Mercedes-Zentrum in Oberlosa: Anwohner fürchten um ihre Häuser

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Alexander Müller will sein Mercedes-Projekt bis Ende 2023 umsetzen. Doch der Baugrund für den nächsten Abschnitt im Gewerbegebiet hat es in sich. Sind Sprengungen nötig?

Plauen. Wieder einmal weht den Spitzen im Plauener Rathaus ein kräftiger Wind aus Richtung Oberlosa ins Gesicht. Der ausgelegte Bebauungsplan für das "Automobil- und Dienstleistungszentrum Müller" stößt auf Widerstand. Der Ortschaftsrat gibt den Mercedes-Plänen keine Zustimmung, auch wenn sein Einfluss auf die Entscheidung nur begrenzt sein dürfte. Bekannte Argumente, darunter die unklare Lärmsituation sowie ungelöste Infrastruktur- und Verkehrsprobleme durch Industrie- und Gewerbeerweiterungen, ergänzt der Ortschaftsrat mit neuen.

Die Oberlosaer befürchten, dass es beim Einebnen der Flächen zu Sprengarbeiten kommen wird. Sie berufen sich auf die Baugrunduntersuchung als Bestandteil der umfangreichen Unterlagen. Damit einhergehend könnten Gebäudeschäden entstehen, "analog dem Planungsgebiet 2a", heißt es in der von Ortsvorsteher Janes Trawinski unterzeichneten Stellungnahme an die Stadt, die in Oberlosa im Schaukasten öffentlich ausgehängt ist.

Sprengungen und Gebäudeschäden? Die im Auftrag des Hofer Investors Auto Müller von der Plauener Firma M&S Umweltprojekt erarbeitete Baugrunduntersuchung verweist auf die Notwendigkeit, "teilweise Boden- und Felsabtrag vorzunehmen". Dabei handelt es sich um Diabas, ein hartes und verwitterungsbeständiges Gestein. Im Süden des Areals, angrenzend zur Autobahn, sind bis zu acht Meter Abtrag diverser Boden- und Gesteinsstrukturen nötig, im Norden 6,50 Meter.

Die Oberlosaer erinnern an Sprengungen bei früheren Erschließungsarbeiten. In deren Folge sei es zu Setzungsrissen und Schäden in mehreren Gebäuden gekommen. Die Eigentümer seien darauf sitzen geblieben, schildert Janes Trawinski. Sie hätten zuvor den Zustand ihrer Häuser dokumentieren müssen, aber wer weiß das schon vorher?

Die Hofer Firma Auto Müller hat ihren Zeitplan etwas nach hinten verschoben, hält aber am Projekt uneingeschränkt fest: Für eine größere einstellige Millionensumme will das Unternehmen am Standort Oberlosa das Lkw-Mietgeschäft etablieren. In diesem Bereich "sind wir schon heute der größte Partner von Mercedes in Deutschland", betont Inhaber Alexander Müller. Außerdem entstehen Werkstatt und Verkauf nach aktuellen Mercedes-Standards neu, alles in allem seien 70 Arbeitsplätze geplant. Noch 2021 hofft er Baurecht für das 48.000 Quadratmeter große Areal zu erlangen. Müller rechnet mit 20 Monaten Bauzeit und Eröffnung bis Ende 2023.

Von der Vorgeschichte um Gebäudeschäden habe er nichts gewusst, sagte Alexander Müller am Donnerstag zur "Freien Presse". Nach Rücksprache mit der beauftragten Baufirma erklärte der Unternehmer: "Nach heutigem Stand gehen wir davon aus, dass der Fels mit Presslufthammer oder Specht abgetragen wird." (Specht: ein Minibagger mit Hydraulikhammer). Trotz enormer Bodenbewegungen, die erforderlich sind, sei mit massivem Fels in geringerem Umfang zu rechnen. Bei früheren Erschließungsarbeiten in Oberlosa sei das anders gewesen. Dort habe "eine Felsnase" in den Bereich hineingeragt.

Mit der jetzt beginnenden zweiten Auslegung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans "werden wir alle vorgebrachten Einwände gründlich abarbeiten", verspricht Müller den Oberlosaern. Der Investor attestiert den Fachbehörden der Stadt Plauen und des Vogtlandkreises "eine gute Zusammenarbeit". Bei den Konflikten zwischen Stadt und Ortsteil sieht er eine "erhöhte Sensibilität". Er versuche mit größtmöglicher Offenheit vorzugehen.

Die Stadtverwaltung bestätigt, dass es laut Gutachten teils in nur zwei Meter Tiefe Fels gibt. "Kein Mensch weiß, wie viel und wie massiv", räumt Baubürgermeisterin Kerstin Wolf (parteilos) ein. Auch sie setzt, ebenso wie der Investor, auf mechanische Verfahren, und betont zugleich die Bedeutung solcher Investitionen für Plauen. Falls derlei Technik nicht reiche, kämen Lockerungssprengungen in Betracht. Die Landesdirektion Sachsen müsste diese genehmigen. In ihren 26 Dienstjahren könne sie sich allerdings nur an einen solchen Fall erinnern, von Sprengschäden in Oberlosa höre sie erstmals überhaupt.

Um aufkommenden Befürchtungen entgegenzutreten, bot Wolf am Donnerstag spontan an: "Falls gewünscht, stehe ich dem Ortschaftsrat nochmals Rede und Antwort." Dann könne man über Altschäden und aktuelle Szenarien reden.

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22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    4
    Würger
    23.04.2021

    Ich freue mich auf die kommende Erschließung des Gewerbegebietes und fühle mich beim Anblick der neuen Infrastruktur und Gebäude pudelwohl. Für mich ist das ein Zugewinn für die Stadt Plauen. Mehr davon !

  • 9
    8
    DerFrank
    23.04.2021

    Man kann nur hoffen, das dieses Irrsinns Projekt, doch noch gestoppt werden kann!!!