Kurzarbeit trifft Vogtländer besonders

Wie lange reicht bei beruflichen Einschränkungen in Coronazeiten das Geld? Geringverdiener können mit Hartz IV aufstocken.

Plauen.

Im Gewerkschaftsbezirk Südwestsachsen, zu dem neben dem Vogtland das Erzgebirge, der Landkreis Zwickau und Chemnitz gehören, haben derzeit mehr als 9000 Firmen Kurzarbeit angemeldet. Für deren Beschäftigte begann damit das große Rechnen: Wie viel Geld bleibt künftig zum Leben?

Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sind mehrere zehntausend Menschen betroffen. Geschäftsführer Ralf Hron: "Viele Beschäftigte werden einen Anspruch auf zusätzliche Leistungen in der Grundsicherung haben und mit Hartz IV aufstocken müssen. Die Arbeitsdirektionen arbeiten mit Hochdruck an Abarbeitung der Anträge." Die Zwickauer Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Die Linke), arbeitsmarktpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, ahnt: "Extrem viele Menschen werden aufstocken müssen." Damit am Ende eines Monats wenigstens 1000 Euro aufs Konto kommen, müssten beispielsweise kinderlose Alleinstehende bei 100 Prozent Kurzarbeit laut Berechnung der Arbeitsagentur einen Bruttoverdienst von 2450 Euro haben. Derartige Einkommen aber sind für das Vogtland selten, weiß Zimmermann.

Laut letzten verfügbaren Statistiken arbeiteten im Vogtland Ende 2018 42,2 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnbereich. Dessen Schwelle ist bundeseinheitlich bis zu einem Entgelt von 2203 Euro definiert. Das mittlere Entgelt für sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte im Vogtland lag Zimmermann zufolge bei 2357 Euro - deutlich unter dem bundesweiten Wert von 3304 Euro.

Um den Lebensstandard zu halten, setzt sich die Bundestagsabgeordnete derzeit dafür ein, das Kurzarbeitergeld auf 90 statt bisher 60 bis 67 Prozent des Nettoeinkommens anzuheben.

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