Plauen setzt Zeichen gegen Hass

Die Demonstrationen zum 1. Mai liefen friedlich. An der Pauluskirche läuteten zum Protest die Glocken, als der Dritte Weg vorbeimarschierte. Die rechtsextremistische Partei zündete Fackeln an.

Plauen.

Plauen liefert vom 1. Mai wieder Bilder, die bundesweit Aufmerksamkeit finden: von Rechtsextremisten, Gegendemonstranten und Polizisten, die beide Lager voneinander abschirmen. Bei ihrer Mai-Demo in Plauen vor drei Jahren trugen die meisten Mitläufer der rechtsextremistischen Kleinpartei Der Dritte Weg rote T-Shirts, diesmal waren sie beige-braun. Ganz vorn lief Parteichef Klaus Armstroff, dahinter bundesweit zusammengezogene Männer, einige Frauen, einige Vogtländer.

Drei Stunden zogen sie unter Polizeischutz durch Haselbrunn zur Pauluskirche und zurück zum Wartburgplatz. An den Kreuzungen standen Gegendemonstranten mit Trillerpfeifen. Die Versammlungsbehörde spricht von mehreren hundert Teilnehmern auf beiden Seiten. Laut Polizei nahmen insgesamt 1300 Personen teil.


SPD-Landeschef Martin Dulig und der Fraktionschef der Linken im Landtag, Rico Gebhardt, waren Gäste der Kundgebungen gegen Rechts. Dulig sagte, es sei für ihn als gebürtiger Plauener Ehrensache, die Stadt an so einem Tag zu unterstützen. Vereinzelt kam es am Straßenrand zu politischen Diskussionen. "Normalerweise müsste ganz Plauen auf der Straße sitzen", hörte man. Aber auch Sympathiebekundungen: "Ist nicht verkehrt, ein bisschen Opposition", so ein älterer Mann, der mit Limoflasche in der Hand zuschaute. Er stand am Wartburgplatz in Haselbrunn, wo der Dritte Weg mehrere Stände aufgebaut hatte und Kaffee, bunte Taschen und Werbeartikel verkaufte.

Überall an der Route der Rechtsextremisten tauchten Menschen auf und protestierten. Am Autohaus Voitel: Aus Musikboxen dröhnte der "Schrei nach Liebe" von den Ärzten gegen Parolen wie diese: "Illegale Ausländer raus. Und die anderen auch!" An der Pauluskirche begannen die Glocken zu läuten, als der Dritte Weg vorbeilief. So laut, dass man nichts mehr verstand. Ein paar Meter weiter oben am Kindergarten Pusteblume lief Herbert Grönemeyer in Konzertlautstärke. Dort putzte man zum 1. Mai die Fenster mit Musik. Am Albertplatz: ein Musikfestival mit Dirk Zöllner. Die Party hatte der Plauener Verein Colorido organisiert. Chefin Doritta Korte übermittelte von der Bühne Grüße des aus Plauen stammenden Schauspielers Kai Schumann und dessen Aufforderung: "Plauen, tanzt!"

Dort, wo die Martin-Luther-Straße die August-Bebel-Straße kreuzt, setzten sich Gegendemonstranten hin. Linken-Landtagsabgeordnete Janina Pfau wollte auch dahin, wurde aber von Polizisten nicht durchgelassen und mit der vorgehaltener Tränengasflasche gewarnt, besser stehen zu bleiben. Vielleicht ein Ausrutscher in der Deeskalationsstrategie der Polizei. "Wir wollen keine Bilder produzieren", erklärte Polizeisprecher Oliver Wurdak. Es sollte nicht mehr aus Plauen durch die sozialen Netzwerke geistern, als nötig ist. Wie schon vor drei Jahren hatte die Polizei zwei Wasserwerfer mitgebracht. Dieses Mal standen sie nicht direkt an der Demonstrantenroute, sondern abseits auf der Chamissostraße. Daneben, im Lessing-Gymnasium, lag der Verpflegungspunkt der Polizisten. Sie konnten dort essen und Toiletten nutzen. Mehrere Hundertschaften waren da. Aus Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin. Insgesamt 1300 Beamte.

"Wenn wir die Wasserwerfer bräuchten, wären sie sofort da", sagte Wurdak. Es ging um die Außenwirkung, die Kraft der Bilder. Aus mehreren Bundesländern waren Fotografen und Presseagenturen angereist. Schon am frühen Nachmittag ging die Nachricht vom "Rechtsextremistischen Fackelmarsch" aus Plauen durchs Internet. Der Dritte Weg hatte bengalische Fackeln angezündet, als er auf dem Wartburgplatz loslief.

Diese Pyrotechnik hatte ihnen die Versammlungsbehörde im Landratsamt erlaubt. 16 Fackeln waren gestattet, 14 konnte er zählen, sagt Landratsamtssprecher Uwe Heinl. Später konnte man im Internet nachlesen, dass sich daran viele störten: An dieser Erlaubnis, Bilder mit brennenden Fackeln und grünem Rauch zu erzeugen, die jetzt herumgeistern.

Zahlreiche Plauener äußerten auch Unverständnis über ihre gestörte Feiertagsruhe. "Dieser Hubschrauber nervt", hieß es. Ein Polizeihubschrauber beobachtete den dreistündigen Spuk von oben.

Wie viele Einheimische beim Dritten Weg dabei waren, werde von den Behörden noch analysiert. Beobachtern zufolge kamen die meisten von auswärts. Erst tanzten sie Polka auf dem Wartburgplatz, dann marschierten sie im Rhythmus von Trommelschlägen.

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    3
    Distelblüte
    02.05.2019

    "Wenn sie jetzt ganz unverhohlen
    Wieder Nazi-Lieder johlen,
    Über Juden Witze machen,
    Über Menschenrechte lachen,
    Wenn sie dann in lauten Tönen
    Saufend ihrer Dummheit frönen,
    Denn am Deutschen hinterm Tresen
    Muss nun mal die Welt genesen,
    Dann steh auf und misch dich ein:
    Sage nein!

    Meistens rückt dann ein Herr Wichtig
    Die Geschichte wieder richtig,
    Faselt von der Auschwitzlüge,
    Leider kennt man's zur Genüge
    Mach dich stark und misch dich ein,
    Zeig es diesem dummen Schwein
    Sage nein!

    Ob als Penner oder Sänger,
    Banker oder Müßiggänger,
    Ob als Priester oder Lehrer,
    Hausfrau oder Straßenkehrer,
    Ob du sechs bist oder hundert,
    Sei nicht nur erschreckt, verwundert,
    Tobe, zürne, misch dich ein
    Sage nein!

    Und wenn aufgeblasene Herren
    Dir galant den Weg versperren
    Ihre Blicke unter Lallen
    Nur in Deinen Ausschnitt fallen.
    Wenn sie prahlen von der Alten,
    Die sie sich zu Hause halten,
    Denn das Weib ist nur 'was wert
    Wie dereinst an Heim und Herd,
    Tritt nicht ein in den Verein,
    Sage nein!

    Und wenn sie in deiner Schule
    Plötzlich lästern über Schwule,
    Schwarze Kinder spüren lassen,
    Wie sie andre Rassen hassen,
    Lehrer, anstatt auszusterben,
    Deutschland wieder braun verfärben,
    Hab dann keine Angst zu schrei'n
    Sage nein!

    Ob als Penner oder Sänger,
    Bänker oder Müßiggänger,
    Ob als Priester oder Lehrer,
    Hausfrau oder Straßenkehrer,
    Ob du sechs bist oder hundert,
    Sei nicht nur erschreckt, verwundert,
    Tobe, zürne, misch dich ein
    Sage nein!"

    Das Lied von Konstantin Wecker ist nach wie vor aktuell. Bei Youtube gibt es seit kurzem ein Video mit einer Neuinterpretation von Eze Wendtoin, einem Musiker aus Dresden. Sehenswert.

  • 8
    7
    Blackadder
    02.05.2019

    @Tauchsieder: ich bin entsetzt, wie Sie die friedlichen Demonstranten von 1989 mit den widerlichen Rechtsextremisten, die gestern durch Plauen gezogen sind, gleichsetzen können.

  • 7
    12
    Tauchsieder
    02.05.2019

    Viele Plauener werden sich noch daran erinnern. Fast genau dreißig Jahre später gleichen sich die Bilder vom gestrigen Tag mit den Bildern vom 07.10.89. Bis auf einen kleine Unterschied könnte man sie fast deckungsgleich übereinander legen. Der kleine Unterschied besteht darin, dass die damaligen Bürger der Stadt Plauen bei ihrer Demonstrations- und Protestkundgebung gegen den DDR-Staat, von einem Hubschrauber russischer Bauart überflogen, fotografiert und registriert wurden. Ich glaube es war eine MI-4. Gestern war es ein Hubschrauber deutscher Bauart, wenn mich nicht alles täuscht eine BO. Damals war es die Stasi und gestern?
    Mit dem Wort "Rechtsextremisten" im Artikel sollte man aber vorsichtig umgehen. Ich glaube kaum das "Rechtsextremisten" zur Wahl zugelassen würden.



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