert Breuniger von Montag bis Mittwoch über 10.500 Quadratmeter Weg und Wegränder im Stadtpark hergemacht. Und dabei mit Niederdruck ordentlich Schaum geschlagen. Mit einem Gerät, das aussieht wie eine Kreuzung aus Einkaufstrolley und kurzer Leiter, verteilt Grün aus zwei Düsen weißen Schaum. "Wir erhitzen mit Erdöl Wasser auf 98 Grad", erklärt der gebürtige Däne. Dann kommen Mais- und Kokosextrakt dazu. "Wie brauner Sirup", sagt Grün, der seine gleichnamige Firma in Altenbeken hat. 22 Liter des komplett abbaubaren Mittels strömen pro Minute raus und machen Unkräutern, Moosen und Flechten den Garaus.


Die chemiefreie Mixtur des sogenannten Heißwasser-Schaumverfahrens stammt aus Skandinavien und wirkt auf die Eiweißverbindungen in der Pflanze, wie Grün erklärt. Was kompliziert klingt, ist dabei recht einfach: Der heiße Schaum setzt die Pflanze unter Stress. Als Reaktion darauf schießt sie Wasser aus der Wurzel nach oben. "So ähnlich wie bei einer Brandblase", sagt Grün. Das trocknet die Pflanze aus. Am nächsten Tag gleicht sie verdorrtem Laub, wie an Wegrändern im Park zu sehen ist. Dreimal im Jahr bräuchten Flächen eine Ladung Schaum. Deshalb kommt er noch zweimal nach Plauen.

Laut Grün setzt man an der Kläranlage Dresden-Kaditz seit Jahren auf das Heißwasser-Schaumverfahren. Die Fußballclubs Chelsea und Arsenal wollen künftig ebenso ihre Trainingsflächen damit behandeln, wie er verrät. Auch wenn es teurer ist als Glyphosat, das im Ruf steht, Krebs zu verursachen und Insektensterben auszulösen. Gleichzeitig gilt das weltweit eingesetzte Herbizid als wirksam und kostengünstig. In der EU ist der umstrittene Wirkstoff bis Ende 2022 zugelassen.

Laut Umweltverband BUND haben deutschlandweit 460 Städte und Gemeinden lokale Restriktionen erlassen, was Pestizide und Glyphosat angeht. Auch im Vogtlandkreis setzen einige Kommunen nach BUND-Angaben auf möglichst wenig bis gar keine Chemie beim Kampf gegen Unkraut auf ihren Grünflächen. Manche verzichten auf Pestizide, andere auch auf Glyphosat: Adorf, Bösenbrunn, Weischlitz, Schöneck, Grünbach, Muldenhammer, Mühlental, Neustadt, Ellefeld, Auerbach, Treuen, Limbach, Netzschkau, Neumark und Elsterberg. www.bund.net

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12Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
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    Nixnuzz
    07.06.2019

    @ralf66: Ok. Weitstgehend einverstanden! Aber: ich habe ein massives Problem mit Ihrer Interpunktion. Sie erinnern mich an Herbert Wehner(DKP-SPD) zu seinen besten Zeiten im Bundestag, als seine Reden aus vielen Halbsätzen bestand. Bei dem Zusammenfliessen von Einzelargumenten kann das Sinnentstellend wirken. Sorry?

  • 1
    2
    ralf66
    07.06.2019

    @Nixnuzz, es ist doch völlig Wurst, wer und wie und wie viele das Glyphosat, oder ein gleiches Produkt, mit anderen Namen, mit den gleichen Inhaltstoffen herstellt. Mein Beitrag bezog sich auf den Einsatz von Glyphosat, da wird uns weiß gemacht, dass Glyphosat Krebs erregend ist, jetzt ist es völlig widersinnig, dass die Städte- und Gemeinden plötzlich vom grünen Wahn angesteckt werden, Glyphosat nicht mehr verwenden wollen, wegen dem gesundheitsschädlichen Aspekt und in der Landwirtschaft kommt dieses Glyphosat in Massen zum Einsatz, dass ist völliger Unfug!

  • 1
    4
    Nixnuzz
    07.06.2019

    Sorry: 2.Teil : Glyphosat kann durch Reaktion von Phosphortrichlorid mit Formaldehyd und Wasser und anschließende Reaktion der als Zwischenprodukt entstehenden Chlormethylphosphonsäure mit Glycin gewonnen werden. Ebenfalls möglich ist die Darstellung durch Reaktion von Diethylphosphit (oder Phosphorsäure) mit Formaldehyd, Glycin (oder Ethylglycinat) und Chlorwasserstoff.[17] Einen ähnlichen Syntheseweg zeigt nachstehendes Reaktionsschema, bei dem statt von Diethylphosphit von Dimethylphosphit ausgegangen wird und die nicht mit eingezeichnete Salzsäure die abschließende Esterspaltung am Phosphoratom bewirkt.: Wieviel von den Ausgangskomponenten sind noch im Handelsprodukt enthalten??....siehe wikipedia.. Schätze das:.."Wir erhitzen mit Erdöl Wasser auf 98 Grad", erklärt der gebürtige Däne. Dann kommen Mais- und Kokosextrakt dazu..." wie im Artikel zitiert ist..etwas weniger Umweltbelastend!ist. Von Gesundheitsgefährdend ist dabei wohl kaum etwas anzunehmen?!...

  • 2
    3
    Nixnuzz
    07.06.2019

    Schön: Bayer-Monsanto hängt am Fliegenfänger.: Roundup = Glyphosat: Aber was ist mit den stillschweigenden Konkurrenten: "Glyphosat wurde 2015 von mindestens 91 Chemieunternehmen in 20 Ländern hergestellt. Allein in China gibt es 53 Hersteller, in Indien 9 und in den USA 5. Die produzierte Menge wurde .... 2012 auf 720.000 Tonnen geschätzt. Mehr als 40 % des Glyphosats werden in China hergestellt.[13] 2016 exportierten chinesische Unternehmen über 70.000 Tonnen Glyphosat und -Formulierungen.[14]..Die Patente auf die Herstellung von Glyphosat sind 2000 abgelaufen.[15][16] siehe: // https://de.wikipedia.org/wiki/Glyphosat#Gewinnung_und_Darstellung //

  • 0
    2
    Nixnuzz
    07.06.2019

    A-ha!

  • 1
    2
    ralf66
    07.06.2019

    Welcher Leser, setzt hier bei meinem letzen Kommentar den roten Daumen, ohne mir dazu eine Gegendarstellung zu liefern?

  • 2
    2
    ralf66
    06.06.2019

    Der Beitrag ist völlig unvollständig, weil die Kosten der neuen Unkrautvernichtungsmethode, Anwendung 3x pro Jahr, hier nicht genannt werden und kein Vergleich zur Glyphosat-Anwendung angestellt wird. Mit dem ''Rollator'', der hier auf dem Bild zu erkennen ist, wird nämlich das neue Unkrautgemisch nicht erhitzt, der Schlauch führt in Wahrheit vom ''Rollator'' zu einem teuren Fahrzeug, wo dieses Gemisch erhitzt wird, diese Fahrzeuge können sich die Gemeinden in der Regel nicht leisten. Fakt ist, es gibt kein Mittel, dass dem Glyphosat in der Langzeitwirkung und wahrscheinlich auch bei den Kosten nur annähernd ähnlich ist.
    Der Witz bei der ganzen Sache ist, wenn man noch von Witz sprechen darf, dass in der Landwirtschaft, also unmittelbar mit der Nahrungskette verbunden, dass Glyphosat zur Unkrautvernichtung großflächig eingesetzt wird. Man spritz damit im Herbst die abgeernteten Felder ab, um sich im Frühjahr das Ackern zu sparen, man eggt die Felder nur noch mit gleichzeitiger Gülleausbringung. Selbst im kommerziellen Obstbau wird Glyphosat zu Unkrautbekämpfung eingesetzt.

  • 1
    1
    Nixnuzz
    06.06.2019

    Danke! Mahlzeit!

  • 3
    0
    Tauchsieder
    06.06.2019

    Speziell für "Nix.....": - https://www.youtube.com/watch?v=hHzWhpcloU4 -.

  • 3
    6
    Nixnuzz
    06.06.2019

    ...und woraus macht man eigentlich Glyphosat und wo?? Kommt doch nicht nur aussm Supermarkt?...

  • 4
    6
    Hinterfragt
    06.06.2019

    "...Wir erhitzen mit Erdöl Wasser auf 98 Grad", erklärt der gebürtige Däne. Dann kommen Mais- und Kokosextrakt dazu...."

    Aha, man verbrennt Erdöl, die Kokosnüsse wachsen auch nicht in D und müssen per Schiff oder Flugzeug transportiert werden - und dann nennt man das Ganze Ökologisch ...?

  • 5
    11
    Tauchsieder
    06.06.2019

    Da hätten sie auch beim Glyphosat bleiben können. Jetzt wird halt den Pflanzen ökologisch der Gar ausgemacht.
    Ich glaub die spinnen, die "Römer".



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