Lutherkirche braucht eine neue Orgel

Das 92 Jahre alte Instrument pfeift schon mindestens zehn Jahre aus dem letzten Loch. Eine Restauration macht nach Ansicht der Gemeinde aber keinen Sinn. Dafür gibt es gute Gründe.

Plauen.

Wenn man für eine wohl klingende musikalische Begleitung des Gottesdienstes in einem Gotteshaus sorgen will, braucht man schon einen langen Atem. Das weiß kaum jemand besser als die Kantorin der Lutherkirchgemeinde, Susanne Häußler. Denn vor genau zehn Jahren hat sie sich schon einmal mit einem Appell an die Öffentlichkeit gewandt, die damals noch angestrebte Restauration der Jehmlich-Orgel in dem Bau im Lutherpark zu unterstützen. Das Mühen war vergeblich. Denn seither ist in dieser Sache nichts passiert an dem 1926 eingebauten Instrument.

"Die Orgel wurde zurückgestellt", erklärt Susanne Häußler. Andere Vorhaben waren wichtiger: Das Lutherhaus wurde in zwei Etappen gebaut. Auch an der Lutherkirche machten sich aufwändige Sanierungsmaßnahmen nötig. Aber jetzt will sich die Glaubensgemeinschaft wieder diesem Projekt widmen. "Im vorigen Jahr haben wir einen Orgelausschuss gegründet", berichtet die Kirchenmusikerin. Dieser Ausschuss hat dem Kirchenvorstand Anfang dieses Jahres drei Vorschläge unterbreitet: Restauration, Rückbau auf den Zustand von 1926 oder Neubau. Man einigte sich auf eine Neuanschaffung. Denn: "Die Orgel ist verhunzt", gesteht die Kantorin.

Den musikalischen Vorstellungen jener Zeit folgend, ist die Königin der Instrumente in Plauens zweitältestem Gotteshaus in der 1950er Jahren umgebaut worden. "Man hat Pfeifen abgeschnitten und heftig eingegriffen", weiß Susanne Häußler. Die Romantik war aus der Mode gekommen. Barocke Pfeifen standen demzufolge auf romantischer Technik. In 1979 folgte eine Korrektur. Man habe damals wieder "das beste rausgeholt", sagt die seit 20 Jahren in der Gemeinde angestellte Vogtländerin. Seitdem ist nichts mehr gemacht worden - also seit fast 40 Jahren. Empfohlen wird eine Reinigung der mehr als 2000 Pfeifen aller 25 Jahre. Der Staub sitzt mittlerweile ziemlich fest.

Nach dem Einholen von Kostenangeboten mehrerer Orgelbauer entschieden sich die Mitglieder des Orgelausschusses und dann auch der Kirchenvorstand für eine Neuanschaffung. Aber die ist teuer. "Es ist eine sechsstellige Summe", will die Kantorin noch nicht ins Detail gehen. "Wir wollen einen Neubau in der Mende-Tradition", lässt sie wissen.

Johann Gottlob Mende (1787-1850) war einer der bedeutendsten sächsischen Orgelbauer. Von ihm stammt jenes Instrument, das vor der 1926 eingebauten Jehmlich-Orgel in der Lutherkirche vorhanden gewesen ist. Man könnte darauf sowohl romantische als auch barocke Stücke spielen, begründet Susanne Häußler diese Wahl. In barocker Tradition gebaut, würden doch romantische Register verwendet.

Der neu gegründete Orgel-Freundeskreis hat zirka 20 Mitglieder und will jetzt mit Aktionen auf das Projekt aufmerksam machen und Spenden sammeln. Eine Aktion, ein Kaffeetrinken zum Spitzenfest, hat bereits stattgefunden und um die 300 Euro gebracht. Die Kantorin will sich auch erkundigen, ob Fördergelder oder andere finanzielle Unterstützung möglich sind.

Ein langer Atem sei weiterhin nötig. Bis zum 300-Jährigen der Kirche und dem 900-Jährigen von Plauen im Jahr 2022 soll es aber geschafft sein.

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