Plauener Feuerwehr im Jahr 2030 - was ändert sich, was bleibt?

Nachwuchsmangel und Geldprobleme: damit haben Brandbekämpfer zu kämpfen. Liebgewordene Gewohnheiten müssen deshalb weichen. Da ist Ärger vorprogrammiert.

Plauen.

Auf den ersten Blick ist Plauen eine Insel der Seligen. Zumindest, wenn es um den Brandschutz geht. "Die Zahl der Feuerwehrleute in der Stadt ist - im Gegensatz zum Landkreis - über die letzten Jahre mit knapp unter 300 einigermaßen konstant geblieben", sagt Jörg Pöcker. Der Chef der Berufsfeuerwehr ist gleichzeitig Gemeindewehrleiter der Kreisstadt und steht damit auch den neun freiwilligen Ortsteilwehren vor.

Aber so rosig ist die Lage nur auf den ersten Blick "Es wird schwieriger, Leute zu finden", sagt Pöcker. Der Beruf des Feuerwehrmanns werde anspruchsvoller. "Die Leute denken immer, man steigt halt in ein rotes Auto und fährt los." Doch sowohl die Einsatzgebiete als auch die Technik werden diffiziler. In ein Fahrzeug mit Drehleiter seien mittlerweile 16 Computer eingebaut.

Die Aufgaben werden komplizierter, die Suche nach geeigneten Personen ebenfalls. Und das sind noch längst nicht alle Probleme. Viele freiwillige Feuerwehrleute arbeiten außerhalb und stehen deshalb tagsüber nicht für Einsätze zur Verfügung. Zwar sind neben der Berufsfeuerwehr immerhin vier von neun freiwilligen Ortswehren rund um die Uhr einsatzfähig: Plauen-Mitte, Neundorf, Großfriesen und Jößnitz. Doch Pöcker darf sich darauf nicht ausruhen. Ob die Plauener Feuerwehr auch in Zukunft gut funktioniert, hängt unter anderem davon ab, was ihr Chef in der Gegenwart macht. "Es muss Veränderungen geben", schätzt er ein. "Man muss regional denken, nicht mehr lokal." Pöcker will die einzelnen Ortswehren künftig noch enger miteinander verzahnen. "Neundorf und Straßberg denken über ein gemeinsames Gerätehaus nach", so Pöcker. "Das ist genau der richtige Weg."

Auch der Zusammenschluss von Wehren dürfe kein Tabu sein. Ein heikles Thema, denn jeder Feuerwehrmann fühle sich in erster Linie seiner Ortswehr verpflichtet. "Das kann man zwar nachvollziehen, wird aber in Zukunft nicht mehr funktionieren", so Pöcker. Theoretisch dürfte er als Plauener Gemeindewehrleiter Zusammenschlüsse einfach anordnen. Aber so etwas würde er sich eher dreimal überlegen. Keine Feuerwehr kann es sich leisten, ihre Freiwilligen zu verprellen. Kategorisch ausschließen will er diesen Weg aber nicht.

Und noch einen Grund gebe es aus seiner Sicht für die enge Zusammenarbeit beziehungsweise den Zusammenschluss von Wehren: die teure Ausrüstung. Wer braucht was? Diese Frage werde angesichts knapper Kassen immer wichtiger. Die Feuerwehr des Jahres 2030 - übrigens nicht nur die in Plauen - müsse beim Einkauf von Fahrzeugen und anderer Ausrüstung viel enger kooperieren als heute.

Zwar kommt der Freistaat den Brandbekämpfern in diesem Punkt entgegen. Können sich Wehren auf eine Bestellung für mindestens drei gleiche Fahrzeuge einigen, erhalten sie höhere Zuschüsse aus Dresden. Doch der Teufel steckt im Detail. "Als vor Kurzem erste Gespräche mit Pausa, Markneukirchen und Oelsnitz über den gemeinsamen Kauf von Tanklöschfahrzeugen geführt wurden, stelle sich heraus, dass Oelsnitz eigentlich ein anderes Fahrgestell braucht als die restlichen Wehren", so Pöcker.

Doch den Bonus aus der Landeshauptstadt gibt es nur, wenn alle Autos wirklich gleich sind. "Bei Sammelbestellungen müssen also alle Partner kompromissbereit sein", so Pöcker. In diesem Fall scheint das zu klappen. Die Zukunft hat schon begonnen - und sie funktioniert.

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