Internationaler Star aus Kunstszene gestaltet Fenster in Johanniskirche

900 Jahre Plauen, 900 Jahre St.-Johannis-Kirche: Ein besonderer Coup für das älteste, größte und bedeutendste Gotteshaus des Vogtlandes ist gelungen. Es ist auch ein Hoffnungszeichen in der Coronakrise. Was auf dem neuen Kunstwerk zu sehen sein soll, steht schon fest.

Plauen.

Michael Triegel ist ein internationaler Star. Der 1968 in Erfurt geborene und bei Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ausgebildete Maler und Grafiker gehört zu den versiertesten Schöpfern christlicher Kunst. Spätestens seit er 2010 erstmals den damaligen Papst Benedikt XVI. porträtieren durfte, ist Triegel so gefragt, dass er sich seine Aufträge genau aussuchen kann. Und dieser Mann wird nun in einem der historisch wertvollsten Gebäude des Vogtlandes, in der Plauener St.-Johannis-Kirche, seine Spuren hinterlassen.

Die Freude über diesen Coup war Pfarrer Hans-Jörg Rummel am Donnerstagnachmittag anzusehen. Bei einem offiziellen Termin in der Johanniskirche kündigten die Kirchgemeinde, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und mehrere Offizielle an: Triegel wird das Hauptfenster im Altarraum gestalten. Der Künstler selbst war am Donnerstag wegen wichtiger Termine für ein Kunstwerk in Naumburg verhindert und ließ sich von seinem Galeristen Karl Schwind nicht minder prominent vertreten. Schwind ist es maßgeblich zu verdanken, dass Künstler wie Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig im gesamtdeutschen Bild nicht mehr auf ihre DDR-Herkunft reduziert werden.

Das aufwändige Projekt kostet, obwohl sich Michael Triegel nach Aussagen von Pfarrer Rummel offenbar zurücknehmen will, deutlich mehr als 100.000 Euro. Die Finanzierung möglich machen die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Stiftung der Sparkasse Vogtland und die Stadt Plauen - die Hauptlast stemmt indes laut Hans-Jörg Rummel die Evangelische Kirche. Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) appellierte an Spender, dieses besondere Projekt zu unterstützen.

Das Auftragswerk entspringt keiner schnellen Idee, sondern ist eingebettet in das Jubiläum 900 Jahre Plauen 2022. Die Ersterwähnung der Stadt und die älteste, größte und bedeutendste Kirche des Vogtlandes sind unmittelbar miteinander verknüpft. Landrat Rolf Keil (CDU) bezeichnete die St.-Johannis-Kirche als die "Urkirche" im sächsischen Vogtland. Damit gehöre das Gotteshaus "zur Geschichte aller Vogtländer", betonte Keil. Ja, die Kirche stehe für die Gründung des Vogtlandes, stimmte ihm Ralf Oberdorfer in selten so erlebter Eintracht zu. Die Geschichte der Kirche zeige, "wie alles begann im Vogtland", fügte Plauens OB hinzu. Auch Schloss und Komturhof folgten erst später.

Sparkassen-Vorstandschef Marko Mühlbauer würdigte die kulturhistorische Bedeutung der Kirche auch über die Region hinaus. Mit dem Fenster als künstlerischem Highlight werde das Vogtland um eine Attraktion reicher. 15.000 Besucher zieht es bereits jetzt jährlich in die Johanniskirche, die tagsüber nahezu immer geöffnet ist. Erst vor wenigen Tagen hatte die Sparkasse angesichts wirtschaftlich schwieriger Zeiten mittelfristig einen Sparkurs angekündigt. Für solche besonderen Projekte setze man sich dennoch ein. Mühlbauer vertrat zugleich Friedrich-Wilhelm von Rauch von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der nach einem Sportunfall verhindert war. Die Stiftung habe bereits "sagenhafte 2200 Projekte unterstützt", erläuterte Mühlbauer. Von 95 Millionen Euro Stiftungsgeldern seien allein 39 Millionen nach Sachsen geflossen.

Einen Entwurf für das Fensterbild gibt es noch nicht, wohl aber Vorstellungen zur Gestaltung und eine feste Zusage des Künstlers. "Das Glasbild soll die Auferstehung Christi zeigen", erklärte Hans-Jörg Rummel. "Gerade in der Zeit der Coronakrise setzen wir so ein Hoffnungszeichen." Die bisherige Ausstattung der Johanniskirche zeigt Motive von Christi Geburt, Taufe und Geißelung. Bisher fehle jedoch das entscheidende Ereignis, die Auferstehung. Auch deshalb komme dem Fensterbild große Bedeutung zu, auch deshalb habe man einen bedeutenden Künstler für das Projekt gewinnen können.

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1Kommentare
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    Alcapone
    26.06.2020

    Da ist der Kirche mal ein echter Coup nach vorn gelungen. Hoffe jetzt gibt es keine Kleingeister, die sagen das Geld sei für die Armenspeisung auszugeben. Dieses Bild, das kann man jetzt schon sagen, wird auch in 500 Jahren noch klasse sein.