Trabikorso durchbricht symbolische Mauer

Wie damals: Eine lange Schlange von Trabis macht sich auf den Weg von Ost nach West und durchbricht die Mauer. In Mödlareuth, dem einst geteilten Dorf an der thüringisch-bayerischen Grenze, wird die Wendezeit nach 30 Jahren noch einmal lebendig.

Mödlareuth/Hof.

Am 30. Jahrestag des Mauerfalls hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) an den Mut der Revolutionäre in der DDR erinnert. Aus anfänglichen Bürgerinitiativen sei 1989 eine Volksbewegung geworden, die sich gegen die SED-Diktatur stellte und die die Mauer von Ost nach West buchstäblich eindrückte, sagte Herrmann am Samstag in dem ehemals geteilten Dorf Mödlareuth bei Hof.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich bereits zuvor mit einer Videobotschaft an die Bevölkerung gewandt und die Menschen der damaligen DDR als würdig für den Friedensnobelpreis bezeichnet. «Diesen Mut, diese Bereitschaft, durch viele Demonstrationen in einer völlig unsicheren Situation ein System von innen heraus zu brechen, ist eine unglaubliche, vielleicht die größte Leistung, die auf deutschem Boden je geschehen ist», sagte er.

Herrmann betonte: «Keiner vermochte damals zu sagen, ob die Rufe nach Freiheit nicht wie die Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking mit Waffengewalt blutig erstickt würden.» Die Wende sei auch eine christliche Revolution gewesen. Ihre Anfänge habe die friedliche Revolution in den Kirchen genommen, «denn nur dort hatte die freie Meinungsäußerung in der DDR ein Heimrecht», betonte Herrmann.

30 Jahre nach dem Fall der Mauer müsse heute aber die Wertebasis des wiedervereinigten Deutschlands gegen Rechts- und Linksextreme, gegen radikale Islamisten und «geistige Brandstifter» verteidigt werden, mahnte Herrmann. «Wir brauchen wieder mehr Zusammenhalt im Land, mehr Mut und Zuversicht. Es darf keine neuen Mauern und Grenzen in den Köpfen geben.»

Nach der Rede des Ministers durchbrach ein Korso aus historischen DDR-Fahrzeugen wie Trabants, Wartburgs und Barkas symbolisch noch einmal eine aus Styropor wieder aufgebaute Mauer. Das Bayerische Fernsehen berichtete aus dem Ort mit einer Liveübertragung.

Das 50-Einwohner-Dorf an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen war wie Berlin jahrzehntelang durch eine Mauer in zwei Hälften geteilt. Auf 100 Metern ist das über drei Meter hohe Bauwerk samt Stacheldraht und Selbstschussanlagen als Teil des deutsch-deutschen Museums im Ort stehengeblieben. Bayern hatte unter den westdeutschen Bundesländern mit 422 Kilometern die längste Grenze zur ehemaligen DDR. (dpa)

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