Pfarrer: Leser, helft Haselbrunn!

Damit Haselbrunn nicht zur Bronx von Plauen wird: Ein Pfarrer und ein Sozialarbeiter wollen den Stadtteil aufpolieren, in dem viele Arme leben. Sie planen eine mobile Mitmachwerkstatt. Auch das ist Selbsthilfe.

Plauen.

Andreas Vödisch hat das Wort Gottes im Kopf. "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Vödisch ist Pfarrer der Markuskirche in Haselbrunn, und dieser Gegend von Plauen wird mit Nächstenliebe nicht überschüttet. Wenn es Nachrichten von dort gibt, dann handeln sie meistens von Einbrüchen, Armut oder anderen sozialen Problemen, mit denen dieses Stadtviertel zu kämpfen hat.

Doch es gibt Menschen und Einrichtungen, die dieser Entwicklung nicht tatenlos zuschauen wollen. Im Keller der Markuskirche existiert bereits ein Kinder- und Jugendclub, der Markuskeller. Der richtet sich vor allem an junge Leute im Alter zwischen 10 und 18 Jahren aus dem Stadtviertel. Sozialarbeiter Benjamin Olsson hilft den jungen Haselbrunnern beim Erwachsenwerden. Mitunter spricht er mit den jungen Leuten aber auch darüber, wie sie mit Problemen in der Familie oder mit Freunden umgehen sollten.

Olsson will zusammen mit Pfarrer Vödisch noch mehr machen für Haselbrunn. Sie wollen einen Autoanhänger kaufen, ihn mit Werkzeug bestücken und das Ganze als mobile Stadtteilwerkstatt bewirtschaften. Dass jeder dort sein Fahrrad flicken kann, ist nur ein Bruchteil dessen, was die beiden wollen. "Wir arbeiten für unsere Werte. Dafür, wie wir als Menschen zusammenleben wollen", sagt Olsson.

Andreas Vödisch, Kopf des Projekts, sprüht vor Ideen. Er erzählt von den Holzstühlen, die die Stadt ihm für den Markuskirchpark hinter dem Kaufland gegeben hatte. Nach einer Woche fehlten mehrere Latten an den Stühlen. Vödisch meldete den Schaden der Stadt, die Stadt schickte den Bauhof, der Bauhof reparierte. In Zukunft sollen solche Sachen zusammen mit den Jugendlichen in der mobilen Werkstatt hergerichtet werden. "Wir wollen ihnen vorleben, dass wir Verantwortung für den Stadtteil übernehmen."

Es geht um Identität, um Wertschätzung. Man könnte an dieser Stelle anmerken, dass es nicht Aufgabe der Kommune ist, kaputtes Allgemeingut zu reparieren und fehlende Latten anzuschrauben. Auf diesen Einwand reagierte der Pfarrer allergisch: "Wir können nicht alles auf die Kommune schieben. Wenn wir das als kommunale Aufgabe sehen, landen wir in der Frustspirale, die schon da ist!" Die Menschen sollen lernen, selbst etwas zu tun für ihren Stadtteil. Und wenn man dieses Gefühl der Verantwortlichkeit schon bei jungen Menschen erzeugen kann, ist das für die Zukunft umso besser.

Die Mitmachwerkstatt ist wie das Gleichnis des Saatkorns. "Vielleicht springen noch andere auf und haben Ideen", sagt der Pfarrer. Er möchte mit Handwerkern zusammenarbeiten. Ein Tischler habe schon Interesse gezeigt. Er könnte der Haselbrunner Jugend in der Mitmachwerkstatt zeigen, wie man eine Bank baut.

In dem Projekt kooperiert die Kirchgemeinde mit der Diakonie, denn die Diakonie betreibt den Markuskeller. Die Werkstatt soll zum Anlaufpunkt werden, um zu tüfteln, sich auszutauschen, zusammenzukommen. "Vielleicht ist das ein Wink des Himmels", sagt Vödisch.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...