Nach Notre-Dame: Wie brandsicher sind die Kirchen?

Die Katastrophe von Paris und ihre Folgen: Auch im Vogtland schauen Verantwortliche mit einem kritischen Blick auf die historischen Gebäude. Wie steht es um deren Brandschutz?

Plauen.

Eine schlaflose Nacht hat der Plauener Pfarrer Hans-Jörg Rummel nach den Nachrichten von dem Großbrand der Pariser Kathedrale Notre-Dame verbracht: "Ich habe daran gedacht, wie es bei uns in der Johanniskirche um den Brandschutz bestellt ist." Sein Fazit: "Eigentlich gut. Aber wenn - aus welchen Gründen auch immer - ein Brand im Turm ausbricht, wird das trockene Holz dort wie Zunder lodern", ahnt Rummel nun.

Die Bilder des zerstörten Gotteshauses in Paris haben ihn an St. Johannis erinnert, sagt der Pfarrer. Die größte Kirche Plauens sah nach dem Zweiten Weltkrieg ähnlich aus. Eine Kuppel der Doppeltürme war zerstört. An einen Brand in jüngerer Vergangenheit kann sich Rummel nicht erinnern, wohl aber an einen folgenreichen Streich mit einem Feuerlöscher. Jugendliche hatten 2015 den Innenraum der Kirche in weißen Nebel gehüllt und dadurch mehr als 10.000 Euro Schaden verursacht. Älteste Teile der Kirche stammen wie bei der Notre-Dame aus der Gotik. "Der Dachstuhl wenigstens ist seit dem Wiederaufbau aus Metall", so Rummel. Gesehen hat er die Kathedrale 1990, als er mit Ehefrau Beatrice im Trabant in Paris war.

Torsten Kleditzsch

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Der höchste Kirchturm des Vogtlandes steht in Oelsnitz. Wie löscht man, wenn der brennt? Diese Frage hat die Oelsnitzer Feuerwehr bereits vor Jahren mit einer Übung beantwortet, sagt Stadtwehrleiter Jens Jacob. Die Doppeltürme der Jakobi-kirche sind 73,5 Meter hoch, die Drehleiter der Plauener Feuerwehr als höchste im Umfeld misst aber nur 37 Meter. Würde einer der Türme in Flammen stehen, will die Feuerwehr vom jeweils anderen aus löschen. "Wir haben es ausprobiert: Der Wasserstrahl reicht bis zur Turmspitze", sagt Jacob. Das Ganze funktioniere freilich nur, wenn ein Turm noch unversehrt ist. "Das Wichtigste ist daher, ein Feuer so früh wie möglich zu erkennen", sagt er. Auf Schloss Voigtsberg, ebenfalls ein historisches Gebäude im Einzugsgebiet seiner Wehr, wurde deshalb eine vollautomatische Brandmeldeanlage installiert. Springt ein Rauchmelder an, geht der Notruf in die Rettungsleitstelle. Zeitnahes Eingreifen sei auf Voigtsberg wichtig, sagt Jacob. Denn mit der Drehleiter ist nicht jede Ecke im verwinkelten Schlossgelände erreichbar. Welche Wege die Wehr im Notfall nehmen kann, sei ebenfalls geübt worden.

Bei der Sanierung der Auerbacher Stadtkirche St. Laurentius vor 17Jahren wurde die komplette Elektroanlage erneuert. Bei der Planung spielten brandschutztechnische Aspekte eine große Rolle, erinnert sich Kirchnerin Karin Klein. "Beispielsweise haben wir überall Feuerlöscher installiert, die regelmäßig gewartet werden", sagt sie. Vor acht Jahren, als ein Blitz in den Kirchturm einschlug, habe man Glück gehabt: Damals wurde nur das Geläut in Mitleidenschaft gezogen.

Laut Mario Wetzstein, Vizechef der Berufsfeuerwehr in Plauen, sind Kirchen in Sachsen als Sonderbauten eingestuft. Brandmeldeanlagen seien dafür üblich. Seit 2016 sind zudem regelmäßige Brandverhütungsschauen empfohlen. Erst im Vorjahr gab es eine davon für das größte Reichenbacher Gotteshaus, die Peter-und-Paul-Kirche. "Gefährdungsbeurteilung" heißt das im Amtsdeutsch. Als die Bilder der brennenden Kirche in Paris auf den Bildschirmen auftauchten, dachte Pfarrer Andreas Alders schuldbewusst an den Dachstuhl seiner Peter-und-Paul-Kirche: "Mir ist eingefallen, dass ich dort persönlich schon viel zu lange nicht mehr nach dem Rechten gesehen habe", so der Geistliche. Nicht, dass er dort akute Gefahr vermutet. Doch das Thema Sicherheit bekommt eine andere Bedeutung, wenn man Verantwortung für eine Kirche trägt - vor allem, wenn dort erst kürzlich eine neue Heizungsanlage eingebaut wurde. Doch Pfarrer Alders vertraut auch auf die Fachkenntnis der Experten: Auf ihren Rat hin werden dieses Jahr beispielsweise Brandschutztüren in sein zweites Gotteshaus eingebaut: die Trinitatiskirche. (sasch/how/tb/nie)

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