Historischer Keller wird verfüllt: Gasleitung behindert den Zugang

Behörden haben bei einem Ortstermin den Daumen gesenkt. Unterdessen berichtet eine Zeitzeugin von Menschen, die zur Zeit der Bombardierungen 1945 in den Kellern lebten.

Plauen.

Der Keller an der Syrastraße 2 ist seit dem Fund einer Fliegerbombe bei Erkundungsarbeiten am 13. Juni samt Evakuierung großer Teile der Innenstadt in aller Munde. Doch aus dem erhofften Erhalt und einer künftigen Nutzung durch den Bergknappenverein wird nichts.

Nach einem Ortstermin mit der Stadtverwaltung Plauen und dem Landesamt für Denkmalschutz verfügte das Sächsische Oberbergamt Freiberg: Nach einer umfassenden 3D-Erfassung wird der nahezu 40 Meter in den Schlossberg hereinreichende Keller in zwei bis drei Wochen verfüllt. Eine Versiegelung des Eingangs mit Erhalt des Kellers lehnte das Oberbergamt aus Sicherheitsgründen ab. "Nach Abwägung der Verhältnismäßigkeit" einigten sich die beteiligten Behörden auf dieses Vorgehen, erklärte Oberberghauptmann Bernhard Cramer aus der Freiberger Behörde auf Anfrage der "Freien Presse". Das Oberbergamt ist zugleich für jedwede unterirdischen Hohlräume in Sachsen die zuständige Polizeibehörde.


"Alle Beteiligten haben versucht, eine Lösung zum Erhalt zu finden", berichtet Kerstin Wolf, die beim Ortstermin am Schlosshang als Fachbereichsleiterin Bau und Umwelt die Stadt-Interessen vertrat. Eine in zwei Meter Abstand zur Baugrube verlaufende Gasleitung hätte den Zugang für Besucher jedoch erheblich eingeschränkt. Der Keller liegt zudem unterhalb des Niveaus der 40 Zentimeter starken und bereits älteren Hochdruckgasleitung.

Dass über den Erhalt des Kellers überhaupt verhandelt wurde, ist den Bergknappen mit ihrem Projekt "Plauen unter Tage" zu verdanken, betont Kerstin Wolf und rät dem Verein, sich den anderen Kellern im Schlossberg zuzuwenden. Da etliche zugänglich gemacht und im Vorbereich gestaltet werden, sollten die verfügbaren Mittel jetzt darauf konzentriert werden.

Der Bergknappenverein bedauert die Entscheidung des Oberbergamtes, akzeptiert sie aber. Auch wenn es wie ein Rückschlag wirkt, so kam der Verein auf seinem Weg, Plauens Unterwelt zu erkunden und erlebbar zu machen, wieder ein Stück voran. Und das hat auch mit einer Rentnerin aus Oelsnitz zu tun. "Auf unseren Zeitzeugen-Aufruf gab es tatsächlich eine Reaktion", freut sich Gert Müller, Chef des Bergknappen-Vereins, als hätte er gerade einen Sechser im Lotto gewonnen.

Am 3. Juli hatte die "Freie Presse" Müllers Appell veröffentlicht. Gertraud Dorn las das und meldete sich umgehend. "Wir lebten damals in Limbach", erzählt die heute 84-jährige Frau. Als neunjähriges Mädchen war sie mit ihrer Mutter nach Plauen gefahren, um an der Syrastraße nach Verwandten zu suchen. Von der Häuserzeile waren nur noch Ruinen übrig geblieben. "Wir dachten zuerst, hier hat niemand überlebt", erinnert sie sich. Dann sahen Mutter und Tochter hinterm Haus in Richtung Schlossberg Fußstapfen, die zu Kellern führten. Dort fanden Menschen nach den Bombardierungen Zuflucht. "Wir haben unsere Verwandten gefunden", berichtet sie weiter. Als sie in der Zeitung vom Fund des bewohnten Kellers mit Ofen hinter dem Haus Syrastraße 2 las, schien sich nach Jahrzehnten ein Kreis zu schließen.

Beim Ortstermin mit Bergknappen-Chef Gert Müller zeigte sich jedoch: Gertraud Dorns Verwandte müssen in einem anderen Keller gelebt haben, "dort gab es einen Kanonenofen", sagt die Seniorin und fügt eine Hoffnung an: "Es haben dort auch Kinder in meinem Alter gelebt. Da müsste es doch noch mehr Zeitzeugen geben." Für Gert Müllers Nachforschungen sind das wichtige Informationen. "Es passt alles, was Frau Dorn uns berichtet hat."

Warum ist all das nach 75 Jahren noch so präsent? "Weil ich es so erlebt habe und noch vieles mehr", sagt Gertraud Dorn. Die Bilder aus Kindheitstagen gingen nicht mehr aus dem Kopf. Als Lehrerin habe sie ganzen Generationen von Schülern von den Gräueln des Krieges berichtet. "Wir müssen heute alles dafür tun, dass es so etwas nie wieder gibt."

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    3
    Norman
    17.07.2019

    Gaswarner gibt's ab 30€.



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