Guter Rat ist mehr als 8000-mal gefragt

Die Verbraucherzentrale in Plauen hilft Vogtländern, sich gegen Betrüger und Gauner zu wehren. Leiterin Claudia Neumerkel ist überzeugt: Nicht nur Senioren sind gefährdet. Reinfallen kann jeder.

Plauen.

Das vergangene Jahr war ein gutes Jahr - leider auch für Trickser und Betrüger. "Etwa 8000Menschen haben 2016 mit uns Kontakt aufgenommen", zieht Claudia Neumerkel Bilanz. Sehr viele konnte sie davor bewahren, über den Tisch gezogen zu werden. Die Methoden der Gauner werden dabei immer feiner. Doch das Grundprinzip bleibt. "Man redet den Leuten ein, dass sie ganz viel Geld sparen können", sagt Neumerkel. Und zieht es ihnen in Wirklichkeit aus der Tasche. Einige Beispiele:

Der Klassiker: "Kriminalkommissar, 60 Jahre, Nichtraucher, sportlich und charmant sucht... ." Wenn bei einer solchen Kontaktanzeige der Name einer Partnervermittlung steht, kann man laut Neumerkel getrost davon ausgehen, dass dieser Kommissar in Wirklichkeit gar nicht existiert. Die Vermittlungsgebühr von bis zu 3000Euro solle man sich deshalb lieber sparen. Bei Partnervermittlung außerhalb des Internets solle man generell sehr misstrauisch sein. "Die Leute müssen aber unbedingt zu uns kommen, bevor sie bezahlen", appelliert sie. "Die Chancen stehen gut, dass man aus so einem Vertrag wieder rauskommt. Aber einmal bezahltes Geld zurückzuholen, das ist ungleich schwerer."

Das Spektakulärste: 50.000Euro soll ein Paar aus Oelsnitz für eine Heizung bezahlen, die es aber gar nicht haben will. "Wie es aussieht, hat das Unternehmen die beiden ganz viele Unterlagen unterschreiben lassen, bei denen es eigentlich um Beratung ging", so die Leiterin der Verbraucherzentrale. Möglicherweise wurde aber auch ein Kaufvertrag in den Stapel geschummelt. "Wir haben das Unternehmen angeschrieben und um die Zusendung des Vertrags gebeten", so Neumerkel. Doch außer einem in süffisanten Ton gehaltenen Brief kam nicht viel zurück. Neumerkel: "Da haben wir gute Chancen."

Das Vertrackteste: Ein Handy plus Power Bank plus Flat in alle Netze plus Internet-Flat plus Speicherkarte plus dieses und jenes für 14,99Euro im Monat. Das ist zu schön, um wahr zu sein. Zumindest für Leute, die sich mit Technik und Neuen Medien nicht sehr gut auskennen. Angeboten wurde das "Schnäppchen" in einem Verkaufs-Fernsehsender. "Ein Haken ist, dass man die erste Rechnung ziemlich zügig als PDF hochladen muss", sagt Claudia Neumerkel. "Gerade ältere Kunden sind mit solchen Dingen allerdings überfordert." Versäumt man das Hochladen, klettert der Monatspreis auf 29,99Euro. Und das ist dann nicht mehr ganz so supergünstig.

Das Penetranteste: Mahnungen am laufenden Band, Drohungen mit dem Gericht - obwohl die Forderung völlig aus der Luft gegriffen ist: Bei dieser Masche sind vor allem Senioren im Fadenkreuz. "Manchmal kommen sie mit diesen Schreiben zu mir und ich teile ihnen mit, dass sie darauf noch nicht einmal reagieren müssen und diese Briefe direkt in die blaue Tonne werfen können", so die Leiterin der Beratungsstelle. "Sie zahlen oft trotzdem, weil sie halt einfach geordnete Verhältnisse haben wollen."

Das Häufigste: Unseriöse Strom- und Handyverträge, damit muss sich Neumerkel am häufigsten herumärgern. Ein Patentrezept, wie man schwarze Schafe erkennt, gibt es ihrer Einschätzung nach nicht. "Man sollte sich aber nicht nur am Preis orientieren", warnt sie. "Was nützt ein billiger Vertragspartner, mit dem man Probleme schlecht oder gar nicht klären kann? Weil es kein Büro gibt, wo man einfach mal anrufen kann?"

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