Plauener teilt Strafzettel in Oelsnitz aus

Er hat Geschichte studiert, arbeitet aber in Oelsnitz als Politeur. Nach mehr als 100 Bewerbungen spricht Manuel Fleischer über eine Sehnsucht, die ihn antreibt.

Oelsnitz/Plauen.

Auf den Straßen von Oelsnitz ist er ein bekanntes Gesicht. Manuel Fleischer aus Plauen arbeitet in der Sperkenstadt und verdient als Politeur seine Brötchen - ein Job von vielen, die der 36-Jährige schon ausgeübt hat: in der Forstwirtschaft, an den Talsperren Pöhl und Pirk oder in einer Recyclingfirma in Hof. Kein Job war ihm zu schade, um sich sein Traumstudium, das der Geschichtswissenschaften, zu finanzieren.

Nach abgeschlossenem Bachelor- Studium für europäische Geschichte und einem Aufbaustudium zum Master für europäische Geschichte an der TU Chemnitz sehnt er sich, sein Wissen auch anzuwenden. Den Traum, in einem Museum fest eingestellt zu werden, konnte sich der Plauener noch nicht erfüllen. Seine Abschlussarbeit über das Plauener Infanterieregiment wurde mit der Bestnote bewertet, das Masterstudium schloss er mit 1,1 ab - nichts davon reicht aus, um bei Bewerbungen Erfolg zu haben: "Ich habe innerhalb eines Jahres bundesweit 114 Bewerbungen geschrieben, die meisten an Stiftungen für Schlösser und Burgen - leider kam nichts rum", sagt er.

Nach dem Studium ging er vor zwei Jahren in die Arbeitslosigkeit. Das Arbeitsamt vermittelte ihm im vorigen Jahr den Job des Politeurs. "Es ist wichtig, dass man was zu tun hat, zuhause rumsitzen kommt für mich nicht in Frage." An Wochenenden arbeitet Fleischer da, wo er sich am wohlsten fühlt, auf Stundenbasis im Vogtlandmuseum.

Über den Oelsnitzer Job findet er nur lobende Worte. "Mit Kollegen und dem Hauptamtsleiter komme ich gut aus." Als Ausnahmesituation bezeichnet Manuel Fleischer ein Ereignis, dass ihm in Erinnerung geblieben ist. "Eine Dame hat für ihr Auto keinen Parkschein gelöst. Als ich den Strafzettel an das Fahrzeug hängte, kam sie und hat Rotz und Wasser geheult. Ich konnte nicht verstehen, warum man wegen eines 10-Euro-Strafzettels so weint."

Die Oelsnitzer Stelle ist bis Dezember befristet. Sein Ziel, in einem Museum zu arbeiten, will er nicht aus den Augen verlieren: "Ich will zur Aufklärung beitragen und Geschichte den Leuten näher bringen. Das ist mein größter Wunsch."

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