Spaß mit Krokodil, Haifisch und Co.

Ein Hüpfburgenpark in Plauen: Warum die aufblasbaren Tiere für die Betreiber auch Ersatz für ein früheres Leben sind.

Plauen.

Ab ins Maul des Krokodils! Die Kinder kreischen. "Jaaaaaa!" Das Tier macht fette Beute: drei Kinder, vier Erwachsene - alle steigen ihm freiwillig zwischen die Zähne, die sich aller 30 Sekunden schließen. Beine schlingen sich um Köpfe, Vater Sebastian purzelt kopfüber.

Wenn Papas sich zum Kasper machen, Mamas fröhlich zu Boden gehen und die Kinder hysterisch lachen haben Bettina und Menikos Richter ihr Ziel erreicht. Das Ehepaar betreibt Hippos Hüpfburgenpark: Neben dem Riesen-Kroko gibt es auch einen Hai, aus dessen Maul man rutschen kann, eine Dinosaurierinsel, einen Hindernis-Parcours. Mehr als zwölf mit Luft gefüllte Spielgeräte sind es insgesamt. Und ein bisschen sind sie Ersatz für das Leben, was das Schausteller-Ehepaar hinter sich gelassen hat.

Seit dem Wochenende macht der Hüpfpark Station in Plauen, im Wohngebiet am Chrieschwitzer Hang. "Wir wollen, dass die Familie was zusammen macht", sagt Bettina Richter. Vom offenen Wagen am Eingang, der Imbiss und Kasse zugleich ist, hat sie alles im Blick. Menschen zu unterhalten, ist ihr Lebensinhalt, das hat sie immer schon getan. Ihre Eltern waren Puppenspieler, zwischen Kasperle und Krokodil ist sie aufgewachsen. Ihr Mann Menikos kommt aus einer Zirkusfamilie. Mit Giraffen und Elefanten sind sie durchs Land gefahren, bis vor zwei Jahren. "Irgendwann will man ja auch mal etwas Eigenes haben", sagt Menikos Richter.

Zirkusse mit Großtieren haben einen schweren Stand. Der Kasper ist in Vergessenheit geraten. Nun also aufblasbare Tiere. Schwer sind die trotzdem. Eine halbe Tonne wiegt der Hai, ohne Luft. Der Umzug mit Ab- und Aufbau dauert fünf Tage. In Plauen bleiben die Richters drei Wochen, geöffnet ist jeden Tag, wenn das Wetter passt. Einen freien Tag? Menikos Richter schaut, als fände er die Frage absurd.

Es ist Sonntagnachmittag, zwischen wenigen Wolken brennt die Sonne. An der Kasse steht Sonnencreme bereit, für die Gäste. Die Plauener sind ein dankbares Publikum, sagen die Richters. Zum dritten Mal sind sie in der Stadt. Menikos Richter kassiert, seine Frau wirft Pommes in die Frittöse und verteilt Getränke, ab und zu tauschen sie. Alles funktioniert wortlos, wie bei einem Tanz.

Ein Kind brüllt wie am Spieß - Wespenstich. Bettina Richter verteilt Kühlpads und Salbe. Sie wacht über die Gäste, runzelt die Stirn, wenn Eltern sich nicht zum Mithüpfen erweichen lassen. Es zerreiße ihr das Herz, wenn Eltern ihr Kinder ignorieren, sagt die resolute Frau. Umso mehr freut sie sich über die ineinander verknotete Familie im Maul des aufblasbaren Krokodils.

Die echten Tier vermisst sie trotzdem, sagt Bettina Richter nachdenklich. "Aber wir sind Schausteller", ergänzt ihr Mann. "Wir wollen, dass die Leute Spaß haben." Und das ist es letztlich, was für die Richters zählt.

Hippos Hüpfburgen machen bis zum 26.August an der Äußeren Reichenbacher Straße/Anton-Kraus-Straße in Plauen Station. Geöffnet ist, wenn das Wetter passt. Im Zweifel vorher anrufen, 0171 2021790.

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