Vogtlandkreis plant höhere Windanlagen

Das neue Klimaschutz- konzept setzt für die Region auf einen Mix aus erneuerbaren Energien. Reibungspunkt mit Bürgern ist aber die Windenergie.

Plauen.

Es soll im Vogtlandkreis nicht mehr Windkraftanlagen als bisher geben, 19 sind es aktuell. Aber: Sie könnten künftig deutlich in die Höhe wachsen. Das ist ein Teil des vom Kreistag bereits verabschiedeten Klimaschutzkonzepts.

Von 150 bis 175 Metern Höhe ist im Landratsamt die Rede. Zum Vergleich: Das Riesen-Windrad bei Treuen ist etwa 200 Meter hoch. Mit dem Austausch kleinerer 100-Meter-Anlagen könne eine Ausweitung der Flächen für Windenergie im Regionalplan vermieden und durch maximale Auslastung mehr Effizienz erreicht werden, erklärte Energiebeauftragter Uwe Hergert gestern in einem Pressegespräch zum Thema. 168 Gigawattstunden muss der Landkreis bis 2030 aus Windenergie gewinnen. So geben es Bund und Freistaat vor. "Wir wollen unseren geforderten Anteil leisten, aber ihn auch nicht überbieten", sagte Landrat Rolf Keil (CDU).

Keil ist gleichzeitig Vorsitzender des regionalen Planungsverbandes Südwestsachsen für das Windenergiekonzept. Welche Standorte im Vogtland für potenzielle neue Windräder ausgewiesen werden, könne noch nicht gesagt werden, hieß es auf Nachfrage der "Freien Presse". "Wir sind noch nicht so weit", sagte Keil. 6000 Anträge mit Einwänden gingen beim Verband ein. Die gilt es abzuarbeiten. 2018 sei das nicht mehr zu schaffen. Das vorherige Papier hielt vor Gericht nicht stand. Der Vorwurf: Verhinderungsplanung. "Wir müssen einen neuen Plan aufstellen", betonte Keil. Andernfalls herrsche Baufreiheit. "Das Szenario gilt es zu vermeiden."

Einer der Einwände ist ein Gutachten zum Vorkommen geschützter Tierarten an der Landesgrenze zwischen Thüringen und Sachsen. Dieses schob die Bürgerplattform Pro Vogtlandschaft an, die sich gegen den wachsenden Windkraftgürtel bei Mißlareuth und Stelzen einsetzt. Der Rotmilan sorgte dafür, dass die Pläne für zwei weitere Anlagen zumindest auf Eis liegen - vorerst. Umweltamtsleiter Tobias Pohl kennt die Bedenken. "Wir werden alle Einwände abwägen", sagte er auf Nachfrage. "Aber alles ganz emotionslos." Denn: Das Windrad in Mißlareuth läuft von allen Anlagen im Vogtland am besten, weit über die Grenze der Wirtschaftlichkeit. "Da oben ist spitzenmäßig Wind", sagte Pohl. Die vorhandenen Standorte Ebersgrün und Mißlareuth werden mit dem neuen Konzept an Bedeutung gewinnen, ineffektive Anlagen wie Zobes und Reichenbach wären künftig nicht mehr relevant, hieß es.


Details aus dem Energiekonzept fürs Vogtland

30 Millionen Euro ist der Strom wert, der im Vogtland aktuell aus

erneuerbaren Energien erzeugt wird. Das sind 18 Prozent des Gesamtverbrauchs, 14 Prozent sind es bei Wärme. Der Rest: fossile Brennstoffe.

Biomasse ist im Vogtland das wichtigste Standbein beim Thema erneuerbare Energien. Der Anteil beträgt 44 Prozent. Mit 20 Biogasanlagen sei das im Landkreisvergleich sachsenweit die größte Dichte an Anlagen. "Da ist uns schon ein regionaler Stoffkreislauf gelungen, der gleichzeitig das Güllegeruchsproblem löst und den Milchbauern ein Zubrot bringt", sagt Umweltamtsleiter Tobias Pohl.

Photovoltaikanlagen haben laut Umfrage der Kreisverwaltung die größte Akzeptanz - also ausbaufähig. 37 Prozent beträgt der Anteil im Mix der im Vogtland erzeugten Energien.

1,5 Millionen Euro habe der Vogtlandkreis seit 2012 eingespart, seitdem sich die Verwaltung mit dem Thema Energie beschäftigt.

Heizung runter: 36.000 Euro jährlich spart der Kreis allein ein, weil Steuerungstechnik in Gebäuden überprüft und Hausmeister geschult wurden. Ein Beispiel: Das Gymnasium in Oelsnitz wurde selbst am späten Abend beheizt. Damit ist jetzt Schluss. (nij)

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1Kommentare
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  • 2
    0
    Tauchsieder
    09.05.2018

    Darauf hat zum Glück der Vogtlandkreis (Hr. Pohl) keinen Einfluss. Die Standortfrage und der Umgang mit umweltrelevanten Gutachten obliegt dem Planungsverband Südwest-Sachsen.



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