Mit Promi-Status in den neuen Kreistag

Ein früherer Fußball-Profi kandidiert, Sängerinnen und viele, die in der Politik Karriere gemacht haben. Schwergewichte treten ab.

Plauen.

Mit bekannten Namen lassen sich gute Wahlergebnisse erzielen. Unter den 357 Bewerbern, die sich am 26. Mai bei den Kommunalwahlen um die 86 Mandate für den Kreistag des Vogtlandkreises bemühen, ist einiges an lokaler Prominenz versammelt - nicht nur aus der Politik, sondern auch aus Bereichen wie Sport und Kultur.

Die CDU, mit 33 Kreistagsmandaten der Platzhirsch im Kreistag, fällt durch Frauenpower im Wahlkreis 6 auf. Für die Union kandidieren dort die Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas und Sängerin Silke Fischer. Einen gewissen Promistatus unter den 58 CDU-Kandidaten genießen auch Stefan Fraas als Intendant der Vogtland Philharmonie oder Lutz Kowalzick, Chefarzt im Helios Vogtland Klinikum Plauen. Manch kommunalpolitisches Schwergewicht tritt indes nicht mehr zur Wahl an: Auerbachs langjähriger Oberbürgermeister Johannes Graupner hört auf, sein Falkensteiner Amtskollege Arndt Rauchalles ebenso.

Auf gestandenes Personal und wenige junge Hoffnungsträger setzt Die Linke bei ihren 36 Kandidaten. Auffälligste Personalie dort dürfte der ehemalige Piraten-Politiker Kai Grünler aus Plauen sein.

Die SPD will mit ihren Spitzenleuten in den Kreistag. Sowohl der Unterbezirksvorsitzende Kay Burmeister aus Adorf, als auch die Plauener Landtagsabgeordnete Juliane Pfeil-Zabel treten in ihren Wahlkreisen als Spitzenkandidaten an. Zugleich setzt die SPD auf bekannte Namen: Der Ex-Chef der Plauener Wohnungsbaugesellschaft, Hellfried Unglaub, kandidiert, auch der ehemalige Zwickauer IG-Metall-Chef Stefan Kademann. Lutz Kätzel, langjähriger Chef der Kreistagsfraktion, tritt indes nicht mehr an.

Auf sein Comeback hofft der ehemalige FDP-Kreisvorsitzende Martin Treeck. Die Liberalen haben 60 Kandidaten nominiert, die zweitgrößte Mannschaft aller Parteien. Erstmals wollen auch die Bürgermeister Sandro Bauroth (Elsterberg) und Daniela Hommel-Kreißl (Pöhl) in den Kreistag einziehen.

Wie immer auffällig unauffällig sieht es bei den Freien Wählern aus. Auf ihrer Liste stehen insbesondere Verwaltungsleute. Elsterbergs Ex-Bürgermeister Volker Jenennchen plant seine Rückkehr in die Politik als Freie-Wähler-Kandidat.

Im Umbruch stecken die Grünen. Ihr Frontmann Dieter Rappenhöner verabschiedet sich aus der Kommunalpolitik. Auffälligste Neue unter den 13 Kandidaten der Grünen dürfte Landwirtin Manja Tröger sein. Seit einem Großbrand 2007 in Schneidenbach liegt sie mit der kreiseigenen Müllfirma Glitzner im Streit und hat einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt.

Während die AfD zuletzt vor allem durch Querelen und Dauerstreit auffiel, sorgt die DSU - bislang in einer Fraktionsgemeinschaft mit der AfD - für einige Paukenschläge. So hat die DSU den ehemaligen Fußballprofi Stefan Persigehl als Bewerber gewonnen. Auch Theumas Ex-Bürgermeister, der Liberale Ulrich Riedel, und Sängerin Jana Thiele stehen auf der DSU-Liste. Und der AfD-Abtrünnige Thomas Schädlich.

Völlig in der Versenkung verschwunden ist die NPD, die 2014 drei Mandate holen konnte, im Kreistag aber nicht durch parlamentarischen Fleiß auffiel. Ihre politische Nachfolge antreten will die ebenfalls rechtsextremistische Partei Der Dritte Weg. Sie schickt in insgesamt neun Wahlkreisen jeweils einen Bewerber ins Rennen, angeführt durch den einschlägig bekannten Neonazi Tony Gentsch.

Ein Kapitel für sich: 23 aktive und elf ehemalige Bürgermeister streben Kreistagsmandate an. Auch sie sind sozusagen lokale Promis.

Zwischen dem ältesten und jüngsten Kandidaten liegen 54 Jahre Lebenserfahrung. Erst seit kurzem volljährig sind Max Büttner und Jeremy Ziron, beide Jahrgang 2000. Der Theumaer Azubi Büttner kandidiert für die SPD, der Klingenthaler Ziron, von Beruf Geschäftsführer, für die FDP. Dass man auch jenseits der 80 ein politisches Amt anstreben kann, beweist Wolfgang Berger, Jahrgang 1936. Der Auerbacher Rentner steht auf der DSU-Liste.

Einziger Adliger im Kreistag war Benno von Römer (CDU). Der Neumarker kandidiert nicht wieder.


Fußballer will in die Politik

Stefan Persigehl (57), ehemaliger Fußballprofi und Trainer, kandidiert erstmals für den Kreistag. Der Versicherungsfachmann tritt für die DSU an.

Herr Persigehl, die Vogtländer kennen Sie als Fußballer und als Trainer. Sie haben für Hansa Rostock in der Bundesliga gekickt, waren für Wismut Aue und weitere Vereine als Spieler tätig, waren Trainer beim VFC Plauen und beim Reichenbacher FC. Und, und und. Nun zieht es Sie in die Politik?

Auf die Zeit im Fußball bilde ich mir nichts ein. Ich war immer bodenständig und werde es auch bleiben. Ja, ich engagiere mich jetzt erstmals auch in der Politik.

Ihre Kandidatur für den Kreistag ist ein Paukenschlag. Wieso dieser Schritt zu diesem Zeitpunkt?

Jetzt bin ich 57 Jahre alt. Politisch hatte ich mich bisher immer bedeckt gehalten. Falls ich gewählt werde, lässt sich das für mich nun auch zeitlich gut einrichten. Mein Engagement im Fußball habe ich reduziert.

Wie kam die Entscheidung für die DSU zustande?

Roberto Rink (der DSU-Parteivorsitzende/Anm. der Red.) kam auf mich zu. Wir haben uns über Werte und Ziele unterhalten. Die Entscheidung zur Kandidatur fiel dann rasch.

Die DSU ist eine konservative Kleinpartei. Ist das Ihr Ding?

Als Sportler und Trainer habe ich immer für Werte wie Fleiß, Redlichkeit und Zuverlässigkeit gestanden. Und diese Eigenschaften habe ich auch stets versucht, an andere zu vermitteln. Es geht mir auch darum, Werte der Umbruchzeit 1989 zu bewahren und die DDR-Zeit ohne Schwarz-Weiß-Malerei zu sehen. ur

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