Plädoyer für mehr Industrie: Für jeden Euro fließen zehn zurück

Plauen will 11,6 Millionen Euro in das umstrittene Projekt Oberlosa "Teil 1" stecken. Neue Investoren sollen her. Bewegung gibt's nun auch in Kauschwitz.

Plauen.

Der Plauener Wirtschaftsförderer Eckhard Sorger hat ein Plädoyer für die Erschließung von Gewerbestandorten gehalten. Zwar habe die Stadt bisher für den Industrie- und Gewerbestandort Oberlosa rund 14 Millionen Euro ausgegeben, jedoch bringe jeder Euro etwa das Zehnfache an Investitionen. Sorger sprach im Wirtschaftsförderungsausschuss von bisher 140 Millionen Euro, die Unternehmen im "Industrie- und Gewerbegebiet Plauen-Oberlosa Teil 2a" investiert haben, von 740 dort entstandenen Arbeitsplätzen und von diversen Steuereinnahmen, von denen die Stadt und ihre Bürger profitieren.

In der ersten Sitzung des nach der Stadtratswahl neu besetzten Wirtschaftsförderungsausschusses am 28. Oktober im Rathaus räumte Sorger, ohne auf die Gegenwehr erheblicher Teile der Bürgerschaft näher einzugehen, Probleme bei der weiteren Erschließung in Oberlosa ein. "Die Verfahren sind sehr, sehr langwierig", erklärte der Wirtschaftsförderer unter Hinweis auf den als "Teil 1" ausgewiesenen Standort südlich von Oberlosa bis zur Autobahnanschlussstelle Plauen-Süd.

Sorger übersprang sozusagen diesen "Teil 1" und plädierte dafür, bereits jetzt die Planungen für das Teilgebiet 2b zu beginnen: Das ist jenes Areal nördlich der bisherigen Industrieansiedlung 2a und liegt an der A 72 in Richtung Stöckigt. Die Stadtverwaltung möchte für das nächste Jahr 70.000 Euro für die dortigen Planungen bewilligt bekommen. Und bereits 2021 sollen, so steht es im Haushaltsplanentwurf, 531.000 Euro für den Flächenkauf fließen.

Die Stadtverwaltung geht ferner davon aus, das heiß umstrittene Areal "Teil 1" in den Jahren 2020 bis 2022 erschließen zu können. Ein vom Wirtschaftsförderer vorgelegter Zeitplan sieht für Baumaßnahmen in diesem Zeitraum 11,6 Millionen Euro vor. 4,05 Millionen Euro sind für 2020 geplant, 4,2 Millionen Euro 2021 und 3,33 Millionen Euro im Jahr 2022. Der Betrag für 2020 steht so auch im Plauener Haushaltsplan-Entwurf. Allerdings standen jene 4,05 Millionen Euro bereits im Etat 2019. Doch weil der Stadt eisiger Wind aus Oberlosa entgegenweht, musste die Summe auf Eis gelegt und ins Folgejahr verschoben werden.

Bewegung gibt es offenbar wieder am erhofften Vorsorgestandort an der Schöpsdrehe in Kauschwitz. Eckhard Sorger kündigte an, dass jenes Gebiet nun voraussichtlich doch in den Regionalplan aufgenommen wird. Die Stadt sei in Gesprächen mit dem Planungsverband Region Chemnitz. "Wir sind sehr zuversichtlich", erklärte Sorger.

Zuvor hatte es ein Gerangel um das Areal an der Bundesstraße 282 stadtauswärts auf der linken Seite gegeben. Plauen hatte ein Auge auf die große ebene Fläche geworfen, die eine große Ansiedlung möglich mache. Von 100 Hektar war schon die Rede, realistisch sind wohl 45.

Die Stadtverwaltung will im nächsten Jahr die Planungen für den Vorsorgestandort vorantreiben und setzt dafür 50.000 Euro an. Die Summe steht noch gar nicht im Etatentwurf. Das, so kündigte Kämmerin Ute Göbel in der Ausschusssitzung an, werde rasch nachgeholt.

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    Georges1952
    04.11.2019

    Na super, es geht einfach munter weiter drauf los. Allen Unkenrufen zum Trotz wird fleissig weiter zu betoniert! Da verkommt die FfF-Bewegung - leider - zur Lachnummer. Diesen Wachstums-Fetischisten ist mit nichts mehr beizukommen, nicht mal mit Appellen an deren Vernunft!

  • 5
    1
    Tauchsieder
    04.11.2019

    Eine typische "Milchmädchenrechnung" der Verwaltung. Diese Aussage des Hr. Sorger/der Stadt Plauen hört sich eher wie eine Drohung an. Auf dem Rücken der eingemeindeten Ortschaften kocht hier die Stadt ihr Süppchen. Hier findet eine gigantische Bodenversieglung statt. Wertvolle landwirtschaftliche Nutzfläche wird in Betonwüste verwandelt. Dies hat direkte Auswirkungen auf die angrenzenden Ortschaften und die unmittelbar betroffene Natur.
    Die Ortschaft Oberlosa wird zu einem Industriestandort mit Wohnbebauung verkommen. Und das Areal an der "Schöpsdrehe" würde sich unmittelbar zum FFH - und Vogelschutzgebiet "Kauchwitz-Syrauer Heide" befinden. Im ersten Fall wird schon geklagt und was das Areal bei Kauschwitz angeht wird sicherlich der Stadt durch die Naturschutzverbände ein straffer Wind ins Gesicht wehen. In einer ähnlichen Situation musste die Stadt Dresden vor dem EuGH schon viel Lehrgeld zahlen, dort hat man ähnliches versucht mit dem bekannten Ergebnis.
    Ausgeglichen können beide Maßnahmen nicht, so viel Ausgleichsflächen besitzt die Stadt gar nicht. Somit ist der Vernichtung von Naturflächen Tür und Tor geöffnet. Wenn sich schon die Stadt Plauen mit dem Klimawandel beschäftigt, dann sollte sie bei sich zuerst anfangen. Diese Flächen als CO²-Speicher zu erhalten wäre wichtig, anstatt das genaue Gegenteil zu machen.
    Wo bleibt hier der Aufschrei der "F. f. F."- Bewegung, hier kann man etwas vor seiner eigenen Haustür unternehmen und muss nicht erst sonst wohin gekarrt werden.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...