Plauens "Geisterbahn" kehrt zurück

Hinter der Rathaus-Fassade versteckt sich ein Werk des berühmten Künstlers Karl-Heinz Adler. Ab nächster Woche wird es freigelegt. Aber für wie lange?

Plauen.

Schockiert hat das Werk damals viele. Demnächst kann es das wieder tun. "An diesem Eingang haben sich schon früher die Geister geschieden", so der Plauener Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP). "Aber das bringt Kunst so mit sich." Der Hausherr im Rathaus fiebert der nächsten Woche entgegen. Dann wird dort das verborgene Kunstwerk des vogtländischen Malers und Grafikers Karl-Heinz Adler (91) aus dem Jahre 1976 freigelegt. Adler war mit Pablo Picasso befreundet - und der Eingangsbereich des Rathauses erinnerte in der Tat leicht an das abstrakte Werk des legendären spanischen Malers, der 1973 gestorben ist. Schrillbunte Farben und psychedelische Formen - nicht umsonst nannten die Plauener ihr Rathaus spöttisch "Geisterbahn".

Im Juli 1987 verschwand das Werk hinter schweren Sandsteinplatten beziehungsweise unter Putz. Begründet wurde dies seinerzeit mit umfangreichen Schäden an den Farben und am Mauerwerk, sagt Doris Meijler, Leiterin des Plauener Stadtarchivs. Als Überlegungen auftauchten, im Zuge der bevorstehenden Rathaussanierung das farbenfrohe Bild wieder freizulegen, war man deswegen in der Stadtverwaltung zunächst skeptisch, "Wir haben deshalb vergangenen September an drei Stellen Bohrkerne entnommen und sie genau geprüft", erläutert Projektleiter Axel Markert. Im Abstimmung mit den Denkmalschützern sei man zu der Einschätzung gelangt: Man kann es wagen, das Werk wieder freizulegen. Im Laufe dieser Woche werden deshalb im Eingangsbereich des Rathauses Gerüste aufgestellt und ab Montag die wuchtigen Sandsteinplatten abgenommen.

Wie viel von dem schrillen Kunstwerk letztendlich dauerhaft sichtbar bleibt, wird danach entschieden - und hängt unter anderem vom Zustand ab. "Die Denkmalschützer würden es gern großflächig frei lassen", sagt Projektleiter Markert. Sie wollten jenen Teil von Adlers Werk auf Dauer zeigen, der sich links vom Eingang im jetzigen Außenbereich des Rathauses befindet. Nach der Sanierung des Gebäudes, die im Januar des kommenden Jahres beginnt, liegt dieser Bereich dann im Innenbereich hinter einer Glasfassade.

Ob das so eins zu eins umgesetzt wird, steht noch nicht fest. Keinesfalls zu retten ist aber definitiv jener Teil des Kunstwerks, der sich im Treppenhaus befindet. Dort verschwand das Bild nicht hinter Sandsteinplatten, sondern wurde überputzt. "Den Putz vom Keramik-Granulat abzulösen, ist nicht möglich", befürchtet Axel Markert.

Doch immerhin jener Teil hinter den Steintafeln kann man nächste Woche das erste Mal seit über 30 Jahren wieder erblicken. Und das wird für viele Plauener ein ganz besonderer Augenblick sein. Oberbürgermeister Oberdorfer: "Das ist dann der Wow-Effekt."

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