Mehr Spielraum für die Eltern: SPD rüttelt an Kita-Verträgen

Die Eltern sollen ihre Kinder bis zu zehn Stunden täglich in den Kindergarten bringen dürfen, fordern die Sozialdemokraten. Das lehnt die Stadtverwaltung ab. Das sei Kindeswohlgefährdung.

Plauen.

Für Kindergarten- und Krippenkinder gilt die 45-Stunden-Woche. Das macht pro Tag neun Stunden in der Betreuung, danach sollen sie spätestens abgeholt werden. So sehen es die Verträge vor, die die städtischen Kindergärten mit den Eltern schließen. Die SPD-Stadtratsfraktion kritisiert das. Sie fordert einen Nachbesserung. Eltern sollten ihren Nachwuchs täglich bis zu zehn Stunden in die Kitas bringen dürfen, die die Stadt betreibt.

Die zuständige Abteilung im Rathaus spricht von Kindeswohlgefährdung. Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) beruft sich auf das Kinder- und Jugendhilfegesetz. Darin seien neun Stunden als Obergrenze empfohlen. "Die Bedürfnisse der Kinder stehen vor den Bedürfnissen der Eltern und erst recht vor den Bedürfnissen von Unternehmen", so Zenner. Es sei ihr Bedürfnis, Zeit mit den Eltern zu verbringen.

Juliane Pfeil-Zabel ist Mutter von zwei Kindern, SPD-Stadträtin und Landtagsabgeordnete. "Keiner bleibt länger auf Arbeit, um seinem Kind zu schaden", sagt sie. Für sie ziehen Zenners Argumente nicht. Denn die Eltern haben die Möglichkeit, die zehnte Stunde zuzukaufen. Die koste für Krippenkinder 5,33 Euro und sei damit mehr als fünfmal so teuer als die anderen neun Stunden. Manche Eltern seien aber darauf angewiesen. "Sie arbeiten auswärts und arbeiten voll. Das schafft man in neun Stunden nicht", sagt Pfeil-Zabel. Das sei das Ergebnis eines Gesprächskreises mit Eltern gewesen, den sie im Frühjahr initiiert hatte. In anderen sächsischen Städten gebe es 11-Stunden-Pauschalverträge.

Abgestimmt hat der Stadtrat über diese Forderung noch nicht. Die Sozialdemokraten rütteln an mehreren Schnittstellen der Kinderbetreuung in Plauen. Eine davon waren die Betreuungszeiten. Die meisten Kindergärten schließen um 17 Uhr, und das war nach Einschätzung der SPD-Ratsfraktion zu kurz. Das entkräftete die Stadtverwaltung. Zenner zufolge fragen die Kita-Leiter jedes Jahr den Bedarf der Eltern ab. Aktuell reichten die Öffnungszeiten aus. Um Einzelfälle kümmere sich die Verwaltung.

Ginge es nach der SPD, könnten die Eltern für die Kinderbetreuung flexiblere Zeit-Modelle buchen. Wer etwa eine 30-Stunden-Betreuung bucht, könnte sein Kind an einem Tag zum Beispiel zehn Stunden betreuen lassen und am nächsten Tag dafür gar nicht. Pfeil-Zabel zufolge sei das vor einigen Jahren in Einrichtungen der Volkssolidarität möglich gewesen. Standard sind heute aber Verträge, die sich auf die tägliche Betreuung beziehen und ein Jonglieren zwischen den Tagen ausschließen. Das sei nicht kundenfreundlich, so die SPD.

Mit ihren Forderungen dürften es die Sozialdemokraten schwer haben. Die CDU-Stadtratsfraktion kritisierte diese bereits als populistisch. Die dauerhaft lange Betreuung in der Kita gefährde die Familie, so Tobias Kämpf (CDU). Zudem würde der Druck auf die Arbeitnehmer weiter steigen, familienunfreundliche Arbeitszeiten zu akzeptieren.

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