Das Insektenparadies von Oberplanitz

Was tun für den Schutz von Biene, Hummel und Co.? Wissenschaftler fordern weniger gemähte Wiesen und mehr heimische Wildblumen. Im Endeffekt also einen Garten wie den von Margit Volland in Zwickau-Oberplanitz.

Zwickau.

Sie sind selten geworden, Wiesen, auf denen es wild blüht und wächst. Noch seltener sind Gärten, die absichtlich mit Mut zum Wuchern angelegt werden. Bei Margit Volland in Oberplanitz findet man so einen Garten, den die 63-Jährige selbst liebevoll "Insektenparadies" nennt. Dort bekommen Bienen, Hummeln und Schmetterlinge die Nahrung, die sie sonst im Stadtgebiet oft vergeblich suchen.

Das Schönheitsideal des gestutzten englischen Rasens bedroht nämlich heimische Insekten. Der Naturschutzbund Deutschland dringt seit Jahren darauf, weniger Wiesen zu mähen und Wildblumen einfach wachsen zu lassen. Monokulturen auf den Feldern, Pestizide und Veränderungen des Lebensraums haben Forschern zufolge zu einem Rückgang der Insekten um 75 Prozent allein seit 1990 geführt. Entsprechend sinkt die Anzahl insektenfressender Vögel. Vor wenigen Tagen ließ sich in Zwickau ein Massensterben von Hummeln beobachten. Die dicken Blütenbestäuber finden in der Stadt zu wenig Nahrung. Es gibt nicht genug nektarreiche Pflanzen.


Sie sollten einen Abstecher in den fünf mal elf Meter großen Vorgarten von Margit Volland machen. Bei der Gymnasiallehrerin blüht und gedeiht es nach Lehrbuch. Wenn sie ihre Pflanzen aufzählt, dauert das eine Weile. Pfefferminze ist darunter, Baldrian, Veilchen, Seifenkraut, Spitz- und Breitwegerich, Kamille, Lavendel und Kornblumen, nennt sie unter anderem. "Es ist eine ordentliche Sammlung an Pflanzen, die sich in ihrer Blühphase ablösen", sagt Volland. So ist über einen langen Zeitraum ausreichend Nahrung für verschiedene Insekten da. Momentan sind es vor allem Schmetterlinge und Hummeln, die von Vollands Enkeltochter ausgiebig beäugt werden.

Volland hat den Garten bewusst so angelegt, dass Insekten sich dort wohlfühlen. Vor Jahrzehnten baute ihr Großvater dort Kartoffeln an, später Getreide, irgendwann wuchs Gras darüber, auf dem zwei Schafe weideten. "Was meiner Mutter aber immer wichtig war: Blumen", sagt Volland. Ihre Mutter habe gleich zwei grüne Daumen gehabt, erinnert sie sich. "Allerdings gab es kaum Gartenwege, weil einfach überall etwas wuchs, das respektiert wurde." Sie habe sich da vielleicht etwas abgeguckt.

Als sie ihre eigenen Blumenpläne für den Vorgarten schmiedete, war er eine von Schnecken geplagte, im Schatten von Bäumen liegende vermooste Wiese. Im Herbst 2017 nahm sie Senfsamen, um den Boden zu lockern. "Der Senf blühte auch noch herrlich, leider aber nur für eine begrenzte Zeit", sagt Volland. Sie hatte sich außerdem Samen von Pflanzen aufgehoben, die mit dem Boden und der Witterung gut zurechtkommen. Keine zwei Jahre später sieht ihr Garten aus, wie er heute aussieht. Zeit investiert sie sehr wenig darin, sagt sie. "Ich denke, ich müsste ab und zu mit dem Wasserschlauch mal kurz drüber, aber die Pflanzen spenden sich gegenseitig Schatten, stützen sich und haben kaum zu leiden unter Schnecken."

Sie würde sich wünschen, dass in den nächsten Monaten und Jahren noch mehr solcher Wildblumenwiesen in Zwickau entstehen. Die Stadt könnte zum Beispiel geeignete Grünflächen ausfindig machen. "Damit könnten die Bürger Zwickaus und die Stadtverwaltung einen nicht unwesentlichen Beitrag gegen das Insektensterben und das damit verbundene Vogelsterben leisten", sagt die gebürtige Zwickauerin.

Und wenn sie einen Wunsch freihätte? "Dann würde ich mir wünschen, dass künftig für jedes in Zwickau geborene Kind ein Baum im Stadtgebiet gepflanzt wird", sagt Margit Volland. "Die Eltern und die Kinder haben dann die Verpflichtung, sich zeitlebens um diesen Baum zu kümmern. Eine Würdigung dessen, was selbstverständlich erscheint."

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