Weshalb Plauens Straßenbahnen einst in Flammen aufgingen

Beim großen Festumzug zum 60. Plauener Spitzenfest lässt die Tram am Sonntag auch ihre Oldtimer fahren - wieder aufgebaute Wagen aus früheren Zeiten. Andere ausgediente Fahrzeuge erlebten indes ein ungewöhnliches Ende.

Plauen.

Das Bild wirkt dramatisch: Eine Straßenbahn, es handelt sich um den Wagen Nummer 36 aus der Zeit um 1911, steht lichterloh in Flammen. So ist es zu sehen auf einem Foto, das am 3. Juli 1969 in der "Freien Presse" veröffentlicht wurde. Entstanden ist das Motiv auf dem Betriebsgelände der Plauener Straßenbahn an der Wiesenstraße. Das Foto zeigt freilich keine unvorhergesehene Feuerkatastrophe - sondern die damals durchaus übliche Entsorgung von Tram-Wagen.

Noch brauchbare Teile einschließlich der Sitzbänke und des Glases hatten Mitarbeiter des Nahverkehrsbetriebes zuvor ausgebaut. Der Rest wurde "zeitsparend" dem Feuer überlassen - um die Metallteile freizulegen, wie es damals hieß.


Karsten Treiber ist bei der Plauener Straßenbahn für die Geschichte zuständig. Er weiß mehr darüber. "In der Zeit von 1945 bis 1981 wurden 30 Wagen verschrottet", berichtet er. Für mindestens acht davon (TW 17, 37, 38, 43, 46, 50, 53 und 59) lasse sich anhand von Bildern nachweisen, dass sie auf dem Gelände der Werkstatt Wiesenstraße abgefackelt wurden. "Man bezeichnete das als 'Feuerwehrübung'", erklärt der Abteilungsleiter für Controlling und Vertrieb.

Für die Wagen TW 37 und 38 (28.11.1967) und TW 59 (14.04.1978) lasse sich dafür sogar der Tag belegen. Bei anderen Fahrzeugen endet die Lebensakte 1967 oder 1968 mit dem Vermerk "verschrottet". Dabei könne man jedoch nicht ausschließen, dass man die Bahnen nach und nach ausgeschlachtet hat und dann 1969 endgültig den hölzernen Wagenkasten niederbrannte.

Es wurden allerdings nicht sämtliche Trams dieser Serie von 1911 in Glut und Asche versetzt. Einige aufpolierte Exemplare fanden den Weg nach Halle, Zwickau und Gera, wo sie zu historischen Anlässen als Oldtimer ihre Runden drehten. Auch der beim Plauener Betrieb heute noch vorhandene historische Wagenpark besteht aus liebevoll wieder aufgebauten Trams aus alten Tagen. Die kann man am Sonntag ab 14 Uhr beim Festumzug bestaunen und in Erinnerungen schwelgen.

Bei der Parade dabei sind auch die Kurzgelenktriebwagen KT4D aus der CSSR, die vor 50 Jahren ebenfalls schon ein Thema waren an der Wiesenstraße. Für das Jahr 1970 war damals der Einsatz eines neu entwickelten Kurzgelenktriebwagens aus den Tatra-Werken angekündigt worden. Das Fahrzeug sollte in Plauen wegen dessen topografischer Lage mit den langen Steigungen seine Generalprobe bestehen. Man könne die dabei gewonnenen Erkenntnisse auf jede andere europäische Stadt übertragen. Der Kurzgelenktriebwagen versprach eine höhere Geschwindigkeit, mehr Komfort und gummigedämpfte Räder, die das Kreischen in den Kurven verhindern. In der Chronik ist diese Erprobung von zwei Wagen dann jedoch erst für das Jahr 1976 festgehalten.

Was man in der Chronik allerdings noch entdecken kann, sind weitere runde Jahrestage für 2019. So ist die Tram vor 110 Jahren erstmals nach Reinsdorf (Südvorstadt) und vor 120 Jahren erstmals zum Grünen Kranz (nahe Westbahnhof) gefahren. Erst 1905 ging es weiter bis zur Kaserne, dem heutigen Behördenzentrum und zur Endhaltestelle Neundorf.

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