Straßberger Reeperbahn stellt sich ein letztes Mal zur Schau

Die Straßberger Narren feierten am Rosenmontag nochmals eine feuchtfröhliche Party im Rotlichtmilieu der Turnhalle. Zwei Besucher hatten besonderen Grund zur Freude.

Straßberg.

Bevor das verruchte Viertel zum Leben erwachte, erhob das Prinzenpaar Clara Edelmann und Markus Glück in der Umkleidekabine des Männerballetts zum letzten Mal in dieser Faschings-Saison die Gläser. Dieses Ritual wird bei den Blauweißen vor jeder Veranstaltung praktiziert. Vor dem Showprogramm schauen die Faschingsregenten bei jeder Gruppe kurz vorbei. Besonders laut ging's mal wieder bei den Herren zu. Allerdings waren die Stimmen der Männer merklich angekratzt. Die insgesamt sechs eigenen Veranstaltungen in der Straßberger Turnhalle und der Plauener Carnevalsumzug am Sonntag hinterließen merklich Spuren. "Hier riecht es wie nach 2000 Fußballspielen", rief einer der Männer in die Runde. Im allgemeinen Gelächter warf sich die verrückte Truppe für ihren Auftritt in St. Pauli bei Nacht in Schale. Routiniert zupften sie an den Strapsen und zwängten sich in Lack und Leder. Kurze Zeit später öffnete der Sündenpfuhl seine Tore. Motto des Abends: "Die Straßberger Reeperbahn stellt sich zur Schau, ganz St. Pauli ruft Straßberg helau!"

"Drag Queen Olivia Jones" grüßte die Party-Gäste im bunten Glitzerfummel. Die Kiez-Tour erfüllte alle Klischees - vom Hans-Albers-Platz über die Davidwache bis zur Herbertstraße. Auf der närrischen Rotlichtmeile inszenierten Prinzengarde und ABM-Truppe einen durchgeknallten Junggesellen-Abschied. Es ging drunter und drüber. Trunkenbolde, zwielichtige Gestalten und aufreizende Damen standen im Rampenlicht. Alles mündete in einer großen Saal-Polonaise. In der Astra-Bar spülten die Gäste mit "Rumkrieger", "Gib Bussi" oder "Rosa Flittchen" nach.

Bevor die Weimarer Band Borderline losrockte, rief der König von St. Pauli die Juroren zur Kostümprämierung zusammen. Am Ende durften sich die Plauener Isabell Kein und Markus Naumann feiern lassen. Sie verkörperte das berühmte Pariser Varieté "Moulin Rouge", er die legendäre Hamburger Box-Kneipe "Zur Ritze". Seit fünf Jahren feiern die beiden zusammen in Straßberg wilde Faschings-Feten. "In dieser Saison waren wir schon vier Mal hier", verrieten die Sieger der Preisverleihung. "Die Kostüme basteln wir lange vor Saisonbeginn selbst zusammen." Trotz der sperrigen Outfits hatte das Duo genügend Platz zum Tanzen.

Im Vergleich zu den vorherigen Veranstaltungen gab es diesmal kein Gedränge in der Halle. Mitorganisator Udo Dög und seine Mitstreiter hatten sich mehr Resonanz im Faschings-Finale erhofft. "Der Rosenmontag ist schwierig geworden." Nach den großen Umzügen in Greiz und Plauen und zahlreichen Partys der vogtländischen Faschingsvereine scheint die Luft bei vielen Narren raus zu sein, vermutet Dög. "Dazu kommt, dass viele am nächsten Tag wieder arbeiten müssen."

So ganz ist die Fünfte Jahreszeit für die Straßberger noch nicht vorbei. Jetzt müssen sie die Turnhalle wieder in den alten Zustand versetzen. Auf Faschings-Abteilungsleiter Philipp Adler und seine Helfer wartet viel Arbeit. "In einer Woche muss die Halle wieder wie vorher sein."


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.