City-Wettstreit: Noch nicht alles erledigt

Viele Vorschläge zur Belebung des Zentrums hatte es vor einem Jahr gegeben. Doch in die Tat umgesetzt wurden bisher nur wenige.

Zwickau.

Die Zwickauer Nicolaischüler naschen die Radieschen aus den Pflanzkübeln vor ihrer Schule. Ivonne Mallasch freut sich. Die junge Frau verbringt neuerdings einige ihrer Mittagspausen damit, das Gemüse zu gießen. Dass ihr ehrenamtliches Engagement so viel Anklang findet, schmeckt ihr - die Radieschen sind Teil des Projektes "Essbare Stadt" und das wiederum ist hervorgegangen aus einem Ideenwettbewerb, den Zwickau im vergangenen Jahr veranstaltet hatte. Allerdings sind längst noch nicht alle damals ausgezeichneten Ideen umgesetzt.

Wettbewerbsteilnehmer Hendrik Schädlich beispielsweise ärgert sich: Er hatte seinerzeit vorgeschlagen, alte Klaviere in der Innenstadt zu verteilen. So können sich junge Musiker in der Öffentlichkeit ausprobieren, und die Menschen bekämen gleich noch etwas Kultur mit. Bis jetzt klimpert noch niemand in der Innenstadt auf weißen und schwarzen Tasten. "Wir sind dran", sagt Stadtmanagerin Anne Klüglich.


Gleiches gilt für einen anderen Vorschlag - nämlich Regale oder ähnliches aufzustellen, die zum öffentlichen Büchertausch dienen können. "Das ist gar nicht so einfach", sagt Anne Klüglich. Und Ute Vorwerk vom Stadtplanungsamt ergänzt: "Man muss sehen, wie man solche Vitrinen vor Vandalismus schützt. Möglicherweise brauchen die dann auch ein ordentliches Fundament - wobei man dann wieder beachten muss, dass sie sich etwa bei Stadtfesten nicht ohne Weiteres wegräumen lassen." Und was für Bücherregale gilt, das gilt für Klaviere erst recht: Die Instrumente sollten schon so weit gesichert sein, dass sie nachts nicht einfach draußen stehen. "Wir sind gerade in Gesprächen, wie sich das lösen lässt", sagt Klüglich. Das aber ist Hendrick Schädlich zu wenig. Die Aussagen habe er schon im Herbst zu hören bekommen. "Da spricht einfach die blanke Inkompetenz", ärgert er sich.

Einige der Ideen sind indes inzwischen umgesetzt worden - ein Teil davon fand sich zum Beispiel in der Aktion "Zwickau blüht auf" wieder. Ein anderer im Projekt "Essbare Stadt", an dem viele Hände ihren Anteil haben. Eine von ihnen ist Ivonne Mallasch. Sie hat - wie einige andere auch - nicht allein auf die Verwaltung vertraut. "Klar könnte es manchmal mehr Unterstützung geben", sagt sie. "Aber wir haben uns schon sehr gefreut, als wir vom Garten- und Friedhofsamt Beete für die essbare Stadt bekommen haben." Die junge Frau, die an der Hochschule arbeitet, vermutet, dass einige Angestellte in den Ämtern mitunter Vorbehalte gegenüber unkonventionellen Ideen haben. "Man muss eben viel miteinander reden." Und man muss die Bürger so weit bringen, dass sie selbst mit anfassen. Die Fotoausstellung am ehemaligen Haus der DSF, die sie mit Freunden organisiert hat, ist ein Beispiel für gelungene Eigeninitiative. Wobei bei diesem Vorhaben - wie bei anderen auch - gleich zu Beginn vor allem über die Angst vor Vandalismus gesprochen wurde. Vielleicht kein Wunder, erst vor Kurzem ging wieder eine der dicken Scheiben an der Frauentor-Stele zu Bruch.

Vieles, da sind sich Stadtmanagerin und Stadtplanungsamt einig, lässt sich nur gemeinsam mit den Zwickauern umsetzen. Eine gute Idee sei nur der erste Schritt. "Wir verstehen uns auch als Vermittler", sagt Jens Raußer vom Planungsamt. "Oft sind für die Umsetzung einer Idee mehrere Ämter nötig. Da können wir helfen."

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