Uranerz: Zobes zweitgrößte Lagerstätte

Das beschauliche Zobes war vor 60 Jahren ein Bergarbeiterdorf. Jetzt erinnern nur noch bewaldete Abraumhalden und ein paar Schwarzweiß-Fotos an dieses Kapitel. Ein Vortrag in der Kapelle Neuensalz förderte aber manch verschüttet Geglaubtes wieder zutage.

Neuensalz/Zobes.

Zobes vor 60 Jahren hatte nichts mit dem Ort zu tun, den die Menschen heute kennen: ein beschauliches kleines Dorf zum Wohnen. Eine vom Bergbau gezeichnete Landschaft, Abraumhalden, Fördertürme und barackenähnliche Betriebsgebäude bestimmten damals das Bild, an das sich die heutige Bürgermeisterin Carmen Künzel (parteilos) noch erinnern kann. Sie ist in Zobes geboren und erlebte das Bergbaudorf als Fünfjährige.

In ihr weckte der Vortrag des Geologen Werner Schuppan am Freitagabend in der mit knapp 100 Besuchern ausverkauften Kapelle in Neuensalz viele Erinnerungen an die 1960er Jahre, von denen sie sagt: "Ich hatte eine schöne und interessante Kindheit." Das Bergbaugelände durften nur Mitarbeiter der Wismut betreten. So hieß das deutsch-russische Unternehmen, das im Erzgebirge, im Vogtland und im thüringischen Ronneburg Uranerz abbaute, als Grundstoff für die Herstellung von Atomwaffen.

Carmen Künzel erinnert sich: "Meine Tante hat mich manchmal mit in das Geschäft genommen, in dem nur die Bergleute einkaufen durften. Dort gab es alles, sogar Manchesterhosen." Die Bergleute verdienten für damalige Verhältnisse Spitzengehälter. Doch der Wohlstand hatte seinen Preis: "Viele sind damals mit Mitte 40 gestorben", so die Bürgermeisterin am Rande der Veranstaltung. Woran, das erklärte Werner Schuppan: "Staublunge und eine Krankheit, die man damals Schneeberger Krankheit nannte - Lungenkrebs."

Unter Tage herrschten teils menschenunwürdige Arbeitsbedingungen. Bei 30 Grad arbeiteten die Männer kurzärmlig, mit kurzen Hosen und Gummistiefeln, oft in gebückter Körperhaltung mit 25 Kilogramm schweren Presslufthämmern in der Hand. Statt mit Wasser zu bohren, verzichteten die Männer Anfang der 1950er Jahre oft auf den trotzdem noch primitiven Gesundheitsschutz, der verhindern sollte, dass sie zu viel vom radioaktiven Staub einatmeten, so berichtete es Werner Schuppan. Die Verlockung eines höheren Verdienstes durch den schnelleren Abbau des Gesteins ließ sie die Gefahr ignorieren.

Zobes war mit 50.000 Tonnen gefördertem Erz nach Schlema (80.000 Tonnen) die zweitgrößte Uranerz-Fundstelle der Wismut. Bis in 800 Meter Tiefe hatten die Bergleute in Zobes die Spur des Erzes im Gestein verfolgt. Dann stießen sie auf Ausläufer des Bergener Granitmassivs. An der Stelle war 1963 Schluss.

Im Vergleich zu der Menge des ausgelösten Gesteins war die Erzausbeute gering. Die Uranvererzungen zogen sich oft als nur wenige Zentimeter breite Bänder durchs Gestein. Trotzdem musste mindestens 1,20 Meter hohe Gänge herausgebrochen werden, damit die Bergleute wenigstens in gebückter Haltung arbeiten konnten. Die so entstandenen riesigen Abraumhalden waren für den jungen Werner Schuppan Ausgangspunkt seiner späteren beruflichen Entwicklung zum Geologen. "Ich habe, wie viele Kinder, Steine gesammelt", berichtete der gebürtige Vogtländer. Bei ihm weckten die farbigen Steine und die schönen Kristalle den Wunsch, sich auch beruflich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Als Geologe hat er 20 Jahre die Aktivitäten der Wismut begleitet. Er kennt alle Vorkommen an Erz und anderen Bodenschätzen in der Region. Die Wismut interessierte sich damals jedoch kaum für andere Metalle: Silber, Zinn und Wolfram lagerten und liegen zum Teil auch heute noch im Erdinneren. "Am Gottesberg lagert auch Wolfram. Unter Neumark, Reichenbach und Hauptmannsgrün gibt es fein verteilte Vererzungen", berichtete Schuppan. Die Vermutung, dass es auch an anderen Ausläufern des Bergener Granitmassivs Uranerz geben könnte, erwies sich allerdings schon damals als Trugschluss: "In Bergen betrug die Ausbeute nur 160 Tonnen. Der Abbau war schon 1959 beendet." In Tirpersdorf sei so wenig Erz gefunden worden, dass sich der Abbau nicht lohnte. An der Neumühle bei Geilsdorf stießen die Geologen auf eine warme Quelle, die bis heute sprudelt. Erz fanden sie hingegen keines.

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