Tausende Stunden ausgefallen

Auf dem Papier steht inzwischen zwar vor jeder vogtländischen Klasse ein Pädagoge - aber nicht immer im richtigen Fach. Auch eine aktuelle Stundenausfall-Statistik gibt Anlass zur Sorge.

Plauen.

Trotz der Verpflichtung von 140 neuen Lehrern seit Jahresbeginn für die Schulen im Vogtland entspannt sich das Thema Lehrermangel allenfalls auf dem Papier. Ein Problem bleibt die fachgerechte Absicherung, wie das zuständige Schulamt in Zwickau auf Nachfrage einräumt. "Es steht vor jeder Klasse ein Lehrer, aber nicht in jedem Fall ein ausgebildeter Fachlehrer für das zu unterrichtende Fach", sagt Sprecher Arndt Schubert. "Freie Presse" liefert die Fakten zur aktuellen Lage:

Neueinstellungen: Anfang des Jahres wurden 78 Lehrer für die Schulen der Region eingestellt. Für dieses Schuljahr unterschrieben weitere 63 Lehrkräfte ihren Vertrag, davon sind 14 Seiteneinsteiger. Einzelne könnten noch hinzukommen, heißt es aus der zuständigen Behörde. Fünf Lehrer folgten dem Beispiel der singenden Grundschullehrerin Jana Thiele aus Grünbach und zogen mit der Aussicht auf Mitnahme ihres Beamtenstatus aus Bayern an eine Schule im Vogtland um. Auch 55 Lehramtsanwärter sichern Unterricht im Vogtland ab. Unterdessen gehen viele Lehrkräfte aus dem Schuldienst raus, zum Beispiel in Pension oder Elternzeit.

Viele Lücken überbrücken die Lehrkräfte, die da sind. 250 Lehrerinnen und Lehrer fahren für den Unterricht zwischen Schulen hin und her, das ist immerhin jeder sechste im Kollegium. Das betreffe laut Schulamt kurzfristige Abordnungen für Krankheitsfälle, aber auch Einsätze für das gesamte Schuljahr, um Fachunterricht abzudecken.

Dauerbrenner Stundenausfall: Für das vergangene Schuljahr stehen 5300 Stunden mehr als im Vorjahr auf dem Tableau, die geplant oder ungeplant an den Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien und Förderschulen im Vogtland ausfielen - in Summe die unwirkliche Zahl von rund 42.600 Stunden. Dabei sank zwar an Oberschulen und Gymnasien der Unterrichtsausfall. Das ist aus einer Datenbank des Kultusministeriums ersichtlich. An den Grundschulen und Förderschulen sah es jedoch deutlich schlechter aus: Dort liefen mehr ausgefallene Stunden an als noch im Schuljahr 2016/17. An den Grundschulen fielen mehr als viereinhalb Prozent aller Unterrichtsstunden weg, an Förderschulen sogar mehr als acht. Stunden, die mit fachfremdem Unterricht überbrückt wurden, sind nicht mitgerechnet.

Gründe für den Ausfall gibt es viele. "Der Ausfall liegt bei einigen Schulen über dem Durchschnitt, wenn sich dort unvorhergesehene Krankheitsfälle häufen", erklärt Schulamtssprecher Schubert. "Wir verfügen derzeit nicht über genügend Vertretungsreserven, ein Ausfall ist in solchen Fällen unvermeidbar." An keiner Schule sind die Kapazitäten so groß, dass im Notfall jemand ohne Weiteres abgezogen werden könnte. Gerade in den Naturwissenschaften ist es eng. Ein höherer Krankenstand wird mit dem steigenden Alter der Lehrerschaft begründet. Im Durchschnitt sind die Lehrer im Vogtland 43 Jahre alt. Zur Einordnung: Für den Antrag auf Verbeamtung wäre der Durchschnittslehrer damit schon ein Jahr zu alt.

Dieses Schuljahr sieht es laut Schulamt in Sachen Lehrer besser aus: "Der Bedarf konnte nahezu gedeckt werden, ist aber immer aktuell zu bewerten, da auch Abgänge, Kündigungen, Langzeitkranke nicht planbar sind." Ein Problem bleibe die fachgerechte Absicherung.

Das sagen Elternvertreter: Der Kreiselternrat machte Anfang des Jahres auf die steigenden Stundenausfälle im Vogtland mit einer Aktion aufmerksam, die bis nach Dresden hallte. Eine Rückmeldung gab es aber nicht. "Man hat schon das Gefühl, Dresden lässt uns im Regen stehen", sagt Vorsitzender René Brückmann. "Ich halte es für sehr bedenklich, dass nun als Gegenmittel Lehrpläne ausgedünnt werden. Die Leidtragenden sind die Kinder."

Der Stundenausfall ist für jede Schule ab Schuljahr 2004 über eine Datenbank einsehbar - über "Berichterstattung" und "Schulstatistik" zum Unterrichtsausfall durchklicken: www.schule.sachsen.de

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