Model aus Syrien sorgt für Furore

Wehmut war zur letzten Modenschau in Pausa zu spüren. Aber es wurde auch gestaunt, geklatscht und gelacht.

Pausa.

Es war die letzte Modenschau, welche der Verein Arbeitsloseninitiative Sachsen (Ali) mit Sitz in Pausa auf die Beine stellte. Damit endete nach 23 Jahren eine lange Tradition. Jedes Frühjahr und jeden Herbst hatte Konstanze Schumann mit ihrem Team einen Nachmittag organisiert, bei welchem stets neue Mode im Mittelpunkt stand. Dabei ging es Schumann aber eigentlich um viel mehr: "Wir wollten den Handel und die Gewerbetreibenden in der Stadt stärken", so Schumann. Doch von einst mehreren Textilgeschäften gibt es mittlerweile in Pausa keines mehr. "Wir haben es nicht geschafft, die Schließungen der Geschäfte zu verhindern."

Die 13 Tische im Rathaussaal waren am Samstag nochmals voll besetzt und wohl alle fanden es schade, dass die Modenschau-Ära endet. "Wir waren einige Male da. Ich bin froh, dass wir heute nochmal hier sind", sagte Besucherin Karla Winkelmann aus Zeulenroda. Und Renate Dietzel aus Pausa meinte: "Es ist schon bedauerlich, dass es die letzte Modenschau war. Es war immer schön." Wehmut kam auch bei Konstanze Schumann auf: "Ich bin dankbar für alle, die uns unterstützt haben. Ich bin aber auch traurig, dass kein Vertreter vom Stadtrat da war, denn unser Engagement war immer für unsere Stadt." Dennoch hoffe sie, dass der neue Stadtrat ein offenes Ohr für den Handel und das Gewerbe in Pausa habe. "Gerade diese sind doch so wichtig für das soziale Gefüge und den Reiz einer Kleinstadt."

Besonderen Dank richtete die Ali-Geschäftsführerin an Waltraud Ebert, ehemalige Gleichstellungsbeauftragte des Landratsamtes in Plauen. "Sie hatte die Idee der Modenschauen für ihre Seniorenbetreuer an uns getragen." Zur letzten Modenschau in Pausa saß Waltraud Ebert nun unter den Besuchern und erinnerte sich an die Zeit nach der Wende, als viele Frauen ihren Arbeitsplatz insbesondere durch den Zusammenbruch der Textindustrie verloren. "Wir wollten damals die Frauen motivieren, ihnen in ihrer schwierigen Situation beistehen." Die Ali war die erste Fraueninitiative, die damals ins Leben gerufen wurde. Ebert setzte sich für den Verein ein, fuhr mit Schumann damals nach Dresden ins Ministerium.

War es damals die Arbeitslosigkeit der Menschen, ist es heute die Integrationsarbeit für Flüchtlinge, für die sich der Verein einsetzt. Etwa wenn Menschen aus Syrien bei der Tafel in Plauen tätig sind, vor allem auch Frauen. Wie etwa Rihman Nasser, eine junge Frau, die am Samstag mit ihrem Ehemann und Freundinnen bei der Modenschau dabei war. Denn Rihman strahlte als Model auf dem Laufsteg, zeigte tolle Mode. "Wir haben sie einfach gefragt, ob sie als Model mitmachen will, und sie hat gleich zugesagt", meinte Schumann. So funktioniere Integration. Auch sonst war die letzte Modenschau ein Augenschmaus.

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