Nur trockener Müll stinkt nicht mehr zum Himmel

Unser Reporter scheut keine Anstrengung, um Dingen in Plauen und Umgebung auf den Grund zu gehen. Heute: Die Müllverarbeitung in Oelsnitz.

Oelsnitz.

Das mit dem Vortrenner klingt spannend. "Hier werden die großen und die kleinen Müllstücke separiert", sagt Uwe Schink, Geschäftsführer der Kreisentsorgungs GmbH Vogtland (KEV). "Es ist eine große, sich drehende Trommel. An der Seitenwand sind Löcher, durch die die kleinen Bestandteile herausfallen. Die großen passen nicht hindurch." Also sieht der Vortrenner wohl ein bisschen so aus wie eine XXL-Waschmaschinentrommel. Genau kann man es nicht sagen. Das gute Stück ist eingekapselt. Genau wie die meisten Maschinen bei der KEV in Oelsnitz.

Es gibt aber auch so genug Spannendes zu sehen - und aufzuschreiben. Wir greifen damit den Vorschlag eines Lesers auf. Seine Idee: Man könne doch innerhalb der Serie "Gunter guckt drunter" darüber berichten, was mit den jährlich rund 33.300 Tonnen Restmüll geschieht, nachdem ihn die vogtländischen Müllautos nach ihrer Tour im Wertstoffhof ausgespuckt haben. Das machen wir doch glatt.

Zwei Dinge fallen sofort ins Auge - beziehungsweise fahren in den Nase: Da sind zum einen die vielen Transportbänder, über die der Restmüll von einer Bearbeitungsstufe zur nächsten transportiert wird. Und da ist der faulige Geruch, der durch die Hallen wabert. Ob man sich daran gewöhnt, wenn man länger hier ist? "Nein", sagt Mitarbeiter Reiner Schäfer. "Unangenehm bleibt es immer. Aber es gehört halt dazu."

Doch der Gestank nimmt deutlich ab, sobald der Restmüll die entscheidende Bearbeitungsstufe hinter sich hat: die Verrottung. Zuvor hat der Abfall den Vortrenner sowie einen großen Magneten passiert, die Batterien, Dosen, Kronkorken und andere Gegenstände aus Eisen herausfischen. Der Rest - Fetzen von Plastetüten, angegammelte Lebensmittelreste, zerbrochene Gläser und vieles mehr - landet in 100 großen grünen Containern, die draußen im Hof stehen. In ihnen wird es mächtig heiß, weil all die organischen Stoffe verrotten. "Zehn bis elf Tage bleibt der Müll in den Behältern", berichtet Geschäftsführer Schink. "Wenn die Temperatur auf 40 Grad gesunken ist, beenden wir die Verrottung. Das Volumen hat dann um rund 30 Prozent abgenommen."

Das liegt unter anderem daran, dass ein großer Teil der Feuchtigkeit verloren gegangen ist. In diesem trockenen Klima können sich die Mikroorganismen nicht mehr vermehren, die für das Verrotten zuständig sind. Wenn man jetzt eine Handvoll des Restmülls in die Hand nimmt, fällt auf, wie leicht er geworden ist. Und der Geruch ist - wie erwähnt - deutlich angenehmer geworden.

Am Ziel ist der Müll aber noch nicht. Er kehrt auf die Förderbänder zurück und wird im Schwingsieb ordentlich durchgerüttelt. Der ist eingekapselt, es gibt also wieder nichts zu sehen. Es muss sich aber um eine Art überdimensionales Puderzuckersieb handeln. Nur dass er natürlich keinen Kuchen verziert, sondern die großen von der kleinen Müllpartikeln separiert. Ein Gebläse trennt anschließend die leichten von den schweren Teilen.

Und was macht man mit dem trockenen, annähernd wohlduftenden Müll? "Verfeuern", sagt Uwe Schink. Kompostierte Essensreste, zerrissene Plastetütenreste und Co. ergeben nämlich einen prima Brennstoff, der fast den Heizwert von Braunkohle erreicht. Die kleineren Müllteile, die durchs Sieb gefallen sind, heizen dagegen weniger ein. Verwendet wird der getrocknete vogtländische Restmüll laut Betriebsstättenleiter Michael Weinert letztendlich zu der Strom- und Dampferzeugung.

Hinter Welche Kulissen soll Gunter als nächstes schauen, welchen Dingen soll er auf den Grund gehen? Ihre Hinweise und Wünsche für die Serie bitte an die Lokalredaktion Plauen, Postplatz 7, oder per E-Mail an die Adresse red.plauen@freiepresse.de. Bitte Ihre Telefonnummer für eine Rückrufmöglichkeit sowie das Stichwort nicht vergessen: "Gunter guckt drunter".

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