Komturhof zeigt Transparente der Wende

Mit einer Veranstaltung zum Jubiläum 30 Jahre Friedliche Revolution ist am Samstag eine Schau mit Originaldokumenten aus dem Vogtlandmuseum eröffnet worden. Sie ist nur kurze Zeit zu sehen.

Plauen.

Vor knapp 30 Jahren standen die Leute bei der ersten Demonstration des Wendeherbstes in der Stadt vor dem Plauener Rathaus. Am Samstag standen jede Menge Wartende vor dem Eingang zum Konventsgebäude im Komturhof. In beiden Fällen hörte man die Rufe "Wir sind das Volk!" und "Stasi raus!"

Am 7. Oktober 1989 kamen diese Rufe von den Demonstranten, am Samstag im Rahmen einer Veranstaltung des Lions-Clubs Plauen Spitze von Schülern des Lessinggymnasiums. Die Jugendlichen des Chores und der Trommelgruppe dieser Bildungseinrichtung eröffneten damit ein Programm, das zusammen mit dem Diesterweg-Gymnasium und dessen Chor aufgeführt worden ist und mit viel Beifall bedacht wurde.

Der Bedarf an Plätzen für diese Veranstaltung war größer als das in dem Bau zur Verfügung stehende Angebot. Rund 200 Leute kamen schließlich hinein. Einige mussten jedoch stehen oder auf den Treppen Platz nehmen, weil keine Sitzplätze mehr zu finden waren. Der amtierende Präsident des Clubs, Lutz Behrens, bat in seiner Rede um Verständnis, "dass wir so viele draußen stehen lassen müssen". Aber in den Räumen ginge es nicht anders.

An den Wänden dieser Räume hängen die Transparente. Der Nachfolger des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, Egon Krenz, ist im Wendeherbst nicht gerade beliebt gewesen bei den Plauenern: "Korruption und Verrat am ganzen Volk? Und Krenz weiß nichts davon?", steht auf einem Banner geschrieben. "Wir fordern! Volksentscheid über unsere Zukunft - Krenz und seine SED müssen Gehen - Sozialismus Nein - Einheit JA", heißt es auf einem weiteren Plakat.

Die jeweils Samstag von Oktober 1989 bis März 1990 durch die Straßen getragenen Spruchbänder sind heute im Besitz des Vogtlandmuseums. Einige davon werden bis zum 21. September für die Ausstellung im Komturhof zur Verfügung gestellt. Dass ihre bemalten Bettlaken mal im Museum landen, das hätten die Akteure der Friedlichen Revolution auch nicht gedacht. Adelheid Liebetrau, Dietrich Kelterer, Frank Grünert, Steffen Kollwitz, Steffen Unglaub und Siegmar Wolf beantworteten während des Programms am Samstag einige Fragen von Jugendlichen. "Das war eine Macht, die einen überwältigt hat", beschrieb Steffen Unglaub seine Gefühle nach der Massendemonstration am 7. Oktober, bei der die Staatsmacht erstmals kleinbeigeben musste. "Für Reformen und Reisefreiheit, gegen Massenflucht, und vor allem Frieden", steht auf dem Bettlaken von Siegmar Wolf, das ebenfalls in der Schau zu sehen ist, und zwar hinter der Bühne. Es ist das erste Transparent der ersten Demo gewesen. Der Plauener wurde dafür sogar schon mit dem Medienpreis "Goldene Henne" geehrt. Er hätte damals nie gedacht, "dass es so weit kommt", sagte er am Samstag und meinte damit den weiteren weitgehend friedlichen Verlauf der Ereignisse und die Einheit am 3. Oktober 1990. Deren Jubiläum zum 30-Jährigen steht dann nächstes Jahr im Kalender.

Die Ausstellung  im Plauener Komturhof ist bis zum 21. September zu sehen, nur samstags von 11 bis 17 Uhr.

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