Tourist-Info: Klein-Klein oder großer Wurf

Das Rathaus setzt auf ein Projekt mit Dokumentationszentrum '89 und Toiletten unter einem Dach. Die Debatte ist eröffnet.

Plauen.

Mit einem Spagat versucht die Stadt Plauen, drei völlig unterschiedliche Probleme zu lösen. Die Verwaltung legte am Montagabend ihre Pläne vor, um die bisher im Rathaus untergebrachte Tourist-Information, das angestrebte Informations- und Dokumentationszentrum (IDZ) zur Friedlichen Revolution 1989 und öffentliche Toiletten unterm Dach eines Neubaus am Wendedenkmal zu vereinen. Doch ein Beschluss und damit eine wegweisende Vorentscheidung ist im Plauener Stadtbau- und Umweltausschuss nicht gefallen. Das Thema wurde nach heißer Debatte vertagt.

Vier Varianten hatte das Rathaus untersucht, Plauens Pressesprecherin und Tourismus-Verantwortliche Silvia Weck stellte die Ergebnisse und das daraus abgeleitete Ranking vor (siehe Beitrag rechts). Stadtspitze und Verein Vogtland '89 setzen auf den Standort am Wendedenkmal. Silvia Weck verwies auf 85 Prozent Förderung für den Neubau und eine Zusicherung von Roland Jahn, Chef der Stasiunterlagenbehörde. Er werde ein Informations- und Dokumentationszentrum unterstützen, um die "historische Rolle Plauens" 1989 darzustellen.

Im Ausschuss durften der Historiker Gerd Naumann und der CDU-Kommunalpolitiker Hansjoachim Weiß die Argumente des Vereins vortragen. "Plauen gehört in jedes Lehrbuch für deutsche Geschichte", beschrieb der Historiker Naumann die Rolle der Stadt. Mit den drei Säulen ständige Ausstellung, Ort für Aktionen und Bildung sowie Archiv und Bibliothek sollte das IDZ als moderne, effiziente und finanzierbare städtische Struktur entstehen. Hansjoachim Weiß sprach von einem Alleinstellungsmerkmal für Plauen. Sollte die Stadt die Chance einer Gedenkstätte für die Ereignisse 1989 verstreichen lassen, "dann braucht sich niemand zu wundern, wenn nur über Leipzig geredet wird".

Im Ausschuss gab es indes Bedenken und auch Widerstand. "Uns schwebte das Brandschutzamt vor", erklärte CDU-Stadtrat Ingo Eckardt. Er lehnt auch die Konzentration allein auf den Hauptort des Widerstandes 1989 ab und stellte in Zweifel, ob der Neubau am Wendedenkmal langfristig eine gute Wahl ist. "Geht es etwas kleiner?", fragte SPD-Stadtrat Bernd Stubenrauch und plädierte für eine Nutzung des Spitzenmuseums. Für Oliver Bittmann (Grüne) wären zwei getrennte Immobilien für Tourist-Info und IDZ kein Problem: "Plauen hat viele Nachteile, aber einen großen Vorteil: kurze Wege." Gerald Schumann (AfD) legte Wert auf Zentrumsnähe. Klaus Jäger (Linke) verwies auf Folgekosten einer Betreibung. Dazu seien weitere Informationen nötig.


Die Suche nach dem Top-Standort: Ranking mit Pro und Kontra

Neubau Melanchthonstraße, 44 Punkte: Zentral gelegen, Top-Außenwirkung und in nahezu allen Belangen mit der höchsten Punktzahl 5. Einzige Schwächen: schwierige Eigentumsverhältnisse des Areals und hohe Investitionskosten.

Neubau Neustadtplatz, 39 Punkte: Top-Nähe zum öffentlichen Nahverkehr, Synergien, alles unter einem Dach. Minuspunkte: hohe Investitionskosten und Randlage.

Sanierung Brandschutzamt, 37 Punkte: Immobilie gehört der Stadt, alles passt unter ein Dach, Synergien möglich, dennoch hohe Investitionskosten und mäßige Außenwirkung.

Bestandslösung mit Spitzenmuseum, 31 Punkte: Alles gehört der Stadt, die Lage ist zentral. Vergleichsweise geringe Investitionskosten. In allen anderen Punkten mittlere bis schlechte Werte. Synergien sind nicht möglich, dort gibt's 0 Punkte. (ur)


Kommentar: PlauensChance

Plauen ist in diesem Jahr endlich ins gesamtdeutsche Bewusstsein gerückt. Die Stadt wird mehr und mehr als einer der Hauptorte der Friedlichen Revolution 1989 wahrgenommen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wählte Plauen als Ort für sein ZDF-Sommerinterview aus. Die Arte-Dokumentation "Palast der Gespenster" stellte die Ereignisse des 7. Oktober 1989 von Berlin und Plauen auf eine Stufe. Und jetzt sagt Roland Jahn, DDR-Bürgerrechtler und heute Chef der Stasiunterlagenbehörde, seine Hilfe zu. In diesem Lichte betrachtet wäre die Stadt töricht, vorschnell über ein Informations- und Dokumentationszentrum zu entscheiden. Es geht um einen Hotspot der Erinnerungskultur. Welche Anforderungen gibt es für ein solches Alleinstellungsmerkmal? Da ist kein Platz für faule Kompromisse.

Dazu gehört freilich: Wie teuer ist das Projekt? Wie viel Fördergeld fließt? Was kostet die Betreibung? Für eine kompetente Entscheidung müssen alle Karten auf den Tisch.

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