Stadtführung zu Problemzonen: Mehr Druck auf Brachen-Besitzer

Die Stadt will Hausbesitzer häufiger zum Sanieren zwingen - wenn sie ein verfallendes Gebäude im Zentrum besitzen. Die ersten haben das schon zu spüren bekommen, hieß es gestern beim Stadtrundgang der Behörden.

Plauen.

Am Klostermarkt trifft es das Haus, in dem ein Obsthändler sein Geschäft hat. Es wirkt wie ein fauler Zahn in einem gesunden Gebiss. "Wir haben dem Eigentümer eine Sanierungspflicht auferlegt", sagt Baubürgermeister Levente Sárközy.

Mit dem Ergebnis ist Sárközy zufrieden. Der Eigentümer habe sein Haus jetzt an ein Architekturbüro verkauft, das etwas aus dem Gebäude machen wolle. Zum zweiten Mal hat die Stadt nach Aussagen des Baubürgermeisters einen Eigentümer verpflichtet, sein heruntergekommenes Haus zu reparieren.

Grundlage dafür sei das Baugesetzbuch. Wertet ein baufälliges Gebäude das Umfeld ab, kann die Kommune den Eigentümer zum Sanieren verpflichten, so Sárközy. Bedingung sei, dass die Kommune den Privatmann damit nicht in den Ruin treibt. Weil das Ganze ein juristisch aufwendiger Prozess sei, scheuten viele Kommunen davor zurück, so Sárközy. Er plane indes, weitere solche Briefe zu verschicken: "Unsere Erfahrung damit ist gut."

Sárközy will eine Dynamik erreichen für Häuser im Herzen der Stadt, um die sich seit Jahrzehnten keiner kümmert. Er denkt an verwahrloste Gebäude in den Innenstadt-Fördergebieten. Durch die Förderprogramme seien die Sanierungen wirtschaftlich. Die Sanierungsverpflichtung werde dennoch eher Ausnahme bleiben statt Regel.

Zweimal im Jahr läuft der Oberbürgermeister mit seinen Bürgermeistern, diversen Amtsleitern und der Polizei durch die Stadt und besucht die Probleme vor Ort. Meistens sind das nicht die größten Probleme der Verwaltung. Es sind aber Dinge, an denen sich die Einwohner stören. Ein Schwerpunkt sind Häuser, die nicht mehr schön aussehen. OB Ralf Oberdorfer (FDP) lädt die Leute zum Rundgang ein, klappert die Stellen ab und sagt etwas dazu.

Ein Stadtbummel von Problemzone zu Problemzone. Es geht um Hundekot auf den Fußwegen, um nächtlichen Gaststättenlärm und um Sonnensegel, die Spielplätze angenehmer machen könnten. Oberdorfer macht diese Rundgänge seit seinem Amtsantritt vor 18 Jahren.

Gestern war die Innenstadt dran, eine dreieinhalb Kilometer lange Route. Im Zentrum fallen die Brachen ins Auge: an der Dobenaustraße, am Oberen Graben, am Bänkegässchen, an der Kirchstraße, der Fucik-Straße. Die betroffenen Häuser gehören Privateigentümern, manche leben im Ausland. "Ich habe schon Verhandlungen bis Shanghai geführt", sagt Oberdorfer.

Seine Antwort gestern zu mehreren Brachen: "Wir schreiben den Eigentümer an und bitten um Pflegemaßnahmen." Gehe von den Gebäuden keine Gefahr aus, habe die Stadt aber kaum Handlungsspielraum. Die Stadt vermittle solche Flächen mitunter weiter an potenzielle Investoren. Ein Beispiel sei das leer stehende Bankgebäude an der Bahnhofstraße. Das Haus habe jetzt einen neuen Eigentümer, der es zum Wohnhaus umbaut. "Hochwertige, frisch sanierte Wohnungen sind im Zentrum eine Marktlücke", sagt Baubürgermeister Sárközy.

Immer wieder hoch kocht das Problem, dass Stadtfest-Besucher zu späterer Stunde in Ecken urinieren statt ins Klo. Die öffentlichen Toiletten seien schon nach kurzer Zeit eklig und verschmutzt, hieß es beim Stadtrundgang. Oberdorfer will das verbessern. Er macht den Reinigungsplan für die Toiletten im Rathaus-Lichthof zur Chefsache: "Da muss häufiger geputzt werden." Morgen beginnt das Herbstfest.

Am 23. Oktober wertet der OB den Rundgang bei einer Einwohnerversammlung aus.

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