Wer wird neuer Herr im Herrenhaus?

Einst beherbergte es die Hoffnungen eines Dorfes, nun wird das altehrwürdige Gebäude wieder verkauft. Die Zukunft ist ungewiss.

Pirk.

Wenn Häuser sprechen könnten, was würden sie uns erzählen? Das Herrenhaus in Pirk, Baujahr 1753, könnte einige Anekdoten bieten, spräche aber vielleicht auch über seine Zukunftsängste.

Das Herrenhaus bei Weischlitz an der Hofer Straße steht seit Kurzem zum Verkauf. Der Preis beträgt 60.000 Euro. Die Eigentümer, ein Ehepaar aus der Nähe von Düsseldorf, haben die Sparkasse Vogtland mit dem Verkauf beauftragt.

Damit endet der 2003 gestartete Versuch, eine Kräuterakademie in Pirk zu etablieren. Beatrix und Roland Siegert hatten das Herrenhaus ersteigert, um Kurse über örtliche Kräuter abzuhalten. Die Ausbildungen werden in Deutschland, Österreich und Südtirol angeboten. Zu ihren Teilnehmern zählen unter anderem Sozialpädagogen, Lehrer und Köche. Doch die Nachfrage im Vogtland blieb aus. "Dass wir kein Echo hatten, hat uns sehr traurig gemacht", sagt Beatrix Siegert. Besonders die schöne Umgebung hatte es ihr angetan. Siegert zieht einen Vergleich mit dem Verlieben: "Wenn ich tausendmal sage 'ich liebe dich' und keine Antwort kommt, muss man irgendwann aufhören." Inzwischen bietet Siegert ihre Kurse auf einem Bauernhof in Markneukirchen an.

Was mit dem Herrenhaus passiert, wenn sich ein Käufer findet, ist offen. Hin und wieder treffen sich die Mitglieder des Vereins "Burgstein erleben" im Herrenhaus, doch hauptsächlich dient es ihnen als Lagerraum. Vereinsmitglied Uwe Stöhr hat sich mit dem Verkauf abgefunden: "Es ist schade, aber man kann den Lauf der Dinge nicht aufhalten." Stöhr befürchtet, dass sie das Haus unter einem neuen Eigentümer verlassen müssen. Der Verein setzt sich für den Erhalt und die Pflege der Burgsteinruine ein.

Pirks Ortsvorsteher Gerd Nürnberger sieht das ähnlich. Da sich der Ortschaftsrat drei- bis viermal im Jahr im Herrenhaus versammelt, sucht er nach Alternativen. "Wir haben die Gemeinde Weischlitz gebeten, ein Gartenhaus aufzustellen."

Neben Ortschaftsrat und Verein beherbergt das Haus noch die Sportgruppe "Bewegungsoase", die sich einmal in der Woche dort trifft. Bewohnt ist das Haus derzeit nicht. Zuletzt hatten sich, wie Nürnberger sagt, "Mietnomaden" für ein paar Jahre dort eingenistet. Das Paar hinterließ eine völlig verdreckte Wohnung.

Zuvor hatte es zwischen 1945 bis 1980 Vertriebenen als Unterkunft gedient, wie Frieder Strobel, Ortschronist von Pirk, erzählt. Auch einen Konsum hat das Haus mit dem eigenen Glockenturm schon beherbergt.

Wenn Nürnberger einen Wunsch frei hätte, bliebe das Haus im Besitz von Siegerts und stünde weiterhin für die Vereine und den Ortsvorstand zur Verfügung.

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