In Plauens Zentrum gibt's Puller-Alarm

Eine Münchenerin ekelt sich, als sie Plauen besucht. Vor ihr hat eine Frau die Hose runtergelassen. Die schlechten Manieren straft das Ordnungsamt ab. Doch dafür muss es die Täter erwischen.

Plauen.

Bayern macht noch Sommerferien, und mancher nutzt die Gelegenheit zum Abstecher nach Plauen. Dana Marschner fährt mit diesem Eindruck nach Hause: "Pfuiteufel!"

Die Münchenerin ist vergangenen Donnerstag mit ihren beiden Kindern, sechs und zehn Jahre alt, durch Plauen gebummelt. Als sie bei McDonald's zu Mittag aßen, habe vor ihren Augen eine Frau auf die Straße gepinkelt. "Das haben wir plätschern hören", sagt Dana Marschner. Die Frau sei augenscheinlich betrunken gewesen. Am Ausgang der Stadt-Galerie habe sie sich neben einen Abfalleimer gehockt und ihr Geschäft gemacht. Von den vielen Fußgängern, die zu dieser Zeit unterwegs waren, haben sich die pullernde Frau nicht irritieren lassen.

Dana Marschner und ihren Kindern hat der Anblick den Appetit verdorben. Es sei bedauerlich, dass das gemütliche Plauen solche schlechten Manieren zulässt. Auf der Bahnhofstraße habe sie am selben Tag einen Mann mit eingenässter Hose angetroffen. In München gebe es für Problembürger Platzverweise. "Dass die Leute mitten in die Stadt machen, das habe ich in München noch nicht gesehen", sagt die 36-Jährige.

Sie ist nicht die erste, die laut pfui sagt. Vor wenigen Wochen empörte sich Neu-Plauenerin Marlene Müller in einem Leserbrief über einen jungen Mann, der auf dem Postplatz sein großes Geschäft verrichtete - in den Papierkorb. Ordnungsamtschef Wolfgang Helbig kennt das Problem mit solchen Ferkeleien in der Innenstadt. Auch an die Rathauswand sei schon gepullert worden. Dabei gebe es genügend öffentliche Toiletten im Zentrum: im Rathaus-Lichthof, im Rathaus-Foyer, am Tunnel. Zur Not könne man sich gegen Gebühr auch in den umliegenden Gaststätten erleichtern.

Das Pinkeln in der Öffentlichkeit ist verboten. 25 bis 30 Euro Verwarngeld werden fällig. Allerdings nur für den Übeltäter, der erwischt wird. Vergangenes Jahr waren das laut Helbig rund 20 Personen. Beim Faschingsumzug und bei Stadtfesten gebe es gemeinsam mit der Polizei gezielte Kontrollen.

Im Tagesgeschäft ist der gemeindliche Vollzugsdienst dafür zuständig, für Ordnung zu sorgen. Das sind Helbig zufolge 14 Frauen und Männer, die in Schichten Streife laufen. Von 5 Uhr morgens bis 22Uhr, verstärkt in der Innenstadt. Das sei aus Sicht der Stadtverwaltung ausreichend. Schlechte Manieren seien nichts Neues. Die habe es schon immer gegeben. Eine zusätzliche Sicherheitsstreife aufzustellen und damit mehr Präsenz zu zeigen, das sei im Moment kein Thema.

Daran arbeitet das Reichenbacher Rathaus gerade. Die Stadt setzt im Kampf für Ordnung und Sauberkeit auf die Unterstützung von 450-Euro-Kräften. Die sollen Streife gehen, ausgerüstet mit Schlagstock und Pfefferspray. Zurzeit sucht die Stadt geeignetes Personal.

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1Kommentare
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  • 2
    1
    gelöschter Nutzer
    06.09.2016

    "Sitzt die Schei...e noch so locker - nix geht durch die Knickerbocker!"

    In dem Spruch steckt viel Wahrheit oder war die "gute Frau" noch nie auf dem "Oktober-Fest"?

    ...und die eigenen Volkstrachten, die scheinen ihr auch fremd zu sein.

    Oder rennen dort alle Gäste vorsorglich schon mit Inkontinents-Windeln aus dem Sanitätshaus rum?

    Übrigens:

    Nicht nur in Hamburg auf der Reeper-Bahn, sondern auch in anderen bundesdeutschen Städten links und rechts von Elbe und Werra pinkeln die Leute mittten auf die Straße - ohne es mit Blase oder Prostata zu haben, wenn sie besoffen sind.

    Was aber, wenn die öffentlichen Toiletten einfach nicht funktionieren?

    In Berlin musste ich auch schon hinter eine WALL-Toilette pinkeln, weil die meine 50 Cent-Münze schlucckte und die Tür nicht öffnete.
    Bis zur nächsten Gelegenheit, da wäre es zu spät gewesen und ich war nicht besoffen, sondern zu dem Zeitpunkt nur einfach krank an dr frischen Luft.

    Wenigstens schickte WALL mir auf meine Beschwerde sogar die 50 Cent im Umschlag portofrei zurück.

    Welche öffentliche Einrichtung sonst gibt einem das Geld zurück, wenn die Toiletten nicht funktionieren oder so versifft sind, dass man nicht dort, sondern lieber hinter den Baum pinkelt?



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