Mit dem Goldfaden nach Plauen

Galina Maksimenko arbeitete schon für den "roten Dior" Slawa Saizew - ein namhafter russischer Designer. Jetzt wohnt die junge Russin in Plauen.

Plauen.

Etwas schüchtern, aber aufrichtig lächelt Galina Maksimenko. Die junge Russin ist erst seit Kurzem in Deutschland. Bisher wohnte sie in der Nähe von Moskau und wurde jetzt von ihrem Mann, der schon viele Jahre in Deutschland arbeitet, nach Plauen geholt. Wie viele andere muss auch Galina erst einmal die deutsche Sprache lernen, einen Kurs besuchen.

Als sie ihren Namen schreibt, verwendet sie automatisch die kyrillischen Buchstaben und wird sofort von ihrem Gatten daran erinnert, ihren Namen doch mit lateinischen Buchstaben zu schreiben. Das Leben der 43-Jährigen wird gerade komplett umgekrempelt. Galina weiß das und nimmt selbstbewusst die Herausforderung an. Denn schließlich hat sie in Russland nicht nur eine hochwertige Ausbildung an einer Kunststickereihochschule absolviert, sondern auch viele Jahre erfolgreich als Handstickerin, unter anderem für namhafte russische Designer wie Slawa Saizew, den "roten Dior", oder Valentin Yudashkin gearbeitet.

"Für so ein Designerkleid braucht eine Handstickerin ein bis zwei Monate", erzählt Galina Maksimenko und zeigt auf dem Tablet ein von ihr genähtes und von Saizew entworfenes prunkvolles Designerkleid. "Die wenigsten können sich so etwas leisten und nach der Krise in Russland waren es noch weniger. Die Aufträge gingen zurück", erinnert sich die junge Russin. Trotzdem sei die Handstickerei in ihrem Land noch weiter verbreitet als in Deutschland. Dass es Galina ausgerechnet nach Plauen verschlagen hat, in ein Gebiet mit vielfältiger Textilgeschichte, empfindet sie als interessant und bereichernd. Sollte sich hier gar noch ein neues Tätigkeitsfeld für sie finden, wäre Galina glücklich. Schließlich schlägt ihr Herz ganz und gar für die Stickerei.

Liebevoll streicht sie die flexiblen Goldfäden, mit denen sie am liebsten stickt. 15 Jahre lang hat sie in der Nähe von Moskau für das Patriarchat der orthodoxen Kirche Russlands gearbeitet und Gewänder für hohe kirchliche Würdenträger gestickt. Goldstickerei, Weißstickerei, Gobelin, Richelieu - Galina Maksimenko beherrscht all diese Stickarten. "Selbst auf alten Maschinen haben wir in der Ausbildung gestickt. Sollte sich da etwa in Plauen finden, wäre das auch total in Ordnung", hofft sie. Um die Textiltradition ihrer neuen Wahlheimat kennen zu lernen, besuchte Galina mit ihrem Mann schon gleich zu Beginn die Schaustickerei. Interessant finden beide auch, dass es ein Spitzenmuseum im städtischen Rathaus gibt.

Und obwohl Galina nicht zu den klassischen russlanddeutschen Familien in Plauen gehört, so kann doch auch sie beim heutigen Begegnungstag, zu dem die evangelisch-lutherische Landeskirche einlädt, dabei sein. Los geht es 10 Uhr mit einer Andacht in der Johanniskirche. Ab 11 Uhr gibt es eine Festveranstaltung im Malzhaus und danach stehen Tanz und Musik auf dem Altmarkt an.

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