Hund stirbt nach Spaziergang an der Elster: Vergiftetes Leckerli?

Nach einer Gassi-Runde ging es dem Dalmatiner schlecht. Er könnte einen Giftköder gefressen haben, sagt die behandelnde Tierärztin. Aber es muss kein Vorsatz sein.

Plauen.

An der Elsterbrücke hängt ein Zettel, den jemand mit Klebeband am Geländer festgemacht hat. Der Text auf dem Papier ist gespickt mit vielen roten Ausrufezeichen, aus denen die Wut spricht. "Achtung Hundebesitzer", steht darauf und "Hund beim Gassigehen vergiftet durch ausgelegte Giftköder".

Das, was mit dem Dalmatiner der Kirchners passiert ist, hat sich unter Plauener Hundehaltern herumgesprochen. Ines und Volker Kirchner waren am Sonntag vor einer Woche mit ihrer Sina spazieren am Elsterufer. Zwei Tage später starb die Hündin. Sie hatte blutigen Durchfall und spuckte Blut, sagt Tierärztin Kerstin Brauns. Die Veterinärin gab dem Tier Infusionen, versuchte den Kreislauf zu stabilisieren und die Blutungen zu stoppen. Sina half das nicht mehr. Vieles spreche dafür, das die Hündin vergiftet wurde.

Das Elsterufer gehört zu den beliebten Gassi-Runden in Plauen. In der Nähe der Streichhölzerbrücke hat Sina etwas gefressen, sagt Ines Kirchner. Die Tierärztin hält es nach den Schilderungen der Familie für wahrscheinlich, dass der Dalmatiner einen mit Ratten- oder Mäusegift gespickten Köder erwischt hat: "Die Besitzer sagen, er hat draußen etwas gefunden und gefressen." Das Gift stoppt die Blutgerinnung, es kommt zu Blutungen im Magen, im Darm bis hin zum Zentralnervensystem. "Die Tiere verbluten", sagt Kerstin Brauns. Eine pathologische Untersuchung in einem Labor, um das Gift nachzuweisen, ließen die Kirchners nicht machen.

Experten zufolge sprechen Sinas Symptome für eine Vergiftung. Ein erfahrener Tierarzt kann diese anhand der Symptome ableiten, so Walther Honscha, Professor am Toxikologie-Institut der Veterinärmedizinischen Fakultät in Leipzig. Der Wirkstoff entfalte sich zeitverzögert. Honscha zufolge sei nach etwa drei Tagen das Maximum erreicht. Das ist so gewollt und liegt am Wesen der Ratten, sagt Honscha. Ratten schicken Vorkoster, die neue Futterquellen testen sollen. "Die anderen warten ab, was passiert", sagt Honscha. Deshalb sei das Gift so konzipiert, dass es erst später anschlägt. Hunde bräuchten eine Dosis, die ihrem Gewicht entspricht. Der Wissenschaftler erinnert sich an einen Vorfall vor mehreren Jahren in Hannover, wo mehrere Hunde nach einem Parkspaziergang Vergiftungssymptome hatten.

Für die Plauener Tierärztin Kerstin Brauns war Sina seit Januar der zweite Hund, der auf diese Weise innerlich verblutete. Ein anderer Veterinärmediziner aus Plauen kennt aus seiner Praxis ebenfalls Hunde und Katzen mit Vergiftungserscheinungen. In den vergangenen Monaten sei bei ihm aber kein Fall dazugekommen. Meistens sei das Gift, das seine Patienten krank machte, nicht gezielt gegen Hunde und Katzen eingesetzt worden. Ein Hund habe zum Beispiel vergiftete Mäuse gefressen, die in einer Scheune lagen. "Die Leute sollten lieber aufhören, auf ihren Grundstücken mit Gift zu hantieren, auch mit Unkraut-Ex und solchem Zeug", sagt der Veterinär, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Einen Beweis, dass ihre Sina von einem Hundehasser vergiftet wurde, wird Ines Kirchner wohl nie bekommen. Anzeige bei der Polizei hat sie nicht erstattet. Auch zu anderen Fällen von mutmaßlichen Giftködern liegen keine Anzeigen vor, sagt Sprecher Oliver Wurdak. Die Täter zu finden, gehöre für die Polizei zu den "schwierig gelagerten Fällen".

Den Verfasser des Zettels an der Elsterbrücke, der vor Giftködern warnen soll, kennen die Kirchners nicht. Aber unter Hundefreunden machen solche Nachrichten schnell die Runde.

Dalmatiner-Hündin Sina wurde nur drei Jahre alt. Ines Kirchner hatte sie zum 50. Geburtstag bekommen. Sinas Hundebett und die Stofftiere liegen noch in der Wohnung. Die Kirchners haben es nicht übers Herz gebracht, die Sachen ihrer treuen Freundin wegzupacken.

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