Ausflüge in Schultütenfabrik verboten

Zwickauer Kitas dürfen die Schultütenfabrik Roth nicht mehr besuchen. Die Firma macht dagegen mobil und erhält Unterstützung. Jetzt hat die Stadt ihren Schritt begründet.

Zwickau/Lichtentanne.

Der Streit kam unerwartet, zudem unerwartet heftig, und die Sympathien scheinen schon jetzt klar verteilt. Am Dienstag machte die Schultütenfabrik Roth aus Lichtentanne im Netz publik, dass die Stadt Zwickau ihren städtischen Kindergärten verboten hat, die Firma zu besuchen. Wohl aus "wettbewerbsrechtlichen Gründen", wie Roth aus einer E-Mail der Stadtverwaltung zitiert, um gleich anzufügen, dass die Firma das überhaupt nicht nachvollziehen könne. Schließlich sei man der einzige Zuckertütenhersteller im Umkreis von 50 Kilometern, und die Kindergarten-Kinder würden den Ausflug stets als Höhepunkt wahrnehmen.

Die Empörung darüber folgt auf dem Fuß. Auf der Firmenseite im sozialen Netzwerk sprechen Eltern ihre Unterstützung aus und kritisieren die Stadt scharf. Am Mittwoch sind dort bereits mehrere hundert Kommentare zu finden. Der Zwickauer Landtagsabgeordnete Gerald Otto (CDU) meldet sich zu Wort: "So geht Wirtschaftsförderung jedenfalls nicht und es wird über diese Auffassung noch in den Gremien des Stadtrates zu reden sein!" Star-Tätowierer Randy Engelhard, der in sozialen Netzwerken 200.000 Menschen erreicht, kommentiert: "Da ist es wieder unser schönes Zwickau. Ich glaub, so etwas sinnloses gibt es nur bei uns!?"


Die Stadt hat inzwischen auf Anfrage der "Freien Presse" ihre Entscheidung begründet. Demnach sind die Besuche der Kinder in der Zuckertütenfabrik mehr als nur ein netter Ausflug. Die Rede ist von Wettbewerbsverzerrung. "Hinweisen zufolge sollen Kinder, die zuvor mit der Kita die Firma Roth besuchten, auffällig häufig Zuckertüten dieser Firma ausgesucht haben", sagt Stadtsprecher Mathias Merz. "Es war sogar die Rede von immer." Noch deutlicher wurde OB Pia Findeiß (SPD), die gegenüber Radio Zwickau sagte: "Es hat Beschwerden von Händlern gegeben, die ein ähnliches Sortiment wie Roth anbieten."

Die Firma streitet nicht ab, die Führungen nicht ganz uneigennützig anzubieten. Man zeige selbstverständlich die eigenen Produkte, um das Interesse daran zu steigern. Davon würden nicht zuletzt die Händler profitieren, die Roth-Schultüten im Sortiment hätten. Das stehe aber bei den Exkursionen nicht im Vordergrund. "Wäre es eine Werbeveranstaltung im Stil einer Kaffeefahrt, würden nicht über so viele Jahre Kindergärten immer und immer wieder zu uns kommen", schreibt das Unternehmen.

Den Angaben aus dem Zwickauer Rathaus zufolge waren zumindest die Besuche der städtischen Kitas bisher überschaubar. Gerade einmal sechs Einrichtungen seien in den vergangenen Jahren zum Schultüten-Hersteller gefahren, sagt Sprecher Merz. Und betont, dass mit dem Ausflugsverbot in keiner Weise eine negative Werbung für die Firma oder ihre Schultüten verbunden sei.

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7Kommentare
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  • 9
    1
    Tokeah
    04.07.2019

    Jetzt hat sich dich tatsächlich ein Cafébetreiber gemeldet, der auch gern im Marktcafé des Rathauses wäre, weil dort die meisten Leute hingehen, gerade wenn sie Anliegen im Rathaus erledigen. Ist das (noch) zu fassen?!

  • 5
    1
    Steuerzahler
    04.07.2019

    Sorry! Da wurde nicht alles gesendet. Die Frage lautete, wer oder was wirklich dahinter steckt!

  • 32
    3
    Einspruch
    03.07.2019

    Das scheint die größte Qualifikation unserer Politiker zu sein, heimische Wirtschaft abwürgen.

  • 31
    3
    bebe
    03.07.2019

    Roth ist und bleibt nun einmal der beste Zuckertütenhersteller. Jeder kennt, liebt und kauft diese. Warum dann diese "Besuchsbeschränkung". Auch andere Unternehmen bieten "Tag der offenen Türen" oä. an und niemand stört sich daran. Andere Definition des Besuches: "Tag der Berufe" zB. und schon können die Besuche weiter gehen.

  • 30
    4
    Steuerzahler
    03.07.2019

    Kleinkariert! Mehr gibts nicht dazu zu sagen! Ob da Messen und Werbeveranstaltungen anderer Hersteller evtl. auch untersagt werden? Was oder wer steckt h

  • 42
    2
    rothwolf
    03.07.2019

    VW macht auch Tag der offenen Tür und da wird auch nichts untersagt.. Es kauft auch nicht jeder VW !

  • 47
    9
    franzudo2013
    03.07.2019

    Die Sozialdemokratin Findeis ruht erst, wenn alle Zuckertueten aus China importiert werden. Erst wenn der letzte Unternehmer zugemacht hat, ist die Gleichheit aller vollendet. Wer wählt sowas? Eltern, wehrt Euch!



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