Neonazis marschieren am 1. Mai in Plauen auf

Runder Tisch und Anwohner rufen zu Gegenkundgebungen auf

Plauen.

Anwohner des Wartburgplatzes in Plauen sind entsetzt: Am 1. Mai soll ihr Wohngebiet Aufmarschort von Mitgliedern der rechtsextremen Partei Der Dritte Weg und weiterer Neonazis werden, die von dort aus durch die Stadt und zurück marschieren. Angemeldet sind 300 Teilnehmer, angeblich werden deutlich mehr erwartet.

Die Anwohner wollen sich das nicht gefallen lassen. Sie haben Widerstand verabredet: "Wir sind total dagegen und werden das sichtbar zum Ausdruck bringen", sagt Marianne Adler, eine von ihnen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es nicht helfe, den Spuk zu ignorieren. Die Anwohner des Wartburgplatzes wissen weitere Mitstreiter an ihrer Seite. Unterstützung erhalten sie durch den Runden Tisch für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage im Vogtland, die Markuskirchgemeinde und demokratische Kräfte. Sie rufen für den Tag zu Friedensandachten, Gegenkundgebungen und anderen Aktionen auf. Geplant ist ein Musikfestival auf dem Albertplatz, an dem ab 13 Uhr unter anderem Dirk Zöllners Fünf und die jüngst beim Folkherbst gastierende Formation Banda Internationale teilnehmen. Zuvor hält der Deutsche Gewerkschafts-Bund ab 10 Uhr sein Fest zum 1. Mai dort ab. In der Markuskirche beginnt der Tag 10Uhr mit einer Friedensandacht. Danach findet unter dem Motto "Haselbrunn statt Hasselbraun" ein Gespräch zu Demokratie, Toleranz und Ursachen von Extremismus statt.

Torsten Kleditzsch

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Die Akteure laden Vogtländer bereits jetzt dazu ein, Gesicht gegen die Ewiggestrigen zu zeigen. Ein im Internet kursierendes Mobilisierungsvideo des Dritten Weges offenbare, welch unselige Zeit sich diese Partei zurückwünsche und dass sie nicht für die 1989 erkämpfte Demokratie stehe. Pfarrer Hans-Jörg Rummel: "Es ist notwendig zu sagen: Nicht mit uns und nicht hier."

Ulrike Liebscher vom Runden Tisch hat Bilder von 2016 noch im Kopf, als es zu Ausschreitungen kam und die Polizei Wasserwerfer gegen die Neonazis einsetzte. Keiner möge sich von den damaligen Ereignissen abschrecken lassen, appelliert sie und versichert: "Wir sprechen die Mitte der Gesellschaft an. Wir schaffen die Plattform, dass jeder seinen Protest zeigen kann." In Plauen gebe es weder "gefährliche Linke" noch eine gewalttätige autonome Szene.

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