Sanierer kontra Rathaus: Stadt muss ihren Charakter bewahren

Die Bausubstanz der Gründerzeithäuser hebt Plauen aus der Masse der Städte heraus. Wie lässt sich dieser Glanz erhalten? Fünf Unternehmer fordern mehr Einbeziehung.

Plauen.

Wie viel Altbau-Sanierung tut Plauen gut? Die Stadt ist auf der schwierigen Suche nach einem Mittelweg, um einerseits möglichst viele Häuserzeilen aus der Gründerzeit zu retten und andererseits allzu große Überkapazitäten auf dem Wohnungsmarkt zu vermeiden. Nach einem am 8. Mai veröffentlichten Beitrag der "Freien Presse" zum Brachen-Bericht der Stadtverwaltung ist jetzt eine Debatte entbrannt.

Im jenem Bericht hatte die Stadt gewarnt, das Maß der Altbau-Sanierung gehe "deutlich an der demografischen Entwicklung vorbei". Statt Überkapazitäten abzubauen, würden neue geschaffen. "Mittelfristig bedeutet das selbst bei stabiler Bevölkerungsentwicklung wieder erhöhte Wohnungsleerstände."


Doch da legt die Sanierer-Branche ihr Veto ein und fordert transparente Entscheidungen, bei denen sie ein Wörtchen mitreden kann. "Wir müssen den Charakter der Stadt erhalten", erklärt Andreas Stephan, Geschäftsführer der Maler Plauen GmbH. Daher sollte die Kommune beim Abbruch historischer Bausubstanz äußerst behutsam vorgehen. Der Maler-Chef lud Hauptakteure der Altbau-Sanierung und die "Freie Presse" zum Sitz des Unternehmens an der Seumestraße ein, um Stadt-Spitze und Öffentlichkeit ihre Positionen zu verdeutlichen.

"Ein städtebauliches Erbe wie Plauen haben nur wenige", erklärt Detlev Braun von Vermietervertreter Haus & Grund. Er habe großen Respekt vor Sanierungsleistungen der Großvermieter wie zuletzt an der Bahnhofstraße. Doch von 11.000 Gebäuden in Plauen seien 73 Prozent in privater Hand. "Wir werden etwas stiefmütterlich behandelt", wendet Detlev Braun ein.

"Plauen hat genug Potenzial verloren, wir brauchen keine Leerstands-Hysterie", betont Silvio Zimmermann, der hunderte Wohnungen in der Stadt saniert hat. Inzwischen gebe es Haussanierungen an etlichen Standorten, in die vor zehn Jahren niemand sein Geld hineingesteckt hätte, argumentiert er.

Von "recht heftigen Reaktionen", die der städtische Brachen-Bericht ausgelöst hat, berichtet Frank Müller. "Hochwertiger Wohnraum steht in Plauen nicht leer", wiederholt der Marktführer unter den Altbau-Sanierern seine Kernaussage. Müller räumt ein, dass es Hausabbrüche geben muss. Doch selbst an der Pausaer Straße, die als Problemfall gilt, gibt es "unfassbar schöne Fassaden".

"Entscheidend ist, dass wir einen Ausgleich schaffen", sagt Bernd Stubenrauch, der Wert darauf legt, in der Runde als Unternehmer zu sitzen und nicht als SPD-Stadtrat. Das heißt: Sanieren und Abreißen mit Augenmaß. Ihm schwebt Plauen als "schöne Wohnstadt" vor.

Die fünfköpfige Unternehmerrunde hat einen Wunsch: Sie möchte in dieser Entwicklung mit all den schwierigen Entscheidungen gern seitens der Stadt mehr einbezogen werden.

Wie das aussehen könnte, dazu hat Frank Müller Vorstellungen. Die Sanierung der Häuser Eugen-Fritsch-Straße 30 und 32 ist in seinen Augen "ein perfektes Beispiel". Als gegenüber ein altes Gebäude verschwand, nutzte die Stadt die Freifläche und fügte einen Spielplatz ein. Nur durch diese Konstellation habe er die beiden Häuser und ein drittes - die Nr. 19 - saniert. "Fast 1700 Quadratmeter Wohnfläche, fünf Millionen Euro Investition für Plauen", betont der Sanierer. Doch man müsse mit der Stadt auch über die Oelsnitzer Straße reden und über die Martin-Luther-Straße und über die Hammerstraße. Und und und.

Ein wichtiger Satz von Detlev Braun findet in der Runde große Zustimmung: "Plauen wird nicht wahrgenommen." Andreas Stephan meint: "Was fehlt, ist ein Marketingkonzept, ein professionelles." Das werde vor dem Hintergrund der aktuellen Berichte über Nazi-Aufmärsche in Plauen deutlich. Frank Müller: "Die Stadt ist zehnmal besser, als sie dargestellt wird." Wenn er mit Investoren über Projekte rede und ihnen dann Plauen zeige, gebe es regelmäßig großes Staunen.

Bewertung des Artikels: Ø 2.5 Sterne bei 2 Bewertungen
3Kommentare
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  • 1
    1
    Freigeist14
    23.05.2019

    Naja . Als Außenstehender würde ich jetzt nicht Plauen wegen seiner Bauten vor 1914 als markant sehen . Denn die Gründerzeitviertel zwischen Albertplatz, Forststrasse und Oberen Bahnhof wurden 1945 total zerstört . Jedes Haus ,was die Zerstörung überstand sollte als Juwel erhaltenswert sein .

  • 0
    2
    kgruenler
    23.05.2019

    Vielleicht ist er einfach nur im Urlaub, wie normale Menschen auch hin und wieder...

  • 0
    1
    Tauchsieder
    23.05.2019

    Gibt es eigentlich den OB noch, oder hat es ihm die Sprache verschlagen, ist er noch handlungsfähig und warum äußert er sich nicht zu solch wichtigen Fragen "seiner" Stadt ?
    Wahrscheinlich macht in Plauen jeder was er will und alle machen mit.



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